© by Anton JosefssonMit „Angels Calling“ bringen SOLENCE aus Norrköping, Schweden ihr fünftes Album an den Start, kraftvoll-rockig mit Metalcore, aber auch viel Pop. Wir sprechen mit Sänger Markus Videsäter darüber, was Musik bewirken soll und wieso Politik bei SOLENCE keinen Platz hat. Das komplette Interview könnt ihr auf unserer Steady-Seite lesen.
Ihr wollt den Spaß zurück in den Metal bringen. Wieso braucht Metal mehr Spaß?
Denkt man an den Metal der 1980er und 90er, kann man das als ziemlich gute Zeit beschreiben. Schaut man sich heute die größeren Metalbands an, wirken die oft sehr kühl, düster, fast monoton. Sie haben oft alle die gleichen Produzenten. Wir möchten hingegen gute Vibes verbreiten – vor allem bei Live-Shows. Nach einem SOLENCE-Konzert soll man sich fühlen wie nach einem einstündigen Saunabesuch. Wenn man unsere Musik hört, soll man ein gutes Gefühl haben, selbst wenn es mal um ein ernstes Thema geht. „Wish you the worst“ ist so ein Beispiel. Ich schreie raus, wie sehr ich eine Person hasse, aber unterm Strich soll man sich
ermutigt fühlen.
Wie schaffst du es selbst, dir einen positiven Vibe zu bewahren?
Gute Frage! Wir schreiben unsere Songs in erster Linie für uns selbst, deshalb will ich auch, dass sie immer einen motivierenden Aspekt beinhalten. Wenn ich mich schon jeden Tag damit quäle, gute Melodien zu schreiben, und dem Druck, der damit verbunden ist, standhalten muss, dann soll am Ende wenigsten Musik entstehen, die ich auch selbst hören möchte. Ich glaube, aktuell sind die Leute auf der Welt entweder wahnsinnig deprimiert oder super glücklich. Mal schwankt man zur einen Seite, mal zur anderen. Aber viele, die glücklich sein könnten, nehmen es gar nicht richtig wahr. Ich habe den Eindruck, dass sich insbesondere in unserem Alter Ende 20, Anfang 30 jeder Tag aufs Neue wie ein Kampf anfühlt. Wenn man sich komplett von dem abschotten würde, was in der Welt passiert, wäre es vielleicht leichter, aber dafür ist das alles zu dominant. Unsere Musik soll jedenfalls dabei helfen, wenigsten ein bisschen mehr in die glückliche Richtung zu rücken. Wir versuchen unser Bestes, uns nicht politisch zu äußern.
Wieso?
Wir stehen nicht so eindeutig für die eine oder andere Meinung.
Ihr habt als Metalcore-Band eine gewisse Nähe zum Hardcore, einem sehr politischen Genre. Wieso wollt ihr euch nicht positionieren?
Ich glaube, uns fehlt es an ausreichend fundiertem Wissen, um das zu tun. Und um noch mal auf die positiven Vibes zurückzukommen: Ich möchte mich nicht restlos vom Weltgeschehen abkoppeln, aber jedes Mal, wenn ich einen politischen Song höre, fühle ich mich besonders betroffen von dem, was um mich herum passiert, und kann kaum noch Abstand gewinnen. Und das tut mir nicht unbedingt gut. Für manche mag das funktionieren, aber meine liebsten Gelegenheiten, um gute Musik zu hören, sind zum Beispiel nachts im Bus, wenn es ruhig ist, ich mit niemandem spreche. Dann kann ich so richtig rauszoomen aus der Welt. Das fühlt sich nach einer Pause an. Und das soll Musik für mich bewirken.
© by Fuze - Ausgabe #115 Dezember 2025 /Januar 2026 2025 und Jeannine Michèle Kock
© by Fuze - Ausgabe #99 April/Mai 2023 und Sebastian Koll