© by Andy FordDer in London geborene Sänger und Gitarrist Mat „Kvohst“ McNerney ist ein musikalischer Tausendsassa, der musikalisch so variabel ist wie in der Wahl seiner Wohnsitze: In UK aufgewachsen, lebt er später in Norwegen und den Niederlanden und nun seit einiger Zeit in Finnland. Mit DØDHEIMSGARD widmete er sich gleichermaßen extremem wie experimentellem Metal, mit HEXVESSEL einer düsteren Form von Folk, und mit BEASTMILK näherte er sich 2013 dem Goth-Rock an. Die Band war kurzlebig, machte bald schon als GRAVE PLEASURES weiter, und nun firmiert McNerney unter SCORPION MILK, das Album „Slime Of The Times“ ist gerade erschienen. Mat erzählt im Interview, was es mit dem neuen Projekt auf sich hat.
Mat ... schon wieder eine Band? Was ist mit den vorherigen passiert?
Ich denke nicht in Begriffen wie „Band“ im Sinne einer Bande von Bikern, die zusammen leben und sterben. Die alte Vorstellung von Musikgruppen aus den 1960er Jahren, wo alle gleich aussehen, gleich singen und sich gleich kleiden, ist ein seltsames und veraltetes Konzept, da Menschen in ihrer Kreativität nicht so eingeschränkt sein sollten. Man muss sich nur das Konzept einer Band vergegenwärtigen, um zu verstehen, warum es nicht ewig halten kann. Ich glaube nicht, dass es großer Kunst zuträglich ist, wenn zu viele Köche am Werk sind. Oft verschwendet man viel Zeit mit Kompromissen, und das Endergebnis ist verwässert und verworren. Für mich geht es bei Bands also darum, von A nach B zu kommen, und nicht darum, dass sie ewig bestehen müssen. Und das gefällt mir. Selbst kurze Zusammenschlüsse können fruchtbar sein. Der lebendige Moment im Gegensatz zu einer Art von Ewigkeit. SCORPION MILK ist mein Solo-Projekt, keine Band. Ich sehe mich eher als Autor, der dieses Medium nutzt, um seiner Kunst Ausdruck zu verleihen. SCORPION MILK ist sozusagen ein weiterer Aspekt oder ein weiteres Kapitel meines apokalyptischen Post-Punk-Œuvres. So wie George Miller in der Wasteland-Welt von „Mad Max“ kreativ ist. Sich mit dem Was und Warum von Besetzungswechseln oder Namensänderungen zu beschäftigen, bedeutet, über etwas zu sprechen, das meiner Meinung nach die Musikhörenden nicht wirklich etwas angeht oder interessieren sollte. Es handelt sich um einfache logistische Fragen, manchmal auch etwas Emotionales oder Persönliches. Die Leute beschäftigen sich zu sehr mit diesen Dramen. Wenn dir BEASTMILK und GRAVE PLEASURES gefallen haben, dann sieh SCORPION MILK als meine neueste Inkarnation dieser Geschichte, wenn auch eine Weiterentwicklung und etwas Frisches, Wütendes, Vitales.
Was hast du in den letzten Jahren so gemacht, auch mit HEXVESSEL?
Ich war in den letzten 25 Jahren an etwa 30 Alben beteiligt. Ich war auf Tour, habe mich abgerackert und hart gearbeitet. Zuletzt war ich wohl aktiver als sonst. Ich habe vielleicht einen Weg gefunden, mich zu verbessern. Die SCORPION MILK-Platte „Slime Of The Times“ ist eins der Alben, an denen ich in letzter Zeit gearbeitet habe, und ich habe einen Großteil meiner Zeit da reingesteckt. Das war mein Hauptprojekt. HEXVESSEL waren mit den Alben „Polar Veil“ und „Nocturne“ sehr produktiv. „Nocturne“ war Teil eines Auftragswerks vom Roadburn Festival. Ich habe es geschrieben, mit den Musikern arrangiert und auf die Bühne gebracht. Es war ein Jahr Arbeit, und dann haben wir es als Album aufgenommen, was weitere sechs Monate oder so gedauert hat. HEXVESSEL waren also in den letzten Jahren ein sehr intensives Projekt. In der Zeit haben wir uns bei HEXVESSEL mehr in Richtung Heavy Metal bewegt. „Nocturne“ ist der Höhepunkt einer ziemlich langen Reise, mit dem wir dort angekommen sind, wohin wir die ganze Zeit unterwegs waren.
Offensichtlich nimmst du mit dem Namen SCORPION MILK Bezug auf dich selbst und BEASTMILK. Warum hast du dich dafür entschieden?
Ja, der Name SCORPION MILK ist eine Anspielung, aber das ist auch schon alles. Es ist nur ein kleiner Anstoß, kein Wink mit dem Zaunpfahl. Ich möchte, dass die Zuhörer wissen, woher das Ganze kommt, aber es ist nicht dasselbe, nicht ganz. Man bekommt eine Vorstellung davon, worum es gehen wird, aber es ist offensichtlich nicht dieselbe „Band“. Es ist etwas Neues. Dafür wollte ich den Namen BEASTMILK nicht verwenden. Ich finde, es würde den Beitrag der anderen Jungs zu dieser Band herabsetzen, so zu tun, als wäre es eine „Fortsetzung“ dieses Projekts, denn das ist es nicht. Es ist etwas Neues und anderes. Wenn die Leute die Platte hören, werden sie das merken. Ich bin nicht jemand, der ständig zurückblickt. Es ist gut, die Vergangenheit zu kennen, aber man sollte sie nicht wiederholen. Tatsächlich würde ich am liebsten in der Zeit zurückgehen und die Erinnerung, dass ich BEASTMILK und GRAVE PLEASURES gemacht habe, auslöschen. Das ist eine sehr wichtige Übung als Songwriter. Nicht auf der Basis von Selbstreferenz oder Begrenzung heraus kreativ zu werden, sondern darüber nachzudenken, was man mit einem bestimmten Stil und einer bestimmten Art des Schreibens anfangen möchte, in einem Vakuum und mit einem leeren Blatt. Also dachte ich über die Einflüsse nach, die ich damals hatte und immer noch habe, und darüber, wie ich ihnen besser gerecht werden könnte, wie ich mein Ziel erreichen könnte, ohne dass sich jemand anderes einmischt, und ohne Kompromisse.
Wie bist du das angegangen?
Im Laufe der Jahre bin ich selbst Gitarrist geworden und weiß jetzt besser, wie ich mir die Kompositionen und ihren Klang vorstelle. Ich habe einen großen Teil meines Lebens mit BEASTMILK und GRAVE PLEASURES verbracht und wollte endlich sehen, was passiert, wenn ich aus meiner eigenen Perspektive schreiben würde. Natürlich hatte ich in diesen Bands viel Freiraum, weil sie meine geistigen Kinder waren, aber es gab immer eine Art Kampf, um dorthin zu gelangen, sei es wegen Streitigkeiten in der Besetzung oder wegen des Songwritings. Ich hatte das Gefühl, dass ich nie wirklich die Flucht nach vorne angetreten habe, und das habe ich bereut. Als das SCORPION MILK-Album Gestalt annahm, wurde mir klar, dass dies eine viel düsterere Vision meiner Post-Punk-Arbeit war, viel mehr Anarcho-Punk. „Skorpionmilch“ ist giftig. Das ist kein Wortspiel und kein Witz. Es ist einfach nur Tod. Und das spiegelt das Gefühl der damaligen Zeit wider, den „Schleim der Zeit“. Ich möchte mich gewissermaßen frech auf mich selbst beziehen.
Es gibt Musiker, die trotz Veränderungen in ihrem Stil und ihrer Besetzung jahrelang, sogar jahrzehntelang, bei einem Namen bleiben. Warum machst du das Gegenteil?
Ich finde, Kunst sollte kreativ und frei sein. Immer dasselbe zu machen, ist langweilig. Ich weiß nicht, warum Filmregisseure damit durchkommen, immer den gleichen Film unter verschiedenen Namen zu drehen. David Lynch hat eben nicht zehn Versionen von „Wild At Heart“ gedreht. Musiker aber sollen sich irgendwie darauf beschränken, immer nur einen Namen für ihre Arbeit zu haben. Man kann sich „Mission Impossible 14“ ansehen oder tiefer graben und einen Autor finden, der einzigartige Werke in verschiedenen Welten mit unterschiedlichen Geschichten schafft. Ich bin kein Franchise-Typ. Ich bin ein Indie-Regisseur. Ich finde, dass meine übergreifende und umfassendere Geschichte darin besteht, dass Namen nicht so wichtig sind wie die Musik, wie die Geschichte, die ich erzähle. Es ist meine Arbeit, man kann meine DNA darin hören. Ist das nicht das Wichtigste? Und die Leute sind nicht mutig genug, weil Namen und Marken gleich Geld sind.
Wie meinst du das?
Man muss das Merchandising-Geschäft am Laufen halten. Bands sind wie Geldmaschinen auf Rädern. Sie arbeiten aus der Perspektive, dass man den Namen behalten muss, denn wenn man das nicht tut, kennen die Leute den neuen Namen nicht und man muss die Marke von Grund auf neu aufbauen. Das wirkt sich auf deine Finanzen aus, nicht auf deine Kunst. Wo liegt also dein Fokus, auf dem Geld oder der Kunst? Ich finde, diese Denkweise steht in absolutem Widerspruch zu kreativer Arbeit. Ich kann diese Dinge sagen, weil ich nicht IRON MAIDEN bin und nicht diesen riesigen Namen und Erfolg habe, den ich weiterführen muss. Ich bin frei, zu tun, was ich will. SCORPION MILK ist mein eigener Sound und Stil, und ich habe keine Leute, die es mit diesem oder jenem vergleichen oder sich beschweren, weil jemand, der für das Konzept/die Texte und das Songwriting irrelevant ist, nicht mehr dabei ist. Dieses Missverständnis kann einen blockieren und die Kreativität ersticken. Wenn man denselben Namen hat und den Stil ändern will, gibt es immer jemanden, der sich irgendwo im Internet lautstark beschwert. Und das ist eine virale Infektion, die für kreatives Schaffen fatal ist. Dass man irgendwie diese Echokammer um seine Arbeit herum haben muss, in der öffentliche Kommentare und Wahrnehmungen in irgendeiner Weise relevant sind, ist für mich ein wirklich hässlicher Teil der Moderne. Ich tue alles, was ich kann, um dieser Blase zu entkommen.
Du hast eine ziemlich beeindruckende Liste an Mitmusikern für dieses Projekt.
Ich bin mit allen, die an diesem Album mitgewirkt haben, schon mal auf Tour gegangen und habe Zeit mit ihnen „on the road“ verbracht, als Freunde. Es fühlte sich an, als würde man es in der Familie halten. Tor Sjödén war der Schlagzeuger in einer Band namens NEW KEEPERS OF THE WATER TOWERS, die mit HEXVESSEL auf Tour war, und mich faszinierte, was er in dieser Band mit Percussion anstellte. Er ist auch ein äußerst spezieller Charakter, und ich mag ihn persönlich sehr. Ich habe verfolgt, was er bei VIAGRA BOYS gemacht hat, und bin auch da ein Fan seiner Arbeit. Als ich das Album geschrieben habe, habe ich an sein Schlagzeugspiel gedacht, weil es genau das war, was ich mir vorgestellt hatte. Nate Newton, der Bass spielt, hat mich in meiner Arbeit immer extrem unterstützt. Er hat damals die BEASTMILK-7“ bestellt, und wir haben ihm geschrieben, um ihm zu danken. Er kam sogar ins Studio und hat bei „Climax“ als Gastsänger mitgewirkt. Ich war mit ihm auf Tour, DOOMRIDERS hatten BEASTMILK mitgenommen, dann auch mit GRAVE PLEASURES und MINISTRY und noch einmal mit BLOODMOON und HEXVESSEL. Wir kennen uns also schon seit Jahren und haben hier und da darüber gescherzt, mal ein Projekt zu starten. Jetzt hatte ich etwas für ihn und sein wildes Downpicking mit der rechten Hand! Big Paul von KILLING JOKE hat bei dem Song „All the fear“ als Gastschlagzeuger mitgewirkt. Eigentlich sollte er mehr machen, aber er war zu beschäftigt. Und das war gut so, denn ich glaube, dass Tors Schlagzeugspiel das Album letztendlich geprägt hat. So funktioniert es am besten, als ein Gastauftritt von Big Paul. Paul war derjenige bei KILLING JOKE, mit dem ich am meisten zu tun hatte, als GRAVE PLEASURES mit ihnen auf Tour waren. Und er war immer freundlich und nett. Dieses Album ist stark von KILLING JOKE beeinflusst, daher finde ich es toll, dass Paul dabei war und das Album auf diese Weise geadelt hat.
John Robb hat das Buch „Goth – Die dunkle Seite des Punk“ geschrieben. Offensichtlich liebst du dieses Genre.
Seit ich mich erinnern kann, habe ich mich zu neugotischer Kunst und Literatur hingezogen gefühlt. Es begann mit der englischen romantischen Poesie und den Präraffaeliten, Shelley, Keats und dann Dante und William Blake. Das war noch, bevor ich zur Musik kam. Ich entdeckte bei meinen Schwestern die Alben von THE CURE und SIOUXIE & THE BANSHEES. Da ich halber Ire bin, machte mir der Name „Banshee“ tatsächlich Angst, und als ich die Musik hörte, empfand ich sie wirklich als gespenstisch. Damals begann ich instinktiv, mich anders zu kleiden. Ich färbte mit meiner Mutter ein übergroßes T-Shirt lila und begann, Doc Martens-Stiefel zu tragen, die ich mir von meinen Eltern auf dem Camden Market kaufen ließ. Ein anderer Junge, mit dem ich in der Schule war – er ist heute ein berühmter House-DJ –, lachte und sagte zu mir: „Oh Mann, du bist ein Goth!“ Und ich fragte: „Ein was?“ Ich hatte keine Ahnung, ich hatte nur das Gefühl, dass das, was ich tat, meine innere Welt gut widerspiegelte und wie ich die Musik empfand. Er war wirklich „streetwise“ und kannte daher die Namen der verschiedenen Gangs – und das war in den späten 1980ern und frühen 1990ern wichtig, denn die Leute hingen in ihren Gangs herum. Ich mochte die Goths, weil sie groß und furchteinflößend aussahen und zu dieser Zeit in unserer Gegend die Raver, also die Leute, die Dance-Musik hörten, in Schach hielten. Es gab ständig Schlägereien und Revierkämpfe. Jedenfalls war meine Goth-Phase eher kurz, das ging vielleicht ein oder zwei Jahre, und dann begann ich mich für Metal zu begeistern. Ich werde aber immer ein Goth bleiben, weil mich Dunkelheit und Tod anziehen. Ich mochte diese Ästhetik schon lange, bevor ich die Definition oder den Stil kannte. Das macht meiner Meinung nach einen echten Goth aus. Friedhöfe sind dein Ding. Es ist mir egal, wie die Leute mich nennen. Ich glaube nicht, dass ich ein Goth im Sinne des Musikgenres bin, es ist eine innere Sache, nicht eine der Ästhetik.
Welche Bands, Songs und Alben haben dich in diese schwarze Welt gelockt?
Vor allem „Pornography“, „The Head On The Door“ und „Disintegration“ von THE CURE. „Juju“ von SIOUXSIE & THE BANSHEES. „Within The Realm Of A Dying Sun“ von DEAD CAN DANCE. Das sind die ersten Platten, die mir einfallen. Auch THE DOORS hatten einen frühen Einfluss, wenn man an Songs wie „The end“ denkt: „Lost in a Roman wilderness of pain“. Das ist psychedelisch, aber auch sehr gothic, eher in der Denkweise als im heutigen Goth-Stil. BAUHAUS und JOY DIVISION habe ich erst später entdeckt. Sorry an alle, die denken, dass ich, weil ich Hall auf meine Stimme lege, irgendwie von diesen Bands inspiriert wurde – das war überhaupt nicht der Fall. Jetzt sind es Bands wie THE SOUND, ECHO & THE BUNNYMEN und die frühen SISTERS OF MERCY, die mich begeistern. Ich kannte SISTERS OF MERCY schon immer und habe in allen Goth-Clubs wie Slimelight, die wir als Jugendliche frequentierten, zu ihren Hits getanzt, aber erst später habe ich mich wirklich damit beschäftigt. Aber wie ich schon gesagt habe, gibt es auf dem Album auch viel Anarcho-Punk, ich denke an FLUX OF PINK INDIANS, CRASS, THE MOB oder RUDIMENTARY PENI.
Für ein Video zum Album hast du KI verwendet. Wie stehst du generell zum Einsatz generativer KI?
Ich habe KI als Werkzeug für ein Promo-Video verwendet, nicht für „das“ Video. Es ist nur ein Clip. Ich habe das gemacht, weil es in den Songtexten um den Schlamm geht, in dem die Welt versinkt. Ich fand, dass die KI-Umsetzung perfekt ist, um den Song und das Konzept der Texte zu verdeutlichen. Ich hatte auch eine Vision davon, wie sich die Geschichte des Videos entwickeln sollte. Ich habe mehr Zeit für dieses Video aufgewendet als für jedes andere, das ich gemacht habe, einschließlich derjenigen, die ich „echt“ gedreht habe. Es war ein umfangreiches kreatives Unterfangen, das mit ebenso viel Absicht komponiert, gestaltet und überarbeitet wurde wie jedes traditionelle Projekt, mit stundenlanger Bildgenerierung, Photoshop, Bearbeitung und Ton. Ich bin mir der Ängste rund um generative KI bewusst. Das war eigentlich mein Punkt, diese Angst in den Vordergrund zu rücken und tatsächlich damit zu spielen. Für manche ist das zu viel, und das ist auch mein Punkt, denke ich. „Another day another abyss“ handelt von der unheimlichen Spannung unserer Zeit. Das Video soll sich synthetisch, verzerrt, schräg, unheimlich und mies anfühlen, denn genau damit ringt der Song. Ich habe KI nicht eingesetzt, um Künstler zu ersetzen, sondern als persönliches künstlerisches Ausdrucksmittel. Ich habe KI genutzt, um zu erforschen, was es bedeutet, in einer Zeit zu kreativ zu sein, in der die Grenze zwischen Künstler und Algorithmus verschwimmt. Alle Kunst ist abgeleitet von irgendwas. Wir lassen uns beeinflussen, wir beziehen uns auf andere, wir würdigen ihre Arbeit. Wo ziehen wir die Grenze zwischen Hommage und Diebstahl? Das ist der Abgrund, in den das Video blickt. Wie viel moderne Musik ist nur eine Wiederholung der Vergangenheit? Wie viele Künstler kopieren einfach andere? Ich hätte dieses Video ohne KI nicht anders gemacht. Ich habe immer mit minimalen Mitteln gearbeitet, und wenn ich ein Budget für visuelle Effekte gehabt hätte, hätte ich das gleiche Ergebnis angestrebt. Ich nehme niemandem die Arbeit weg, ich mache das, was ich fast immer gemacht habe: Dinge selbst anpacken, so gut ich es kann.
Nun geht der KI-Einsatz bei Spotify aber schon weiter. Musik, die aus der Musik aller Goth-Bands, die wir beide lieben, generiert wurde, existiert wahrscheinlich längst bei Spotify.
Was der Algorithmus von Spotify da macht, ist nicht kreativ. Die Leute denken, ich hätte auf einen Button mit KI geklickt und damit mein Video erstellt. Sie denken wahrscheinlich, ich hätte „Goth“ eingegeben und dann wäre das Video entstanden, oder ich hätte „David Lynch“ eingegeben und die KI hätte mir eine Version eines Lynch-Videos erstellt. So funktioniert das nicht. Ich habe viele meiner eigenen Bilder verwendet und viel Zeit damit verbracht, das Bild zu bearbeiten, bis ich das gewünschte Ergebnis erzielt habe. Für mich ist das ein Werkzeug, wie Photoshop. Ich habe als Grafikdesigner für große Unternehmen gearbeitet, daher weiß ich, was ein kreatives Werkzeug ist, wenn ich eines benutze, und ich kenne auch die Fallstricke, die Probleme und die Diskussionen, die damit verbunden sind. Was Spotify angeht, denke ich, dass dieses Vorhersagemodell den Spaß am Entdecken und die harte Arbeit, die das Entdecken und Verlieben in Musik zu einer transzendentalen Erfahrung macht, verderben kann. Ich schätze die Monetarisierungsstrategie von Spotify nicht, aber manchmal wirft mir der Algorithmus eine neue Entdeckung zu oder überrascht mich mit einer Reihe von Songs, die ich mag, an die ich mich aber nicht unbedingt erinnern kann oder mir selbst aussuchen würde.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Joachim Hiller