PUNK-TRADITIONEN – TEIL 38

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Punkerlederjacke

„Punkerlederjacke“ – das klingt wie der ideale Refrain eines Songs. Und sie war mal unverzichtbarer Teil der Uniform von Bunt- und Stachelhaarigen.

Aber die Zeiten ändern sich, und so, wie man Iros heute auf Konzerten nur noch selten sieht, sichtet man auch kaum noch Punks mit Lederjacken. Diese Kleidungsstücke waren einst eine schwer zu „sourcende“ Insignie, weil letztlich latent (zu) teure Secondhand-Ware, sind heute aber längst zur trashigen Asien-Billigware geworden, die von undergroundaffinen Versandhändlern verramscht wird – immerhin sogar in der (veganen) Kunstledervariante. Einst trug Punk beispielsweise ausgediente Motorradjacken, vorzugsweise ganz in schwarz, zur Not aber auch mit roten oder weißen Applikationen. Die Rocker hatten mit diesem Look vorgelegt, und praktisch waren die Dinger im Prinzip auch: was einen Sturz mit dem Motorrad aushielt, machte auch mit, von den Bullen über den Asphalt geschleift zu werden. Oder sich gegen Bodychecks im Pogomob zu rüsten.Der Tragekomfort der kiloschweren Schutzkleidung war freilich begrenzt: was im Winter wärmte, schuf im Sommer ein muckeliges Mikroklima, das es der, äh, Coolness halber aber unbedingt auszuhalten galt. Der Punkheld schwitzt lieber, als im Shirt rumzusitzen oder zu pogen. Das Material – Leder – war ideal für den Heavy-Duty-Einsatz und Individualisierungen. Zu einer Zeit, als man sich allerhand Nieten und sonstigen Metallkram noch nicht durch die eigene Haut ballerte, sondern nur durch die toter Rinder, wurde ein halbes Vermögen in Killernieten und ähnliches Schwermetall investiert und die Lederjacke so in eine Art Rüstung verwandelt. Manche der spitzen Nieten sorgten beim Bodycheck für fiese Wunden. Und das Gewicht der Jacken wuchs um ein paar Kilo an, aber wer cool sein wollte, musste leiden und schleppen. Zwischen den Nieten war bestenfalls noch Platz für Patches, Aufnäher, Buttons ... und bisweilen künstlerisch hochwertig ausgeführte (Auftrags-)Arbeiten von gemalten Bandlogos – vorzugsweise großflächig auf dem Rücken. So manche Kunstkarriere nahm hier ihren Ausgang. Auch gerne genommen, aber etwas „Budget“: die Metall-Abdeckungen von Einwegfeuerzeugen wurden an den Kragenspiegel geknipst. Das hatte dann eher was von Dorfpunk als von urbanem Punk-Mad Max, aber was tat man nicht alles im besoffenen Kopf. Die Gymnastenpunks griffen indes eher zur legeren braunen Wildlederjacke: sie trug sich leichter, war aber auch bestens geeignet für die Individualisierung mittels aufgemalter Bandlogos und Schriftzüge und das Anbringen der einen oder anderen Alibi-Niete. Und was die klassische „Punkerkutte“ auf Basis einer Jeansjacke betrifft, wurde das an anderer Stelle bereits abgehandelt – siehe Ox #175.

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