ROMAN CANDLE

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Pure Wut gegen Angst

Die Band aus Las Vegas fängt mir ihren Sound ein Lebensgefühl ein, das nicht weit entfernt ist vom Screamo der frühen 2000er.Ob das nun ein Comeback ist oder nicht, besprechen wir mit Sängerin Piper.

Als ich „Unadulterated“ gehört habe, habe ich mich 20 Jahre jünger gefühlt und musste an DROP DEAD oder GORGEOUS denken. Fühlst du dich mit dem Sound und den Bands dieser Ära verbunden?

Auf jeden Fall! Wir sind alle mit den Bands aus den späten 1990ern und frühen 2000ern aufgewachsen, daher hatte das einen riesigen Einfluss auf unseren Sound.

Natürlich ist die Zeit vergangen und euer Sound ist viel moderner, was würdest du sagen, sind eure aktuellsten Einflüsse auf „Unadulterated“?
Ich liebe Ethel Cains Lyrik und würde sagen, dass das gegenwärtig ein riesiger Einfluss beim Schreiben von Texten ist. So wie CharliXCX für das Visuelle und künstlerische Dinge. Musikalisch möchte ich hier ungern eine Antwort geben, haha, aber ich glaube, fast alle unsere Einflüsse stammen aus älterem Material. Bands wie POISON THE WELL, die frühen TOUCHÉ AMORÉ, PLANES MISTAKEN FOR STARS und BOTCH sind allesamt wichtige Vorbilder für uns.

Zu Screamo, bevor er Anfang der 2000er groß wurde, gehört für mich immer dieses angstbeladene Gefühl der Jugend, vielleicht weil ich damals gerade in diesem Alter war. Was ist das bestimmende Gefühl von ROMAN CANDLE oder Screamo im Jahr 2026? Ist es immer noch die Angst? Ich habe den Eindruck, dass da heute mehr Wut drinsteckt ...
Die frühen ROMAN CANDLE in der „Discount Fireworks“-Ära standen für sehr traditionellen, angstgesteuerten Screamo. „Unadulterated“ erscheint mir viel reifer. Es ist pure Wut gegen die Angst. Ich bemerke auch viele Überschneidungen mit anderen Bands, die gerade aufkommen. Screamo mit Metalcore-Einflüssen, mehr Breakdowns, wütendere Riffs. Ich glaube, wir sind einfach alle sauer, haha!

Da einige Bands aus der Zeit gerade ein Comeback feiern, aber auch neue auftauchen, wie siehst du die „Modern Screamo“-Szene in den USA? Gibt es wirklich so etwas wie ein Revival oder ist es etwas Neues und ganz anderes?
Ich war damals leider noch nicht dabei, um die Szene mitzuerleben, aber ich kann sagen, dass es sich wie etwas Neues anfühlt. Wir haben uns immer eher in der Hardcore-Nische bewegt, aber mir ist aufgefallen, dass hier vor Ort jede Menge Bands auftauchen, die nicht nur für den typischen Youthcrew- oder Beatdown-Hardcore stehen, und das finde ich großartig.

Ich hatte immer das Gefühl, dass Screamo Anfang der 2000er irgendwie im Metalcore aufgegangen ist, was seltsam ist, weil er für mich immer näher am Hardcore war. Wo liegt deiner Meinung nach der Ursprung von Screamo im Jahr 2026? Im Metal oder im Hardcore?
Das ist schwer zu sagen, denn nach meiner persönlichen Erfahrung, da ich in Las Vegas aufgewachsen bin, ist es irgendwie einfach eine einzige Szene. Es gibt nicht besonders viele reine Screamo- oder reine Metal-Shows. Wenn man harte Musik schreibt und sich im Under­ground tummelt, landet man am Ende bei Shows mit allen möglichen gemischten Besetzungen. Wir hatten schon Momente, in denen wir die softeste Musik in einem Line-up voller Beatdown Bands machten, und wir waren auch schon die härteste Band in einem Indierock-Line-
up. Ich weiß nicht, wie es anderswo ist, aber im Las Vegas des Jahres 2026 kommt alles aus derselben Quelle: der Liebe zur harten Musik. Die Kids wollen einfach nur Konzerte sehen, und ich versuche, nicht zu viel Wert auf Subgenres zu legen.

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