© by Arek GoniwiechaPeter Bering (gt, voc) und Alessandro „Sandro“ De Luca (dr) kommen aus Dortmund und nennen ihr 2018 gegründetes Duo THE PIGHOUNDS. Nach „Hilleboom“ (2021) und „Phat Pig Phace“ (2022) haben sie nun mit „Tutti Frutti“ ihr drittes Album am Start, für das sie wieder auf die Zusammenarbeit mit Noisolution Records aus Berlin setzen. Gut, für den Release ihrer Platten setzen sie auf ein erfahrenes Label, dessen Betreiber Arne aber im Grunde so DIY agiert wie die Band selbst. Wir lassen uns von Peter und Sandro erklären, was DIY in ihrem konkreten Fall bedeutetet.
Was habt ihr jeweils in der Band für eine Aufgabe und wie ist es zu dieser Aufteilung gekommen?
Peter: Neben meinen Haupttätigkeiten an der Gitarre und als Sänger kümmere ich mich um Recording, Mixing, den Videoschnitt und die Finanzen. Da wir nur zu zweit sind, mussten wir quasi unsere individuellen Stärken zu einem ganzen funktionsfähigen Schweinehund zusammenstellen.
Sandro: Ich bin die andere Hälfte der PIGHOUNDS und spiele Schlagzeug. Die weiteren Aufgaben und deren Verteilung haben sich im Laufe der Zeit ergeben. Je mehr man in die Band investiert, desto mehr gibt’s auch zu tun. Und das haben wir dann nach und nach mit unseren Kompetenzen aufgefangen. So war ich als gelernter Mediengestalter schon immer für alles Grafische verantwortlich. Ich mache unsere Artworks und Merch, betreue Social Media und alles, was sonst so nach draußen geht. In andere Sachen muss man reinwachsen. Schon bei früheren Bands habe ich irgendwann das Booking übernommen und dabei ist es auch lange geblieben. Insgesamt ergänzen wir uns perfekt, nicht zuletzt auch durch unsere breitgefächerten Interessen. Und so können wir heute zu zweit das wuppen, was wir früher auf vier Leute verteilt haben.
DIY: Was kann und muss man sich in eurem Fall darunter vorstellen? Was macht ihr als Band alles selbst?
Sandro: Wenn wir bei der Musik anfangen, setze ich bei Peter an: Recording und Mixing liegt komplett bei uns. Im Laufe einer musikalischen Karriere kann man eine Menge Equipment anhäufen. Und damit will ich sagen, dass Peter so einigen strombetriebenen Kram in seinem Kämmerlein rumstehen hat, von dem ich nicht weiß, wofür er gut ist. Aber da zumindest er sich mit den ganzen Knöpfen und bunten Lichtern auskennt, können wir den Luxus genießen und uns unsere Recordings so gestalten, wie wir wollen. Verschiedene Herangehensweisen ausprobieren, mit der Mikrofonierung spielen, spontan etwas live einspielen, frei sein. Das letzte Album „Phat Pig Phace“ haben wir komplett im Proberaum aufgenommen. Weil es ging und weil wir Bock drauf hatten. Für die Aufnahmen zur neuen Platte „Tutti Frutti“ haben wir alles in den Van geschmissen und sind wieder auf den alten Bauernhof unserer Freunde gefahren, auf dem schon unser Debüt „Hilleboom“ entstand. Dort haben wir das alte Bauernhaus eingenommen und ein paar Tage in unser Studio verwandelt und alles selbst produziert. Wenn Peter nach den Aufnahmen im Mixing-Tunnel verschwindet, mache ich mich an das finale Artwork der Platte, sammle Fotos und Videomaterial, plane den Merch. Wir versuchen, auch bei den Musikvideos möglichst viel selbst zu machen. Klar, selbst filmen oder fotografieren ist recht schwierig, da holen wir uns immer gern befreunde Profis beziehungsweise Studios dazu, aber in der Postproduktion übernehmen wir dann meist wieder, mit Peter als Head of.
Und wo sind die Grenzen, wo arbeitet man, vielleicht nach einem Scheitern, doch lieber mit externen „Gewerken“?
Peter: Beim Booking, bei Labelarbeit und Promo und bei Verlagsarbeiten sind wir froh, dass es Profis machen. Ab einem gewissen Punkt muss das auch geschehen, weil es sonst nicht weitergeht oder zumindest sehr schwierig oder auch unübersichtlich wird für eine Band. Gerade wenn man es nicht hauptberuflich macht und sich noch mit anderen Jobs was dazu verdienen muss. Ab einem gewissen Punkt reichen Zeit und Know-how einfach nicht mehr aus und dann freut man sich über Unterstützung von außen.
Sandro: Deswegen muss ich an dieser Stelle auch mal Dank aussprechen an genau diese Adressen: Noisolution, Amadis und La Chunga. Ohne die würde einiges an guter Laune auf der Strecke bleiben.
Was habt ihr euch über die Jahre so an Kompetenzen draufgeschafft, die ihr ohne die Band nicht hättet?
Peter: Die Interessen und Stärken waren auch vorher schon vorhanden und haben einfach gepasst. Kreativ in jeglicher Hinsicht waren wir immer, auch schon vor der Musik.
Sandro: Wir haben dann eher mit Leuten aus unserem Umfeld zusammengearbeitet und uns ausgetauscht. Peter hat zwischendurch immer mal wieder andere Bands, wie zum Beispiel DAILY THOMPSON aufgenommen, ich habe viel Grafisches gemacht. unter anderem für FORMOSA. So hat sich jeder spezialisiert, mit und neben der Band.
Wie dankbar ist so ein DIY-Einsatz in eigener Sache, wo kommt man physisch und mental an Grenzen?
Sandro: Dankbar ist es, solange es Spaß macht. Letztendlich macht man doch alles gerne, schon allein weil es für die eine Sache ist. Klar entwerfe ich gern Cover oder Shirt-Motive. Aber es gibt auch weniger angenehme Aufgaben. Das sind dann die Jobs, bei denen man Hilfe dankend annimmt. In meinem Fall war es das Booking. Das habe ich bandübergreifend bestimmt 15 Jahre lang, mehr oder weniger, alleine gemacht und das ist schon ein eher nerviger Zeitfresser. Daher bin ich heilfroh, dass wir seit gut zwei Jahren mit der Booking-Agentur Amadis zusammenarbeiten und ich mehr Schlaf bekomme.
Peter: Die Grenzen der DIY-Arbeit setzt tatsächlich die Zeit. Neben der „normalen“ Arbeit müssen die Dinge zwischen 18:00 und 00:00 Uhr erledigt werden. Zum Glück sind es immer nur Phasen von drei, vier Monaten und danach ist es wieder etwas ruhiger und man hat mehr vom Feierabend. Aber in diesen Phasen muss man schon einiges an Disziplin an den Tag legen, weil man sonst schnell am Burnout knabbert.
Inwiefern lässt man andere teilhaben an dem, was man sich als Band erarbeitet hat?
Sandro: Unser Hauptaugenmerk liegt aktuell auf unserem eigenen Festival, dem Love Yourself Fest, das wir im Sommer 2025 zum dritten Mal veranstalten werden. In Kooperation mit dem Verein Laut & Lästig gestalten wir ein buntes eintägiges Festival im Jugendkulturcafé JKC und dem anliegenden Park in Kamen. Neben zwei Bühnen mit Live-Musik drinnen und draußen hatten wir in den vergangenen zwei Jahren auch eine Kunstausstellung und Lesungen. So wollen wir einmal im Jahr nicht selbst unterwegs sein, sondern Bands in unserer alten Heimat eine Bühne geben und zusätzlich Leute ins JKC locken, in den Laden, in dem wir auch unsere ersten Konzerte gespielt haben. Und da es für alle sein soll, ist der Eintritt natürlich frei. Des weiteren veranstalte ich zusammen mit meinem Kumpel David Bartelt von DAS GROSSE LOS seit 2023 das Musikvideokino. So easy es klingt, wir zeigen Musikvideos in immer wechselnden Kinos. Und da erscheint dann die kleine Band von nebenan, die mit ihrem ersten eigenen Video am Start ist, an einem Abend mit Szenegrößen wie beispielsweise KADAVAR auf der gleichen Leinwand. Und das kriegen wir hin, weil wir unsere alten Kontakte mit neuen verbinden, und so sollte es immer weitergehen.
Wie wichtig ist Networking?
Sandro: Das ist das A und O. Nur so kann es weitergehen. Unser Verständnis war immer, dass wir alle im selben Boot sitzen. Und damit meine ich nicht uns Bands, sondern uns als Szene. Es ist enorm wichtig sich auszutauschen. Auf Tour connectet man den Local Support mit einem Venue in der eigenen Heimatstadt, wenn man wieder nach Hause kommt, berichtet man von den Bands und Läden die man kennengelernt hat, spricht Empfehlungen aus und warnt vor Arschlöchern.
Wie sieht es mit der Szene vor Ort aus?
Sandro: Leider sind in den letzten Jahren auch in Dortmund einige wichtige Anlaufstellen weggebrochen, aber das Thema kennen wir ja alle zur Genüge. Ein paar wenige, aber gute und engagierte Leute halten gerade so eben die JuZe-Shows am Leben, aber das ist traurigerweise kein Vergleich zu der Kultur, die wir in unserer Anfangszeit kennengelernt haben. Insgesamt bleibt aber natürlich das Ausgehverhalten zu hinterfragen. Die Leute sind sehr picky geworden, bleiben oft in ihrer Bubble oder ihrem Genre. Ich will jetzt aber auch gar nicht so negativ aufhören. Außerdem sitzen wir ja alle im besagten gleichen Boot. Weniger schimpfen, mehr ermutigen und motivieren – und wenn es irgendwie geht, versuchen, den Leuten was zu bieten.
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