MONTY OXYMORON

Foto© by Alison Wonderland

Hau in die Tasten!

Bei Konzerten von THE DAMNED habe ich lange schon einen geheimen Favoriten: Es ist der Mann an den Tasten, Monty Oxymoron. Er sieht aus wie der „mad professor“, mit wildem Wuschelhaar macht er Faxen hinter dem Keyboard, und wären THE DAMNED eine Serie, hätte er schon längst sein eigenes Spin-off bekommen. Und in gewisser Weise ist sein Solo-Album „The Piano Plays ’Til Midnight: Monty Oxymoron Plays The Songs Of The Damned“, das gerade auf Damaged Goods Records erschienen ist, genau das.

Monty, kannst du uns etwas darüber erzählen, wie du zum Musikmachen kamst und welche Bands dich als Kind und Teenager besonders beeindruckt haben?

In unserer Familie gab es viel Musik, vor allem mütterlicherseits: Mein Großvater spielte klassische Klarinette und Jazz, meine Großmutter Klavier; zu Hause stand immer eines, auf dem ich herumklimperte. Meine Großmutter spielte zu Stummfilmen und ermutigte mich zum Improvisieren. Ihr Sohn, mein Onkel, stand auf psychedelische Musik, hatte eine Piratenradiosendung, die er aus dem Schuppen im Garten sendete, und er spielte Schlagzeug. Als ich sechs Jahre alt war, spielte er mir Syd Barretts PINK FLOYD sowie Jimi Hendrix, CAPTAIN BEEFHEART und alles Mögliche vor. Später brachte er mich auf Prog-Musik, und gerade als ich ein Teenager war, kam Punk auf! Zu dieser Zeit hörte ich bereits jeden Abend John Peel im Radio, und THE DAMNED und THE STRANGLERS haben mich am meisten beeindruckt. Ich mochte auch einige der obskureren Bands, die er in seiner Sendung spielte, die nur ein oder zwei Singles herausbrachten und dann wieder verschwanden. Eine Single, die ich hatte, war von JOHNNY MOPED, aber die sind nicht verschwunden, sondern bis heute sehr aktiv.

Und wie und wann hast du angefangen, Instrumente zu spielen? Hast du dir das selbst beigebracht oder hast du Unterricht genommen?
Wie gesagt, ich habe angefangen, auf dem Klavier zu improvisieren, und meine Eltern haben mir Unterricht organisiert. Ich habe mich auch sehr bemüht, Noten zu lesen, aber ich habe es nie richtig gelernt. Heute würde man mich wohl als Legastheniker diagnostizieren, da ich auch Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hatte: Das habe ich schließlich geschafft, aber Musik blieb improvisiert und „nach Gehör“. Als ich ins Teenageralter kam, wollte ich auch Gitarre, Bass und Schlagzeug spielen. Das habe ich mir selbst beigebracht. Ich habe auch mit der Klarinette meines Großvaters herumgespielt, meistens habe ich damit CAPTAIN BEEFHEART-Geräusche gemacht. Im Grunde spielte ich mit allem, was irgendwie interessante Geräusche produzierte.

Du spielst nun schon seit fast drei Jahrzehnten bei THE DAMNED. Was ist die geheime Zutat eines „typischen“ THE DAMNED-Songs?
Die Zutaten für THE DAMNED-Songs? Mal sehen: Chilischoten, Knoblauch und Ingwer ... Eine ziemlich schwierige Frage! Ich denke, ein Merkmal ist, dass sie nicht so offensichtlich strukturiert sind, sondern unerwartete Wendungen nehmen. Man könnte sagen, dass sie oft „Erwartungen verletzen“, indem sie die üblichen „Schemata“ der normalen Rocksongs ignorieren. Sie sind intuitiv konzipiert und halten sich nicht an irgendwelche Regeln. Das ist ein Grund, warum ich sie mag! Oft haben die Songs auch eine atmosphärische und filmische Qualität, wie zum Beispiel „The dog“.

Du bist auch neben THE DAMNED musikalisch sehr aktiv. Was bringt dich dazu, so viel Musik zu machen und zu schreiben?
Was treibt einen dazu, Musik zu machen? Etwas muss sowohl erforscht als auch ausgedrückt werden. Ich denke, die verschiedenen Arten der Musik sind wie Lebensformen: Die verschiedenen Gestalten, Farben und Verhaltensweisen von Tieren und Pflanzen sind alles Lebensformen, und ihre Morphogenese erfolgt als Reaktion auf einen inneren Zwang und die Anforderungen ihrer Umwelt. Manche sind schön, manche hässlich und beängstigend, manche sehen für uns geradezu lächerlich aus, aber sie sind alles Lebensformen, die in ihrer Welt existieren. Das Gleiche gilt für die verschiedenen Formen der Musik: Auch sie entwickeln sich aus einer Notwendigkeit heraus und sind trotz ihrer Vielfalt alles Formen der Musik. Punk entstand vielleicht aus dem Bedürfnis einer Generation, eine gewisse wilde Energie als Reaktion auf eine Zeit relativer Stagnation und Trägheit auszudrücken. Ich habe das Bedürfnis, die verschiedenen Formen der Musik nach Möglichkeit von innen heraus zu begreifen: zu sehen, welche Muster und Wege sie im Gehirn nehmen. Eine Sache, die ich gerne mache, ist das Sammeln von Field-Recordings von Volksmusik und ländlicher Musik aus dem frühen 20. Jahrhundert, also bevor alles vermischt wurde und verschiedene Arten von „Fusion“ entstanden. Ich glaube, dass man eine andere Kultur besser verstehen kann, wenn man sich empathisch auf ihre Musik einlässt, vor allem wenn man sich zugleich mit der Religion, Philosophie und Küche des Landes beschäftigt. Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist, mit dieser Art von Musik zu improvisieren, wenn man kann. Ich glaube, wenn wir das öfter tun würden, gäbe es weniger Kriege und Konflikte auf der Welt. Also habe ich versucht, einen Song in jedem existierendem Genre zu schreiben, teilweise mit kuriosen und manchmal komischen Ergebnissen, wie man auf meiner Bandcamp-Seite nachhören kann.

Du hast gerade ein Album mit Klavierversionen von THE DAMNED-Songs veröffentlicht. Wie hast du diese ausgewählt?
Ich habe die Songs ausgewählt, indem ich sie solo ausprobiert habe, um zu sehen, was funktioniert. Ich wollte eine gute Mischung, obwohl die Songs, die sich am besten dafür eignen, eher dem „Gothic“-Stil entsprechen. Ich mag es auch, wenn ich etwas Improvisation einfließen lassen kann. Außerdem versuche ich, die Atmosphäre und das Ambiente der Songs wiederzugeben: Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Wie schwierig ist es, die Essenz eines Rocksongs in eine Klavierversion zu destillieren?
Da ich die Songs schon gut kannte, fiel es mir nicht so schwer, sie anzupassen. Ich bin ja auch mit ihnen „aufgewachsen“, was mir geholfen hat, sie überhaupt erst zu lernen und mit der Band zu spielen. Die größte Herausforderung ist es, den Leadgesang mit zu spielen – das mache ich in der Band nicht, da Mr. Vanian den ja meisterhaft beherrscht. Einige Songs wären auf diese Weise sehr schwer abzubilden, bei „Eloise“ zum Beispiel wäre es unmöglich, das mit Akkorden und Melodie gleichzeitig zu spielen. Aber das ist sowieso ein Cover, kein Song von THE DAMNED, also habe ich es gar nicht erst versucht.

Was sind deine nächsten Pläne?
Ehrlich gesagt habe ich im Moment keine Zukunftspläne: THE DAMNED sind gerade auf Tour und nehmen ein Album auf, und ich hoffe, dass das noch lange so weitergeht! Ansonsten bin ich an Improvisationsprojekten beteiligt, wie dem SAFEHOUSE COLLECTIVE hier bei mir in der Nähe in Brighton. Dort kommen alle möglichen Musiker zusammen, schreiben ihre Namen auf Zettel, die dann zufällig gezogen werden, um ein Quartett zu bilden, das dann etwa zehn Minuten lang ein Stück improvisiert. Sie veranstalten auch Konzerte, und manchmal darf ich im Eröffnungsensemble spielen – zufällig ausgewählt. Man weiß nie, mit wem man spielen wird, daher kann das Spektrum an Fähigkeiten und die Vielfalt der verwendeten Instrumente überraschend sein, manche bringen zum Beispiel elektronisches Spielzeug mit. Es ist immer eine Herausforderung und macht Spaß, in diesem Kontext zu versuchen, musikalisch „Sinn“ zu erzeugen – oder auch nicht! Ein weiteres Projekt, an dem ich beteiligt bin, heißt THE VITAMIN B12. Wir treffen uns meistens sonntagnachmittags, um im Dachgeschoss meines Künstlerfreundes Alasdair Willis zu spielen. Alle diese Sessions werden aufgenommen und auf der B12-Bandcamp-Seite veröffentlicht. Wenn bei einer Session bei den Initialen der Beteiligten ein „M“ enthalten, bin wahrscheinlich ich dabei. Ansonsten werde ich einfach mal schauen, was als Nächstes passiert! Howzat?

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