Punk Art #46

Foto© by Privat

Anett Bauer, Muah

In dieser Artikelreihe stellen wir Menschen aus der Punk- und Hardcore-Szene vor, die sich im weitesten Sinne grafisch betätigen und Poster, Flyer und Cover gestalten. Diesmal sprechen wir mit Anett Bauer, die ihre Kunst unter dem Namen Muah veröffentlicht.

Bitte stell dich vor.

Ich bin Muah, bürgerlich Anett Bauer, 1986 geboren, und lebe und arbeite als freischaffende Künstlerin und Grafikerin in Dresden, wo ich auch, seit ich alt genug bin, Konzerte in den einschlägigen Clubs der Stadt besuche.

Welche anderen Szeneaktivitäten als Grafik gab oder gibt es?
Ich mache tatsächlich sehr sehr viele Kunstprojekte als Muah, aber auch einfach so. Ich bin bei verschiedenen Festivals für die Optik zuständig, wie beim the Sound of Bronkow Music Festival oder dem Horstyval. Außerdem bin ich Teil des Distilled & Bottled-Kollektivs und arbeite auch noch am Societaetstheater hier in Dresden. Neben Festival- und Veranstaltungsorganisation habe ich mit einigen Freund:innen das Projekt „Pieces for Peace“ gegründet, bei dem Künstler:innen grafische Werke spenden können, die wir dann bei selbstorganisierten Ausstellungen, Kulturveranstaltungen und in unserem Pop-up-Shop verkaufen und den Erlös an humanitäre Organisationen spenden.

Seit wann betätigst du dich künstlerisch, wie fing das an, wie ging es weiter?
Gezeichnet habe ich schon immer, das beweisen zumindest die vielen Kinderbilder, und habe deshalb fast direkt nach dem Abitur an der Hochschule in Dresden Bildende Kunst studiert.

Wie arbeitest du? Klassisch mit Papier und Farbe, oder digital am Rechner?
Alles zusammen! Ich zeichne, drucke, matsche mit Farbe rum, ich nutze sehr viel die Techniken des Graffiti und sprühe auch ab und an legal im Auftrag. Um Poster zu gestalten, arbeite ich dann meist digital an den analogen Sachen weiter.

Bist du Autodidaktin oder kannst du auf eine klassische künstlerische Ausbildung verweisen?
Ich habe bis 2011 an der Hochschule für Bildende Künste studiert und war danach drei Jahre Meisterschülerin. Im Zuge des Studiums konnten wir Kurse zu den druckgrafischen Techniken absolvieren, ich bin dann beim Siebdruck hängengeblieben.

Hast du Vorbilder, welche Stile beeinflussen dich?
Alles und nichts. Eindrücke von außen, Eindrücke von innen und je nachdem, was ich gerade gerne mache, lese, höre, sehe.

Wie siehst du den Einfluss von KI auf den Bereich der kreativen Illustration?
Wie wahrscheinlich die meisten bildenden Künstler:innen stehe ich dem ganzen KI-Wahnsinn im Bereich Kunst eher skeptisch gegenüber und finde die aktuelle Ästhetik, die dabei ausgespuckt wird, eher langweilig. Da fehlen fast immer der „Dreck“ und das Besondere. Beim Kunstmachen ist ja der Weg auch Sinn und Ziel, da ist einen Prompt zu schreiben doch wenig erfüllend. Die KI kann aber gern Buchhaltung und Haushalt übernehmen.

Gibt es deine Kunst zu kaufen?
Muah-Stuff in allen Varianten – Siebdrucke, Sticker, Textiles, Einzelstücke ... – gibt es auf Design- und Kunstmärkten, derzeit in Dresden, Leipzig und Berlin, oder über einfaches Anfragen per Social Media oder Mail oder über meinen Shop bei Etsy und auf meiner Homepage.

Arbeitest du völlig frei oder auch im Auftrag? Etwa für Bands oder Konzertveranstalter?
Neben meiner freien Arbeit nehme ich auch gern mal Aufträge für Merchgestaltung und Gigposter an, wenn mein Stil das ist, was passt.

Was ist mit Ausstellungen? Gab es welche, wird es welche geben?
Ab und an beteilige ich mich an Gruppenprojekten, wesentlich öfter ist meine Kunst auch als Installation und gleichzeitig begleitende Deko bei Festivals, an Clubs oder auf der Straße zu sehen. Das gibt mir mittlerweile mehr als flache Bilder an weißen Wänden in Galerieräumen.

Was gibt dir deine Kunst emotional?
Spaß? Ich freu mich eigentlich immer, wenn ich was mache, das mir selbst gefällt und worüber sich dann auch noch andere Menschen freuen. Muah als gute-Laune-Managerin. Klingt ekelhaft, ist aber die Essenz und fetzt.

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