© by Dave CausaAcht Jahre nach „For The Cause“ veröffentlichen MADBALL dieser Tage ihr zehntes Album „Not Your Kingdom“. Zu hören gibt es natürlich klassischen New York Hardcore. Wir sprechen mit Frontmann Freddy „Madball“ Cricien.
Freddy, dein Sohn ist jetzt ungefähr so alt, wie du damals warst, als du deine ersten Aufnahmen gemacht hast. Wie ist das bei ihm – interessiert er sich auch für Hardcore-Musik?
Mein Sohn ist tatsächlich nur wenig älter, als ich war, als ich „Ball Of Destruction“ gemacht habe – aber nicht viel. Er hört eigentlich alles Mögliche. Hardcore ist nicht unbedingt sein Ding. Er hört sich etwas an und sagt dann einfach: „Ja, das ist ein guter Song.“ Er hat eben einen sehr eigenen Musikgeschmack, aber da ist kein bestimmtes Genre, das er besonders liebt. Im Moment habe ich auch nicht das Gefühl, dass er ernsthaft vorhat, selbst Musik zu machen oder sich da richtig hineinzuknien. Meine Tochter dagegen, sie ist zehn, ist sehr musikalisch. Sie kennt zum Beispiel jeden einzelnen Text von unserem neuen Album auswendig – weil sie es ständig hört und sich Texte auch extrem gut merken kann. Ihr Geschmack ist so ähnlich wie meiner, sie steht auf Hardcore und HipHop. Sie ist eher in meiner Richtung unterwegs.
Ihr seid mit MADBALL eine der prägendsten Acts im NYHC. Aktuell gibt es da wieder einige neue Bands, die diesen Stil weitertragen, zum Beispiel PAIN OF TRUTH, bei denen du auch in einem Song gefeaturet wirst, oder auch COMBUST. Hast du diese Entwicklung auf dem Schirm?
Absolut. Bevor PAIN OF TRUTH mich überhaupt gefragt haben, bei einem Song mitzumachen, haben wir schon gemeinsame Konzerte gespielt. Da waren sie noch auf dem Weg nach oben. So hat sich irgendwann ein Kontakt entwickelt, wir haben Nummern ausgetauscht und uns kennengelernt. Dann haben sie mich gefragt, ob ich bei dem Track dabei sein will – und ich fand den Song echt gut, also habe ich zugesagt. Ich denke, Bands wie PAIN OF TRUTH und COMBUST sind definitiv ein Teil der Zukunft des New York Hardcore. Das wird niemandem etwas wegnehmen, der die Szene schon lange trägt – aber diese neue Welle beschert uns gerade sehr viel Energie und starke Musik. COMBUST werden in nächster Zeit einiges mit uns machen und mit PAIN OF TRUTH ist ebenfalls etwas Größeres geplant, das ich aber noch nicht verraten kann. Es gibt definitiv einen engen Zusammenhalt zwischen uns und der jungen Generation.
Das neue Album wirkt sehr vielfältig – sogar noch vielseitiger als zuletzt „For The Cause“. War das so geplant oder ist das im Schreibprozess einfach so passiert?
Das ist ehrlich gesagt einfach organisch entstanden. Wir haben uns nie hingesetzt und gesagt, dieser Song muss so sein und jener so. Wir haben einfach geschrieben – teilweise getrennt, haben die Parts dann zusammengebracht, Ideen hin- und hergeschickt. So sind diese Songs entstanden. Und ich bin sehr zufrieden damit. Es war eine der angenehmsten und spaßigsten Produktionen, an denen ich je gearbeitet habe.
Kannst du ein bisschen genauer erklären, warum der Prozess diesmal so viel mehr Spaß gemacht hat?
Ich glaube, es lag daran, dass der Druck geringer war. Es war einige Zeit seit der letzten Platte vergangen – und natürlich spürt man den Druck ein bisschen. Wir sind schließlich eine aktive Band. Aber es gab keinen äußeren
Zwang, schnell etwas abliefern zu müssen. Wir haben einfach gemerkt: Okay, wir sollten wieder anfangen, neue Musik zu schreiben. Es gab einige Wechsel in der Besetzung, die Pandemie ist uns dazwischengekommen, viele Dinge haben sich verändert. Irgendwann haben wir einfach gesagt: Lasst uns mal schauen, wer was hat. Ich hatte eine Songidee, Mike hatte viele Riffs in petto, der andere Mike auch – und plötzlich hatten wir mehr Material, als uns bewusst war. Am Ende haben wir sogar drei Songs wieder vom Album gestrichen, nicht weil sie schlecht waren, sondern weil das Ganze einen bestimmten Flow haben sollte. Es lief insgesamt sehr frei, sehr relaxt ab, ohne große Spannungen. Besonders auch, weil es mein erstes Album mit Mike G. an der Gitarre war, der seit acht Jahren in der Band ist. Und auch Mike J., der seit 15 Jahren dabei ist, war diesmal anders kreativ eingebunden. Wir waren alle total auf einer Wellenlänge.
Ihr habt für „Not Your Kingdom“ auch euer Logo wieder geändert. Das wirkt, gerade zusammen mit dem schwarzweißen Coverartwork, fast wie eine Rückkehr zur Ästhetik eurer ersten beiden Alben.
Die Frau unseres Bassisten Paul ist eine großartige Künstlerin und hatte verschiedene Entwürfe gemacht. Aber dann habe ich ein bestimmtes Bild gesehen und sofort gedacht: Das erinnert mich stark an die „Demonstrating My Style“- und „Set It Off“-Ära. Und ich dachte: Wenn wir genau dieses Artwork bekommen könnten, wäre das perfekt. Auch weil das Motiv metaphorisch gut zum Album passt. Ich konnte das Bild dann tatsächlich bekommen. Ich habe es angefragt, etwas Geld bezahlt, aber nicht übertrieben viel, und durfte es verwenden. Und ja, im Grunde hätte das auch gut bei unserem dritten Album in den 1990ern funktionieren können. Das war jetzt letztlich auch der Vibe: nostalgisch, aber nicht nur rückwärtsgewandt, sondern mit einem modernen Twist.
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