RUNNINGS

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Dirtyass Rock ’n’ Roll

THE RUNNINGS aus Leipzig können im ersten aktiven Live-Jahr auf 26 Auftritte blicken, darunter als Support für PRESS CLUB. Auf seinem Debüt „Lessons To Learn“ spielt das Quartett mitreißenden Punkrock, der Einflüsse von Garage-Rock, Powerpop und Rock’n’Roll vereint. Wir redeten mit der Band, die aus Laura (voc), Seb (bs), Vince (gt) und Jonas (dr) besteht, über das Zusammenfinden als Gruppe und erfuhren, für welche Haltung die Band einsteht.

Ihr habt schon in anderen Bands Bühnenerfahrung gesammelt. Seb spielt zum Beispiel noch bei CHARTREUX und Vince bei den SPARTANICS. Was war der Antrieb, um sich als THE RUNNINGS zusammenzufinden? Welche Einflüsse bringt ihr mit?

Laura: Ich war dabei der Motor. Ich hatte gerade keine Band und war mit Seb auf der Suche, weil wir schon mal zusammen gespielt haben. Das war der Grund zu sagen: Okay, wir brauchen jetzt ein bisschen mehr dreckigen Rock’n’Roll in unserem Leben.
Seb: Wir haben alle eine unterschiedliche musikalische Sozialisation. Das reicht von Rock’n’Roll bis hin zum Metalcore. Aber wir hören auch ähnliche Sachen. Jeder bringt seine eigenen Vorstellungen mit ein und am Ende klingt es, wie es klingt.
Vince: Laura kommt aus dem Rock oder dem klassischen Rock’n’Roll, Seb aus dem schnellen US-Punk und ich eher aus der 77er-Schiene. Jonas kommt auch aus dem experimentellen 77er-Sound. Es sind Schnipsel aus den 1950ern und 1960ern dabei, aber auch modernere und dreckigere Punk-Elemente.

Euer Album wurde unter anderem von Max von den MELMACS aufgenommen und gemischt. Zudem taucht Laura in den Musikvideos zu „Good advices“ der MELMACS und „Early bird“ der SPARTANICS auf. Gibt es weitere Überschneidungen mit Bands aus der Region?
Laura: Man merkt schon, dass alles, was ein bisschen in die Vintage-, 1970er-, Punk-, Rock’n’Roll-, Garage-, Schlag mich tot-Richtung geht und aus der Sachsenecke kommt, sich gegenseitig gut auf dem Schirm hat, und dass wir uns mögen. Da kommen tatsächlich immer mal wieder ein paar ...
Seb: ... Überschneidungen zustande. Man kennt sich schon eine Weile und hat schon ein paar Mal miteinander gespielt. Gerade, weil Max hier in Leipzig auch noch sein Studio hat.
Laura: Max hat ja auch mit uns angefangen, Musik zu schreiben. Die ersten Titel sind entstanden, als es die RUNNINGS in der jetzigen Besetzung noch gar nicht gab, sondern nur Seb und mich. Und da ist unter anderem „Bear one another’s burdens“ in seiner ursprünglichen Version entstanden, genauso wie „Nothing ventured, nothing gained“. Und auch „It’s in the blood“.
Vince: Das war nur alles vorher viel langsamer.
Laura: Haha. Bis auf „It’s in the blood“, glaube ich, das ist komplett so geblieben. Aber bei den anderen Songs haben wir noch geschraubt.

Wie ist das restliche Material entstanden? Musste sich der RUNNINGS-Sound erst entwickeln?
Laura: Ja, das hat sich entwickelt. Wir haben 2021 „Bear one another’s burdens“ und „Nothing ventured, nothing gained“ geschrieben. Mit dem Aufnehmen der Platte haben wir 2023 angefangen und es Anfang 2024 abgeschlossen. Als Vince im Sommer 2022 dazukam, hat er da seine Sachen mit reingebracht. Es wurde immer mehr zusammengebaut.
Jonas: Ich spiele auf der Platte nur bei „Bear one anothers’s burdens“ Schlagzeug und war erst später komplett bei THE RUNNINGS. Wir haben uns kennengelernt, nachdem ein Kumpel von mir auf einer PRESS CLUB-Show war, er hat euch dort als Support gesehen und uns dann gegenseitig bekannt gemacht. So sind THE RUNNINGS mit meiner anderen Band THE ANTIPRENEURS in Kontakt gekommen.

„Bear one another’s burdens“, beginnt mit der Zeile „Oh lost souls of all countries unite“. Was ist wichtig, um gemeinsam Halt und Orientierung zu finden? Vielleicht auch im subkulturellen Rahmen?
Laura: Offenheit, denke ich, also sich selbst nicht so ernst nehmen und einander zuhören. Und vielleicht auch nicht nur total auf seiner eigenen Meinung beharren. Ich sage gerne: „Leben und leben lassen.“ Aber wichtig ist, dass wir respektvoll miteinander umgehen können.
Vince: Soziale Kompetenz. Also Empathie. Das ist auch die Sache mit der gerade heranwachsenden und der gegenwärtigen Generation. Es gibt viele alteingesessene Menschen, die sich in der Szene befinden und sich gerne über Fortschritte lustig machen. Das Problem ist, dass man da trotzdem zusammenfinden muss und es wichtig ist, dass jeder irgendwie das nötig Einfühlungsvermögen aufbringt.
Jonas: Die eigene Freiheit hört da auf, wo ich die Freiheit von jemand anderem einschränke oder ihn runtermache. Das sind eigentlich bekannte Grundsätze, die aber oft vergessen werden.
Seb: Wir befinden uns mit unserer Musik in einer Subkultur, die eigentlich mit den gleichen Normen und Werten aufgewachsen ist, und trotzdem sieht man immer wieder, wie es doch nicht zusammenpasst und Werte auseinandergehen.

Einer meiner Lieblingssongs ist „Out of sight, out of mind“, ein Stück über weibliche Selbstbestimmung. Wie haben sich in deinen Augen, Laura, die Sichtbarkeit und Räume für FLINTA*-Personen entwickelt?
Laura: Ich mache seit über 20 Jahren Musik, das heißt, ich beobachte da eine Entwicklung. Als ich angefangen habe, gab es keine anderen Mädchen, die Musik machen wollten. Eine große Konkurrenz war damals spürbar, weil uns Frauen immer auch Sprüche entgegengebracht wurden. Wir haben jetzt noch mal eine ganz andere Verknüpfung durch Social Media. Vor allem ist uns Frauen irgendwann mal aufgefallen: Moment, diese Konkurrenz ist eigentlich nur entstanden, weil uns immer vermittelt wurde, dass es nur eine Frau auf einem Festival, in einer Band, auf dem gesamten Label sein darf. Ich habe das Gefühl, es werden immer mehr Frauen, die Musik machen, die auch immer mehr Vorbilder in weiblich gelesenen Personen finden. Ich merke, dass sich da was bewegt. Es ist schön, dass du „Out of sight, out of mind“ ansprichst, da geht es ja um Hexenverbrennungen: Früher wurden die Hexen verbrannt und heute versuchen sie uns anders mundtot zu machen. Und trotzdem habe ich das Gefühl, wir kommen ein Stück voran, auch wenn es lange dauert. Aber das tun wir gesamtgesellschaftlich.

Ihr habt 2025 schon einige Auftritte gehabt und im letzten Jahr 26 Shows gespielt. Was erhofft ihr euch von den Konzerten, und gibt es bereits Anekdoten zu erzählen?
Seb: Aktuell freuen wir uns, wenn wir schöne Konzerte spielen und da ein paar Leute hinkommen. Ich liebe es immer, mit Bands zu spielen, von denen ich Fan bin. Aber ich liebe es auch neue, junge Bands zu entdecken. Das ist herrlich erfrischend. Ich liebe es auch, auf Festivals zu spielen. Da mag ich immer das Flair. Zu den Anekdoten, hm ... Wir haben letztes Jahr in einem Schloss mitten in Hessen geschlafen, irgendwo im Wald, das war witzig. Vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ist ja egal. Da hat es überall geknarzt und da waren Geister.
Laura: Haha. Da waren hoffentlich keine Geister. Das Schöne ist, es kommen tatsächlich Leute wieder. Da geht mir das Herz auf. Und diese Gespräche am Merchstand. Da kommen oft Leute zu mir, weil ich manchmal auf der Bühne über meine Depression spreche, und sagen, dass sie das stark finden und dass es ihnen auch nicht gut geht. Es ist mir auch ein wichtiges Anliegen, dass wir in der Beziehung offener werden und es keine Tabus mehr gibt.
Vince: Für mich gibt es nichts Schöneres, als wenn ich auf der Bühne stehe und Menschen sehe, die einen Text mitsingen oder genau wissen, welche Stelle vom Lied jetzt kommt. Das ist für mich das Zeichen, dass wir was richtig gemacht haben. Und ich erhoffe mir auch, dass wir es schaffen, dass Menschen aufhören, uns zu vergleichen, sondern irgendwann sagen: „Das klingt wie THE RUNNINGS“.

Welche Orte und Bands gibt es bei euch in der Umgebung, die es sich lohnt auszuchecken?
Seb: Es gibt in Sachsen oder im ganzen östlichen Teil von Deutschland einen Haufen Orte, die saumäßig zu kämpfen haben. In Grimma die alte Spitzenfabrik, in Roßwein das AJZ, in Bautzen das Jugendhaus, in Görlitz das Steinhaus ... überall, wo die Leute die Fahne hochhalten in tiefbraunen Gebieten. Und Bands ... so viele. Liebe Grüße an STAUFFENBERG.
Vince: DAMAGED LIFE feiere ich sehr. Da macht auch der Gitarrist von ONE STEP AHEAD mit, auch eine sehr gute, bekannte antifaschistische Band.
Laura: VALY AND THE VODKAS fetzen auch. Frauenkombo, sehr schön. Außerdem bleiben THE MELMACS und THE PISSED ONES für mich auch nach wie vor empfehlenswerte Namen.
Jonas: Man könnte noch BAMBI SHOOTS BACK nennen ... Neue und junge Bands kennenlernen, ist so eine Sache: Genau an die Orte zu gehen und Subkultur zu unterstützen, ist cool.

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