
Wo ist sie hin, die Domestos-Jeans? In den 1980ern war sie allgegenwärtig, nicht nur bei Skinheads, sondern auch bei Punks.
Domestos ist ein Markenname von Unilever, das Produkt klassische Chlorbleiche, ein altbekanntes Reinigungs- und Desinfektionsmittel. In hoher Konzentration kann man damit Jeans entfärben, und genau das war das Ziel: Seine langweiligen enge blaue Hose (oder auch Jeansjacke) mit einem szenigen Look mit weißen Flecken zu versehen. Also wurde, bevorzugt in der Badewanne und nach einem mündlich überlieferten Verfahren (will heißen: trial and error, weil niemand wusste irgendwas zu Dosierung und Einwirkzeit), die Jeans mit ’ner Flasche Domestos traktiert und dann geschaut, was passiert. Ja, das Zeug stinkt und ätzt – Warnhinweise waren für Feiglinge ... Irgendwann wies die Hose die gewünschte unregelmäßige Fleckung auf, wurde abgespült, getrocknet und angezogen.Was im Einzelfall gar nicht mal so klug war ... Wenn nicht ordentlich ausgespült, ätzte das Zeug auf schwitzig-feuchter Haut weiter. Und das Gewebe wurde brüchig, die Haltbarkeit der engen Röhren litt. Aber: Es sah extrem cool aus, und kaufen konnte man so was auch nirgendwo. Wo und wie dieses Mode zu uns kam? Irgendwie über und durch die Oi!-Skinheads der 1980er, schätzungsweise aus England. Und weil die Übergänge zwischen Skins und Punks damals fließend waren, liefen auch Punks mit solchen Hosen und Jacken rum. Das Verfahren war zudem total DIY, und Provokationspotenzial hatte es auch: Das Entsetzen der Erziehungsberechtigten war bisweilen groß: „Junge, die schöne Hose! Wie sieht das denn aus!“ Ja ja ...Domestos als Marke und Produkt gibt es bis heute (anderswo heißt es auch Clorox), die Münsteraner Psychobilly-Band SUNNY DOMESTOZS setzte der Marke ein Denkmal, später gab es die CLOROX GIRLS aus den USA. Nur das DIY-Bleichen mit Domestos ist Geschichte: die Konzentration wurde irgendwann so runtergesetzt, dass sich damit der gewünschte Effekt nicht mehr einstellt. Wagemutige müssen da auf Ware aus dem Chemikalienhandel setzen, wovon wir ausdrücklich abraten. Ob man solche Hosen noch irgendwo kaufen kann? Keine Ahnung – irgendwas aus China gibt es sicher ...
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Joachim Hiller