
Mit ihrem Debüt „Directions“ ist es der kalifornischen Band auf erstaunliche Weise gelungen, den Geist des 2000er-Screamo einzufangen. Frontmann Matthew Cole beantwortet uns dazu einige Fragen.
Wie balanciert ihr auf „Directions“ den Anspruch aus, dass es gleichzeitig eine „Liebeserklärung“ und eine Art Kartografie des Screamo sein soll – also die Wurzeln des Genres zu ehren und trotzdem etwas Eigenes zu schaffen?
Ich denke, der Kern dieses Genres liegt einfach darin, dich so kompromisslos auszudrücken, wie du es brauchst. Für mich bedeutet das, genau das zu ehren, indem ich mich so gut ausdrücke, wie ich kann. Und das geht Hand in Hand mit der eigenen musikalischen Individualität.
Viele Songs auf eurem Album erzählen Liebesgeschichten aus einer familiären Perspektive – inwiefern verändert das die Verletzlichkeit und Intensität, die man sonst mit Screamo verbindet?
Die Familie ist für mich etwas extrem Verletzliches. Das sind die Menschen, die dich im Kern kennen. Zu meiner Familie zähle ich meine Freunde, meine Verwandten, alle, die ich liebe. Jeder Song, den ich über meine Familie geschrieben habe, ist also einer über Liebe – egal ob er etwas rauher oder etwas sanfter ist.
Screamo lebt oft von Chaos und Katharsis. Was bedeutet Katharsis für dich, und hat sich dein Verständnis davon verändert?
Katharsis heißt für mich, wirklich alles rauszulassen, was raus muss. In dem Moment kann das eine ziemlich schmerzhafte Aufgabe sein, weil du dabei all diese Gefühle durchleben musst. Aber wenn du das tust, bekommst du eine ganz andere Klarheit.
„Friendly face“ nutzt Kindheitserinnerungen als eine Art Kompass. Wie funktionieren Nostalgie und Erinnerungen in deinem Songwriting: als Zuflucht, als Konfrontation oder als Veränderung?
Ich würde sagen, alles drei: Zuflucht, Konfrontation und Veränderung. Erinnerungen umfassen so viel, worauf du zurückblicken und woran du wachsen kannst. Sie können dich dazu bringen, dich selbst oder andere mit Problemen zu konfrontieren. Aber sie können auch unglaublich tröstlich sein – weil du dir zum Beispiel vergegenwärtigen kannst, wie du mit sieben einen besonderen Tag mit deiner Oma verbracht hast.
Im Pressetext wird euer Album als eine Art „Blaupause für eine neue Generation von Screamo-Fans“ beschrieben. Empfindest du eine gewisse Verantwortung, die Zukunft des Genres mitzugestalten?
Ich glaube nicht, dass ich eine Verantwortung verspüre, irgendetwas zu beeinflussen. Das, was diese Musik so großartig macht, ist ihr hohes Maß an Individualität. Es ist schön, wenn Leute unsere Songs hören und davon inspiriert werden. Aber am Ende machst du diese Musik für dich selbst und für niemanden sonst.
© by Fuze - Ausgabe #118 Juni/Juli 2026 und Manuel Stein
© by Fuze - Ausgabe #117 April/Mai 2026 und Manuel Stein