
RASTA KNAST aus Celle/Hannover sind seit ihrer Gründung 1997 ganz gewiss eine wichtige deutsche Punkband. Und das nicht nur, weil zur ersten Besetzung auch der Labelbetreiber Andreas „Höhnie“ Höhn sowie kurz darauf Konrad Kittner (ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN) gehörte. Als ich registrierte, dass Diggen (ex-SLIME) nun bei ihnen mitsingt, griff ich in die Tasten, um Martin K., das letzte Originalmitglied und Bandchef, zu den Neuerungen zu befragen. Formuliert wurden die Antworten allerdings von der jetzigen, seit mindestens 15 Jahren existierenden Besetzung gemeinsam. Martin ist definitiv der künstlerische Kopf und auch Bewahrer des Bandstils, dennoch gibt es keinen „Chef“ in der Band und man regelt alles ganz demokratisch. Ein neues Album wird vermutlich auf Destiny Records erscheinen – wenn es fertig ist.
Schon auf eurer Debüt-LP hattet ihr das schwedische Kinderlied „Den blomstertid nu kommer“ mit deutschem Text versehen. Bei euch stand Völkerfreundschaft in Sachen Punk von jeher ganz oben auf der Agenda, oder?
Es gibt einfach in jeder Ecke der Welt Bands, die coole und interessante Musik machen. Und Freundschaft und Austausch über geopolitische und kulturelle Grenzen hinweg ist in jedem Fall immer eine Bereicherung. Aber wir betrachten unsere Freund:innen aus Brasilien, UK, Katalonien und so weiter eigentlich in erster Linie als Menschen, die unsere Leidenschaft für Musik teilen. Da ist der Umstand, dass sie aus anderen Staaten kommen, im Miteinander sowieso eher nebensächlich.
Gerade das letzte Album „Trallblut“ von 2012 schlug mit Songs wie „Blaufeuer“ sehr versöhnliche Töne an, die quasi die Gemeinschaft durch Erinnerung fördern. Ist das euer reifstes Album, musikalisch und auch textlich?
Danke für die Blumen! „Blaufeuer“ hatte eigentlich nicht das erklärte Ziel, die Gemeinschaft zu fördern ... Aber ja, es transportiert schon ein Wir-Gefühl. Unsere Message bei dem Song ist aber hauptsächlich der Wunsch, den Menschen, die uns auf unserem Weg begleitet haben, Danke zu sagen. Und an die zu erinnern, die zu früh gestorben sind und die nach wie vor fehlen. Musikalisch ist „Trallblut“ wahrscheinlich unsere reifste Platte, ja. Das bringt es wahrscheinlich automatisch mit sich, wenn man zusätzliche Erfahrung als Musiker:in sammelt, man lernt ja immer weiter dazu. Insofern spiegeln sicherlich auch die Texte jedes Albums unseren persönlichen Entwicklungsstand zum jeweiligen Zeitpunkt wider.
Eure Touren nach Südamerika sind auch legendär, da habt ihr das wahrhaftig gelebt und geliebt. Geht das Partymachen immer noch so locker oder lasst ihr es heute lieber ruhiger angehen?
Feiern ist für uns nach wie vor ein fester Bestandteil von Konzerten. Nur die notwendigen Regenerationsphasen werden so langsam länger, zwei Wochen nonstop Feiern wäre inzwischen wohl schon irgendwie eine Herausforderung ... Aber eine Party geht klar, haha
Es heißt, gerade bei Festivals verdienen Bands viel besser als bei kleinen Clubkonzerten. Wie habt ihr euch da ausgerichtet, mehr spielen oder weiter auf große Festivals warten?
Von uns lebt keiner von der Musik, das wäre auch nicht annähernd möglich. Wenn man Rhythm & Blues macht, abends vor 200 Leuten auftritt und das Ticket 50 Euro kostet, von denen man jeweils 40 erhält, geht das vielleicht – aber mit deutschsprachigem Punkrock unterhalb der Liga Rock am Ring in aller Regel nicht. Da kostet das Ticket eher 15 Euro, die Einnahmen müssen mindestens die Unkosten von zumeist mehreren Bands pro Abend decken. Wir haben das für uns vor etlichen Jahren akzeptiert und uns entschieden, dass wir einfach spielen, weil wir Spaß daran haben. Deshalb richten wir uns bei Art, Zeitpunkt und Zahl unserer Konzerte nicht nach finanziellen Aspekten.
Die Ankündigung auf Facebook, dass Diggen zu euch stoßen wird, generierte die ganze Bandbreite an Kommentaren, oder?
Wir haben das eigentlich überwiegend als Zustimmung empfunden und uns darüber gefreut. Bisher hat es immer echt Spaß gemacht, gemeinsam mit Diggen aufzutreten. Wir haben Bock auf unsere gemeinsamen Shows, Diggen hat Bock drauf, die Kommentierenden scheinbar auch – perfekt, besser geht es nicht. Wir spielen ja wie gesagt, weil wir Bock drauf haben, wir müssen uns und anderen nichts beweisen und rennen keinem kommerziellen Erfolg hinterher. Wenn die Leute das mögen, ist das geilomatose, wie wir in der Band gerne sagen.
Fun Fact: Als ich SLIME mal im SO36 interviewte, trug ich ein RASTA KNAST-Shirt und Diggen sang beim Soundcheck „Und die Katze beißt in Draht“. Also seine Zuneigung ist nicht ganz neu ...
Unsere ja auch nicht! Für uns alle sind die SLIME-Klassiker wichtige Songs und einzigartig im deutschen Punkrock. Insofern war Diggen mit seiner Musik auch in unserer jeweiligen Vergangenheit schon immer ein Einfluss. Umso genialer, jetzt mal was gemeinsam zu machen!
Ist er nun ein fester Bestandteil der Band oder ist dies zunächst einmal „nur“ ein Projekt?
Das ist zunächst mal ein Projekt, wobei wir nicht einmal in Anführungsstrichen sagen würden „nur“ – es ist für uns in diesem Jahr das wichtigste Projekt, auf das wir uns vorbereiten. Von dieser gemeinsamen Unternehmung ist Diggen ein fester Bestandteil und wir sind es auch. Umgekehrt wäre es aber nicht sinnvoll, Diggen als Bestandteil von RASTA KNAST oder RASTA KNAST als Bestandteil von Diggen zu betrachten. Wir haben als Band eine eigene Geschichte und Diskografie, Diggen hat ebenfalls ein und ist ja außerdem auch mit anderen Projekten wie Podcasts oder sonstigen Gastauftritten unterwegs. Diggen hat einen eigenen Kosmos, wir einen anderen, und diese beiden treffen nun aufeinander – und das wird krachen, also kommt vorbei!
Es gibt ja Bands, die als Quintett starteten und nun ein Trio sind. Bei euch ist es umgekehrt.
RASTA KNAST als Band sind seit ungefähr 25 Jahren ein Quartett. Diggen plus RASTA KNAST sind als Projekt ein Quintett. Ganz am Anfang waren wir ein Duo, dann zeitweilig ein Trio, zwischenzeitlich infolge von Besetzungswechseln vor etwa 15 Jahren auch kurzzeitig mal wieder ein Duo, dann ein Trio, dann wieder ein Quartett. Wenn man mittels dieser Zahlenhistorie eine Gesetzmäßigkeit zu interpretieren versucht: Mehr Personen gleich weniger Backstage-Bier pro Kopf, aber mehr potenzielle Fahrer auf langen Fahrten. Bei weniger Personen ist es umgekehrt.
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