SINISTER SIX

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Sixties-Garagenbeat

Der Nordwesten der Vereinigten Staaten von Amerika, also die Gegend um Seattle, ist schon seit langem dafür bekannt, viele Bands einer bestimmten Musikrichtung hervorgebracht zu haben. Nein, nicht Grunge, jenes durch und durch artifizielle Medienprodukt - sondern diesen typischen Sixties-Garagenbeat, den andere wiederum als Punk bezeichnen und der als Stil schon seit rund 30 Jahren existiert. Labels wie Estrus, Crypt oder auch Empty bemühen sich dabei um Bands aus dieser Ecke, die nicht ganz so retrovertiert sind und „traditionelle" Stilelemente zeitgemäß aufbereiten. SINISTER SIX sind eine dieser Bands. Ich unterhielt mich Mitte April um 11 Uhr MEZ mit Gitarrist James, der gerade angetrunken und völlig erschöpft von einem Konzert nach Hause gekommen war - in Seattle war es 2 Uhr morgens...

Ich dachte mir, ich rufe dich am besten gleich an, sonst vergesse ich das wieder, denn morgen früh muss ich zum Zahnarzt und jede Menge Sachen erledigen.

Auf eurer CD klebt in Deutschland der Sticker „If you like GIRL TROUBLE and GAS HUFFER, you'll love this." Was hältst du davon?
Ich glaube nicht, dass wir diesen Bands allzu ähnlich sind, aber wir liegen sicher auf der gleichen musikalischen Grundlinie, also Sixties Garage-Punkrock. Aber unsere musikalischen Einflüsse lassen sich nicht so einfach feststellen. Meine frühen Einflüsse waren die ROLLING STONES, die BEATLES, THE W H O - die Mitt-Sechziger- bis End-Sechziger-Phase dieser Bands. In den Siebzigern wurden THE WHO dann ziemlich schrecklich, aber ihr erstes Album ist ein Klassiker. Als ich auf der Junior High School war, fing ich dann an, Punkrock zu hören. Es war damals die einzige Art von Musik, die mich an die Sixties erinnerte - Bands wie die RAMONES, ELVIS COSTELLO, GENERATION X, BUZZCOCKS, THE JA M.

Wie alt bist du denn, seit wann spielt ihr zusammen?
Ich bin 29, was im Hinblick auf Punkrock als Jugendphänomen ziemlich alt ist - aber ich sehe viel jünger aus. SINISTER SIX gibt es seit rund zweieinhalb Jahren. „OuttaSight" war unser erstes Album, aber wir haben davor schon jede Menge 7"s gemacht.

Dann habt ihr doch sicher vorher schon in anderen Bands gespielt, die man vielleicht sogar kennt.
Ich spiele in Bands, seit ich vierzehn oder fünfzehn war. Mit zwanzig startete ich die 64 SPIDERS. Drei oder vier Jahre passierte gar nichts, dann spielten wir ein paar Konzerte in Seattle und Umgebung und landeten schließlich mit einer Menge anderer, längst aufgelöster Seattle-Bands auf dieser „Another Pyrrhic Victory“-Compilation. Wir waren wohl die unbekannteste von allen Bands, denn da waren zum Beispiel auch GREEN RIVER drauf.

Auf der CD findet sich kein Hinweis darauf, dass ihr aus Seattle kommt.
Ja, weil wir keine Lust haben, damit rum zu protzen. Wir sind alle hier geboren und haben es im Gegensatz zu vielen anderen, die nur nach Seattle zogen, um mit ihrer Band entdeckt zu werden, nicht nötig, damit hausieren zu gehen.

Wieso kommen denn so viele Garagenbands aus dem Nordwesten?
Dass es heute wieder so viele Bands in dieser Richtung gibt, hängt sicher damit zusammen, dass die Musiker merken, wo die Wurzeln des Rock'n'Roll liegen und ihre Zeit nicht mehr länger damit verschwenden, zu versuchen progressiv zu sein. Seattle ist zur Zeit ein riesiger musikalischer Schmelztiegel und es gibt eine Unmenge verschiedenster Bands. Es ist der ideale Ort für jeden, der meint, in einer Band spielen zu müssen. Es gibt jede Menge Clubs und sonstige Orte, wo man auftreten kann - vor zehn zahlenden Zuschauern. Und so geht es den meisten Bands auch.

Und dann bringt man eine Platte bei Sub Pop raus, fliegt nach Europa und ist die neue Hype-Band.
Ja, sobald du auf Sub Pop bist, kommen viel mehr Leute zu deinen Konzerten. Es spielt keine Rolle, ob du besonders gut oder schlecht bist - es läuft dann einfach. Aber was Sub Pop betrifft, sollte ich vielleicht anmerken, dass ich nach dem Ende der 64 SPIDERS bei einer Band namens CAT BUTT spielte, die ein Album auf Sub Pop hatte und in Deutschland von Glitterhouse veröffentlicht wurde. Es hat den Ruf, das schlechtverkaufteste Album in der Geschichte von Sub Pop Germany zu sein. Ich finde das witzig, haha. Vor zwei Jahren war ich in Deutschland, verbrachte einige Zeit in Berlin und fand die Platte dort in einem Plattenladen. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass die überhaupt in Europa veröffentlicht worden war. Ich sprach den Verkäufer an und meinte „Ich hoffe, ihr verkauft die Platte billig". Er antwortete nur, dass sie schon ein Sonderangebot sei, aber trotzdem nicht gekauft werde. Da fühlte ich mich als Musiker wirklich gut, haha.

Wieso habt ihr denn die die ganzen Mädels auf's Cover gepackt, die sich als SINISTER SIX ausgeben?
Wir fanden das witzig. Das sind alles Freundinnen von unserem Drummer und wir wollten das als Provokation aufziehen, wegen diesem ganzen Hype um Girl-Bands, der zu der Zeit stattfand. Im Maximurocknroll wurde die Platte von so einer Feministin besprochen, die sich total darüber aufregte. Naja, wenn man keinen Spaß versteht, sollte man vielleicht nicht Platten besprechen.

Gibt's in absehbarer Zeit ne neue Platte von euch?
Ja, demnächst kommt in den USA auf Bag Of Hammers und in Europa auf Musical Tragedies eine 8-Song10" raus.

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