PUPIL SLICER

Foto© by Derek Bremner

Alte Wege, neue Weg

Die britische Band hat die Szene mit ihrem Mix aus Grindcore und Mathcore bereits mächtig aufgemischt und festigt ihren Stil auf dem dritten Album „Fleshwork“ noch weiter. Gitarrist:in und Sänger:in Kate spricht im Interview über ihre Einflüsse und die musikalische Entwicklung der Band.

Ich hatte immer den Eindruck, dass PUPIL SLICER aus dem Grindcore kommen, was sich aber auf dem neuen Album kaum noch raushören lässt. Wie hat sich die Band aus deiner Perspektive seit ihren Anfängen entwickelt?

Wir versuchen, uns nicht zu limitieren, wenn wir Musik schreiben. Es ist nicht so, dass es pure Absicht ist, wenn wir zum Beispiel weniger Grindcore-Einflüsse in unserem Sound haben. Ich denke, es ist eher das, was auf natürliche Art und Weise dabei rauskommt, wenn wir gemeinsam an Musik arbeiten und am Ende alle finden, dass es cool ist. Bei diesem Album sind wir wesentlich holistischer vorgegangen, mit weniger im Vorfeld konzipierten Songs, die ich meistens auf meinem Computer geschrieben habe. Diesmal haben wir mehr gemeinsam gejammt, um Ideen für Riffs zu entwickeln und daran mittels stetiger Repetition zu feilen, bis sie sich so gut anfühlen wie nur möglich.

Ich habe das Gefühl, dass viele Bands mit ihrem dritten Album an den Punkt gelangen, dass sie ihren
ganz eigenen Sound gefunden und etabliert zu haben. War du das bei euch ähnlich?

Ich stimme dem zu, unser erstes Album war stark von CONVERGE und THE DILLINGER ESCAPE PLAN inspiriert und das hörte man auch. Ich erinnere mich daran, dass ich dieses Album geschrieben habe und dachte, wenn ich es mehr wie diese Bands klingen lasse, würden uns vielleicht mehr Leute mögen. Aber mit der Zeit sind wir zuversichtlicher geworden, dass wir einfach die Musik machen sollten, die uns selbst am besten gefällt. Und dass es den Leuten, die uns prinzipiell mögen, wahrscheinlich auch gefällt, was dabei rumkommt. Bei unserem zweiten Album „Blossom“ haben wir versucht, einen sehr ausgefeilten und „produzierten“ Sound zu erzeugen, und obwohl das zu diesem Album passte und wir damit sehr zufrieden sind, denke ich, dass es nicht ganz der Atmosphäre und dem Sound entsprach, den wir live haben. Mit „Fleshwork“ haben wir meiner Meinung nach endlich eine sehr solide Grundlage dafür geschaffen, wie PUPIL SLICER klingen sollten, und wir haben das Album so gestaltet, dass es möglichst nah an eine Live-Show herankommt.

Welche Bands haben euch bei der Findung dieses Sounds am meisten inspiriert?
Neben den üblichen Verdächtigen – CONVERGE, TDEP, DEAFHEAVEN – haben wir auch viel von NINE INCH NAILS und deren Herangehensweise an Klangwelten und ein allgemeines industrielles Feeling adaptiert. Darüber hinaus OATHBREAKER, HEALTH, MESHUGGAH, KNOCKED LOOSE, BORIS, mit denen wir übrigens 2023 auf Tour waren, GOJIRA und STATIC DRESS.

Und was hat euch über die Musik hinaus bei der Entstehung des Albums besonders befeuert?
Es ist hauptsächlich von der aktuellen Weltlage inspiriert, mit dem weltweiten Aufstieg des Faschismus und der allgemeinen Aushöhlung der Menschenrechte in unseren Gesellschaften. Hinzu kommt die allgemeine Gleichgültigkeit, wenn nicht gar Grausamkeit der Machtstrukturen, die die Menschen unterdrücken und gegeneinander aufhetzen. Ich habe diese Themen verbunden mit meinen persönlichen Problemen, Erinnerungen festzuhalten und als autistische, nicht-binäre Person in unserer heutigen Zeit zu kämpfen. Auch bei diesem Album gibt es wieder viele Bezugspunkte zu anderen Kunstformen, die zur Atmosphäre und Vision des Ganzen beitragen. Insbesondere haben wir uns von den Videospielen „NieR“, „Silent Hill 3“, „Mouthwashing“, „Alan Wake“ und dem Manga „Chainsaw Man“ beeinflussen lassen. Es gibt auch viele atmosphärische Anregungen durch Kinofilme, zum Beispiel „The Texas Chainsaw Massacre“ oder „Warfare“.

Gibt es einen Track auf dem Album, den du besonders hervorheben möchtest?
„Cenote“, das war der Titel, dessen Entstehung am längsten gedauert hat. Diese längeren Post-Metal-Tracks zu schreiben macht am meisten Spaß. Aber es dauert lange, bis sie richtig fließen und die Aufmerksamkeit über die gesamte Länge binden können. Ich habe sehr hart an dem Text für dieses Stück gearbeitet und bin wirklich stolz auf das, was ich geschafft habe. Es geht darum, wie die Gesellschaft behinderte und weniger glückliche Menschen im Stich lässt und keinen Wert auf ihr Überleben gelegt wird. Und dass wir versuchen sollten, die Erinnerung an diejenigen zu bewahren, die wir verloren haben,, während ich dies gleichzeitig mit meinen individuellen Sorgen über den Verlust meiner eigenen Erinnerungen verknüpfe.

Aus meiner Sicht erlebt Mathcore gerade ein Comeback in der Metal-Szene, während Metalcore zum neuen Mainstream geworden ist – wie siehst du das? Hat das Auswirkungen auf dich?
Ich hoffe, dass die zunehmende Popularität von Metal­core zumindest ein wenig dazu beiträgt, dass wir von Leuten entdeckt werden, die sonst vielleicht keine härtere Musik hören. Ich denke, dass es für die extremeren Subgenres durchaus gut ist, dass Bands wie BRING ME THE HORIZON weltweit als Festival-Headliner auftreten. Das trägt am Ende dazu bei, das ein größerer Fankreis entsteht mit Leuten, die sich nun vielleicht für Musikrichtungen interessieren von denen sie vorher nie gedacht hätten, dass sie ihnen gefallen könnten.

Was wird sich in Zukunft am Sound von PUPIL SLICER ändern?
Da gibt es zwei Richtungen, die wir schon immer erkunden wollten. Wir möchten irgendwann ein Album veröffentlichen, das sich auf Black Metal konzentriert und diese Seite unseres Sounds in den Mittelpunkt stellt. Gleichzeitig würden wir auch gerne mal ein ganz undurchdringliches und intensives Mathgrind-Album machen, wir werden sehen, was zuerst entsteht. Ich denke, angesichts unserer bisherigen Erfolgsbilanz wird es am Ende wie üblich eine Mischung aus vielen verschiedenen Elementen sein, da wir einfach nicht gerne lange bei nur einem Stil bleiben, haha!

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