NOVA TWINS

Foto© by Daniel Claudin

Boss bitch energy

Nach drei Jahren meldet sich das britischen Duo NOVA TWINS mit seinem dritten Album „Parasites & Butterflies“ zurück. Im Interview geben uns Amy Love und Georgia South einen Einblick in die Platte und wir sprechen über die aktuelle Entwicklung der Gleichberechtigung von Frauen.

Bei eurem neuen Album habt ihr den Fokus auf das Menschliche gesetzt, die hellen und dunklen Momente im Leben. Auf eurem vorherigen Album „Supernova“ ging es aber um das Übermenschliche und es sollte Kraft geben in Zeiten, in denen wir sie brauchen. Bräuchten wir nicht gerade jetzt wieder diese Kraft?

Amy: Es gibt Kraft und Verwundbarkeit und manchmal ist es das Beste, ehrlich zu sich selbst zu sein. Man kann nicht immer nur diese Fassade haben. Man kann immer noch stark und mutig sein, auch wenn man sagt, dass man sich nicht okay fühlt. Die Welt ist gerade chaotisch, wir haben Angst und machen uns Sorgen um die Menschen. Ich denke, das ist einfach die Wahrheit und das kann man nicht immer beschönigen.

Einige eurer Tracks lassen sich als Hommage an die Frauen verstehen, in denen ihre Selbstermächtigung und Individualität gefeiert wird. Wie schätzt ihr die aktuelle Situation in Bezug auf die Gleichberechtigung ein?
Georgia: Es fühlt sich an, als würden wir uns in der Zeit zurückentwickeln, was wirklich besorgniserregend ist, denn jahrelang hatten wir alle den Eindruck, dass es vorwärts geht. Politisch gesehen habe ich das Gefühl, dass wir wieder entmachtet werden. Deshalb ist es so wichtig, weiterhin unsere Stimmen zu erheben, um die Faschisten und das System zu besiegen, das versucht, uns all unsere Rechte zu entziehen und die Trans-Rechte zurückzudrehen.
Amy: Es ist toll, dass immer mehr Frauen in Machtpositionen sind. Aber das ist es, was vielen Cis-Männern Angst macht, und genau das ist das Problem. Je mehr Macht wir bekommen, desto selbständiger werden wir und sind nicht mehr auf konventionelle Beziehungen angewiesen. Es ist toll zu sehen, dass mehr Frauen in der Szene aktiv sind und gesehen werden, aber je höher wir aufsteigen, desto mehr fühlen sie sich bedroht.

In eurer Musik kommt ihr selbstbewusst rüber. Ist das etwas, womit ihr manchmal zu kämpfen habt?
Georgia: Ja, das ist einfach eine menschliche Erfahrung, die wir alle machen. Wir wären nicht ehrlich, wenn wir sagen würden, dass wir 24/7 diese Boss-Bitch-Energie an den Tag legen. An manchen Tagen fühlt man sich stark und manchen Tagen fühlt man sich verletzlich und es ist okay zu sagen, dass man zum Beispiel viel weint. Es ist wichtig, Menschen zu ermutigen, mit ihren Freunden darüber zu sprechen, sich zu öffnen und sich Rat zu holen. Das sind die wertvollsten Momente, die man mit Menschen haben kann.

Habt ihr einen Rat für junge Musikerinnen?
Amy: Verstehe deine Stärke, lerne dich selbst kennen, lerne, dich wirklich zu lieben, denn es gibt so viel in der Welt, das dir sagt, dass du es nicht tun sollst, dass du entweder zu dies oder zu das bist. Sobald du anfängst, den Lärm von außen zu ignorieren und dich selbst kennen lernst, wirst du so etwas wie ein Freund deiner selbst. Wenn du das geschafft hast, kannst du deine Macht nutzen und deine Stimme erheben. Genieße dein Leben. Das ist alles, was du tun kannst.

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