LIFE… BUT HOW TO LIVE IT

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Spannendes aus Norwegen

Lasst uns mit der langweiligsten Frage anfangen.
Dyret:
Wann wir uns gegründet haben?
Tom: Welches unsere Lieblingsfarbe ist?

O.k., lassen wir das.
Roger:
Quatsch, wir haben im Juli 1988 angefangen.

Ich hatte Euch damals 1989 zusammen mit SO MUCH HATE auf eurer ersten Tour gesehen. Damals hattet Ihr zusammen mit YOUTH OF TODAY in Arnheim gespielt. (Roger grinst breit). Wenn man die Zeit nun zwischen 1988 und 1993 praktisch retrospektiv betrachtet - wie würdet ihr eure Entwicklung beschreiben?
Roger:
(grinst immer noch) Wir haben versucht, einfach nur besser spielen zu lernen. Als wir damals anfingen, haben wir mehr oder weniger nur Krach gemacht. So schnell wie möglich und soviel Verzerrung wie möglich.

In welchen Bands hattest du denn vorher gespielt?
Tom:
Roger und ich hatten in BARN AV REGNBUEN (Kinder des Regenbogen) gespielt. An die erinnert sich sowieso keiner mehr.

Quatsch - eure 7" habe ich noch.
Tom:
Echt?

Klar! Und wo hast du gespielt?
Dyret:
Hmmpff...in tausenden von Bands. Ist aber nicht so wichtig.

Lasst uns mal über eure neue Platte reden. Mir fielen da ein paar Schreibfehler auf dem Cover auf…
Roger:
Ja. Die Vorlagen für das Cover, Textblatt und das Inlet wurden unter Zeitdruck fertig gemacht. Wir haben das an eine kleine Repro-Firma weiter gegeben, die uns einen guten Kurs dafür gegeben hat. Außerdem kennen wir die Leute recht gut. Wir hatten nur vergessen, die Texte und die Schriften noch einmal zu überprüfen, und haben die Sachen auf die Schnelle an die Firma geschickt. So steht jetzt auf der CD „LIFE...BUT HOW TO LIFE IT?". Das ist natürlich eine dumme Sache, aber daran können wir jetzt nichts mehr ändern.
Tom: Das haben wir aber auf unseren vorherigen Platten auch schon gehabt. Irgend etwas war da immer schief gelaufen. Aber nichts zu Dramatisches.

Das passiert eben mit solch schwierigen Bandnamen! (grinst)
Roger:
Klar, unser Bandname ist eben total stupide! (lacht)

Wie sieht das denn jetzt aus mit der Band. Jetzt wo ihr auf RPN-Records seid, habt ihr ja einen besseren Vertrieb. Die CD und LP sind unheimlich gut aufgemacht… Seid ihr jetzt dabei hier in Europe eine „große" Band zu werden?
Tom:
Sicherlich, der Vertrieb ist jetzt weit aus besser geworden.

Habt Ihr so etwas geplant... praktisch eine norwegische Version des FUGAZI-Syndroms?
Roger:
Nee, nicht so richtig. Aber es ist natürlich gut, dass mehr Leute von einem etwas zu hören bekommen. Aber wir machen natürlich Musik, nicht um einem Trend zu entsprechen, sondern nur solche Musik, die wir auch selber machen wollen und gut finden.

Für euch steht also nach wie vor eine Bedeutung hinter der Band und dem Bandnamen?
Roger:
Sicher!
Dyret: Mir ist das egal. Ich will gar nicht groß oder bekannt werden. (lacht) Roger: Mir geht es da eigentlich genau so.

Ich habe da gehört, dass ihr demnächst auf eine größere Europa-Tour gehen wollt? Tom: Ja, erst haben wir Norwegen getourt, jetzt sind wir hier auf Tour in Deutschland. Dann geht es nach England.

Wann wollt Ihr nach England?
Tom:
Im März.

Ich frage das jetzt deswegen, weil ich mir vorstellen kann, dass ihr als europäische Band ohne Ami-Bonus dort wahrscheinlich Verlust machen werdet.
Roger:
Sicher, wir haben das aber schon eingeplant, dass wir dort Verlust machen werden. Wir haben da schon einige Geschichten gehört über England.
Dyret: Deshalb touren wir ja auch hier erst in Deutschland.
Roger: Hier machen wir erst ein bisschen Geld, damit sich die Verluste in England so ungefähr ausgleichen. In England werden das Geld dann für Motel-Zimmer, Essen und Bier ausgeben, denn in England wird nach den Konzerten kaum für solche Dinge gesorgt, wie es hier eigentlich üblich ist.

Wie weit ist es eigentlich von Oslo bis z.B. nach Hamburg, weil von uns aus sieht das immer so aus, als ob Oslo genauso weit weg ist wie Wladiwostok?
Roger:
So weit ist das nicht bis nach Hamburg. Nur musst du eben über den Landweg den Umweg über Schweden nehmen, oder du nimmst die Fähre, die allerdings recht teuer ist. Aber wir nehmen in letzter Zeit öfters die Fähre, weil wir da schon so oft über Schweden gefahren sind.

Ist das nicht schon heftig für euch, wenn ihr so weit weg von Norwegen seid, wie z.B. wenn Ihr jetzt im Mai/Juni nach Spanien und Portugal fahrt?
Roger:
Das ist schon ein Problem, weil die Wege ja so weit sind. Und wenn man dann mal drei oder vier Tage fährt, hat man dann natürlich keine Einnahmen, nur Ausgaben. Du brauchst Plätze zum Schlafen, Sprit, Essen. Wir haben allerdings viele Angebote zu spielen. Seitdem wir die Platte heraus gebracht haben, hätten wir durchgehend eine drei bis viermonatige Tour machen können. Deswegen haben wir das lieber aufgeteilt.

Gab es da einen speziellen Grund warum ihr BERI BERI Records verlassen habt? Roger: Warum nicht? Martin hatte eben einige andere Ideen, wie er LIFE... über sein Label einbringen wollte. Nach einer bestimmten Zeit haben wir uns gedacht, dass wir mal etwas anderes ausprobieren sollten. Aber es gibt nichts, was an BERI BERI falsch wäre.

Lasst uns jetzt mal über die Songs von der neuen Platte sprechen. Als ich mir den Text zu „Ugly" durchlas, dachte ich mir, dass Ihr dieses „P.C."Ding (Political Correctness) in Frage stellen wollt. Meiner Meinung nach wollen zu viele Leute derzeit einfach nur vortäuschen sie seien P.C., um mal wieder einem Trend in der Szene zu entsprechen.
Roger:
Das solltest du Katja fragen. Sie hat diesen Text geschrieben.
Katja: Das geht auf eine Geschichte zurück, die gut ein Jahr zurück liegt. Ich hatte da eine ziemlich harte Diskussion mit einigen Freunden deswegen. Irgendwie war da alles außer Rand und Band, egal was die Leute taten, oder was sie versuchten zu sein.

P.C. ist da mehr zu einer Floskel geworden.
Katja:
Ja, sicherlich. Ich habe darüber eigentlich noch nicht viel gelesen, aber in Diskussionen hat sich doch heraus gestellt, dass dieses P.C. Bullshit ist. Das hast du ja selbst gelesen, was all diese amerikanischen Autoren über P.C. geschrieben haben. So eine richtige Trend-Sache ist das.

Das soll also die Leute mehr dazu anregen, über ihre eigene Position nachzudenken. Katja: Ja, vor allem auch über meine eigene Position.

Ja, als ich die Texte auf der CD-Hülle sah, da war ich erstmal baff. Soviel Text, selbst zu Songs, die keine 2 Minuten lang sind.
Roger:
Bei uns in Norwegen haben sie sich auch gewundert, dass eine relativ kurze Platte ausreichend Text für eine Doppel-LP hat. Aber es ist gut, dass die Leute sich die Texte durchlesen, ihre Aufmerksamkeit darauf richten.

Erzähl' doch mal etwas über Norwegen. Gibt es eine Musikszene in Norwegen, oder reduziert sich die Szene nur auf Oslo?
Dyret:
Es gibt verschiedene Szenen in verschiedenen Städten. Es gibt sie eigentlich überall in Norwegen, selbst in den kleinen Dörfern hören sie unsere Musik. Es gibt ungefähr 30 Plätze, wo man spielen kann.
Roger: Gravierende Unterschiede gibt es da kaum. Im Vergleich z.B. wenn wir in einer norddeutschen Stadt spielen.

Wenn ihr außerhalb von Oslo mal ein paar Leute treffen wollt, wo fahrt Ihr dann zuerst hin: Nach Hamburg oder fahrt ihr dann nach Stockholm?
Roger:
Nee, wir fahren schon eher nach Norddeutschland oder nach Dänemark. Nach Schweden oder Finnland haben wir kaum Beziehungen. Die Szene dort ist vollkommen anders organisiert, alles läuft da anders ab. Wenn du schon Vergleiche anstellst, dann kannst du sagen, dass sie die Szenen, so wie man Sachen organisiert, von Norwegen und Germany sich doch mehr gleichen, als die von Norwegen und Schweden. Wir haben ein paar mal versucht in Schweden zu spielen, aber irgendwie haben wir da kein Glück gehabt.

Das hört sich dumm an, aber nur von der norwegischen Musikszene könnte man als Band nicht finanziell leben?
Dyret:
Außer wenn man Rock'n'Roll spielt, also das spielt, was 50.000 oder 100.000 Leute hören wollen.

Wie sieht es im Augenblick mit dem BLITZ (Konzerthalle, Buch. u Plattenladen, Squat) aus?
Tom:
Gut, hoffe ich.
Roger: Als wir vor ein paar Wochen Oslo verlassen haben, sah alles gut aus. Im Augenblick ist alles recht ruhig, und wir haben keine Aktionen von Seiten des Staates zu erwarten.

Wir hatten vorgehabt, zur Zehnjahresparty des BLITZ nach Oslo zu kommen.
Tom:
Das war verdammt gut. (lacht)
Roger: Das war die most destructive party ever! Du hättest mein Wohnzimmer nach der Party sehen sollen. Das war eine Garbage-Party.
Tom: Viele Leute aus Hamburg und Karlsruhe waren da. Karlsruhe Posse! Roger: Yeah, Karlsruhe Crew! Das war unglaublich! Und da haben viele bekannte Bands gespielt - ich meine jetzt an norwegischen Bands, die sich teilweise nur wegen diesem einen einzigen Konzert wieder zusammen getan haben, und sich danach wieder aufgelöst haben.

Einen dieser Songs von BANN-LYST hatten wir ja auf die Ox-Single der letzten Ausgabe gebracht.
Roger:
Ja, weiß ich. Diese Ausgabe will ich auch noch haben.
Katja: Da sind viel zu wenige Kopien nach Oslo gekommen.

Das habe ich mitbekommen. Euer Fahrer hatte mich gestern in Essen darauf angehauen, ob ich ihm nicht 100 Ox für Norwegen mitgeben könnte.
Roger:
Gut, und die werden wohl auch schnell weggehen.

Auf der nächsten Ox-Ausgabe wird ja auch ein Song von Euch mit dabei sein, sowie noch ein weiterer Song von einer norwegischen Band, nämlich KAFKA PROSESS (Vorläufer von SO MUCH HATE). Ich hatte damals 1985 einen Tapesampler rausgebracht, wofür ich von KAFKA PROSESS einen Song bekam. Und dieser Song ist nie auf Vinyl erschienen.
Tom:
Wahrscheinlich einer von diesen 6 Songs, die sie aufgenommen hatten, bevor sie sich auflösten.
Roger: Die haben nie so richtig auf ihre Bänder aufgepasst. Einiges ist da abhanden gekommen, und niemand weiß mehr so richtig, wo die Sachen jetzt sein könnten.

Mir ist da zu Ohren gekommen, dass es in Oslo ähnlich wie in Berlin so eine Inzest-Bandszene gibt; das heißt, dass viele Leute in mehreren Bands spielen.
Tom:
Das stimmt schon, aber nicht auf uns bezogen. Wir sind erst nach Oslo gezogen, und haben so in keiner dieser Osloer Bands gespielt. Wir kamen ja weit aus dem Norden.
Roger: Als wir nach Oslo kamen, haben wir wohl neues Blut in den Inzest gebracht.

Wie ist das Leben in Oslo? Wie kommt ihr finanziell über die Runden?
Tom:
Indem wir Geld von der Sozialhilfe bekommen.
Roger: Sozialhilfe, etwas Schwarzarbeit, und das, was durch die Band rein kommt. Ist nicht viel, aber zum Leben reicht es.
Tom: Dope selling. (lacht)
Dyret: That sounds like R’n'R!
Roger: Ansonsten ist das Leben in Norwegen oder Oslo ziemlich gut. Da ist viel los, viele Konzerte und so. In manchen Städten sind dann in der Woche drei Konzerte, wo du gerne hingehen würdest, aber du kannst es dir nicht leisten, da überall hinzugehen. Da spielen sowohl lokale Bands als auch besser bekannte amerikanische Bands. Im BLITZ selbst spielen nicht so viele bekanntere Bands, weil das BLITZ eben nicht so groß ist, um Massen an Leuten aufzunehmen.
Dyret: Es gibt da Konzertplätze, wo einige Hundert Leute rein passen, aber wir haben genau so gut Plätze, wo 10.000 Leute rein passen.
Roger: Es gibt da auch einige Pubs, wo man gut spielen kann.

Also gibt es in Oslo mehr Sachen als nur das BLITZ?
Roger:
Ja, das BLITZ ist mehr so der offizielle Aufhänger, wenn man über Oslo redet. Bei uns im Haus haben wir jetzt eine kleine Bar. Tom sagte mal „Lasst uns eine Bar bauen", und das haben wir dann gemacht.
Tom: Die haben wir in 2 Wochen gebaut und sie heißt „Allahuhak-Bar". Roger: Aber die Bar ist mehr oder weniger nur für Freunde, und nach einer Weile war es zu stressig, weil wir ja auch noch für unsere Freunde Musik gemacht hatten.

Wie sieht das denn mit Eurem Publikum aus?
Roger:
Die Leute, die uns seit 3 oder 4 Jahren kennen, stehen heute kaum noch in der ersten Reihe. Jetzt sind es mehr die Kids, die vor der Bühne ihren Spaß haben. Die Kids repräsentieren alle möglichen, verschiedenen Stilrichtungen, fast genauso wie in jeder anderen europäischen Stadt.

Gibt es bei Euch in Norwegen eigentlich auch diesen Neo-Faschismus unter den Kids?
Dyret:
Nein, diese Leute gibt's nur in verschwindend geringen Zahlen.
Tom: Ja, bei uns gibt es ein Faschistenproblem, und dieser Kerl steht da drüben (lacht).
Dyret: Yeah, der da drüben, das ist der militante Faschist! (lacht)
Roger: Ab und zu treffen sie sich mal , aber das ist nichts, was man ernst nehmen muss.
Tom: Wir gehen einmal pro Jahr rüber und verprügeln sie.
Dyret: Das ist in Norwegen einfacher, weil die Faschisten nicht so sehr von der Polizei geschützt werden wie hier in Deutschland.

(Im Verlauf des weiteren Gesprächs kamen wir noch auf das Thema Walfang in Norwegen und Fangquoten zu sprechen. Leider ist dieser Teil des Gesprächs auf der Kassette „verloren" gegangen. Dyret vertrat die Meinung, dass da viel zu viel Aufhebens um eine kleine Sache gemacht wird. Er selbst stammt aus einer Fischerfamilie und fand, dass die Leute, die sich vehement für die Einstellung des Walfangs einsetzen, doch sehr inkonsequent sind, zum Beispiel, dass sie die Wale schützen, aber andere Tiergattungen außer acht lassen und wohl möglich auch noch bei Mac Donalds essen gehen. Roger und Tom legten uns noch eine weitere norwegische Band ans Herz, die demnächst von sich reden machen wird...eine Band namens TURBO NEGER!!!

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