
Für die Schweden SPARZANZA steht das neunte Album an, somit ist Johan, Bassist der Band, bereits ein alter Hase im Geschäft, der sich aber auch um den Nachwuchs bemüht. Doch für den sieht es im Moment düster aus, findet er.
From Dust To Darkness“ ist euer neuntes Album, was bedeutet, dass ihr in eurer Karriere schon eine Menge Songs geschrieben habt. Ist es für euch schwieriger geworden, kreativ zu sein, als zu den Anfängen der Band?
Die letzten Jahre seit der Pandemie waren seltsam. Wir wollten eigentlich eine kurze Pause machen, dann kam die Pandemie und die Auszeit wurde etwas länger. Bei mir selbst schwankt die Inspiration zum Schreiben und es hat auch eine Weile gedauert, bis wir wieder in den Songwriting-Modus zurückgefunden haben. Aber insgesamt würde ich sagen, dass es immer jemanden gibt, der inspiriert ist. Und wenn wir inspiriert sind, kommt die Kreativität ganz von selbst. Schwieriger ist es, aus all den Demos auszuwählen, welche Songs wir für das Album aufnehmen wollen, denn alle unsere Demos enthalten großartige Ideen und wären großartige Songs geworden.
Ihr habt einen härteren, brutaleren Sound entwickelt. Woher kommt das, deiner Meinung nach? War das ein Weg, den ihr bewusst eingeschlagen habt, oder ist das von selbst gekommen?
Ich glaube, das ist ganz organisch passiert. Wir haben uns dieses Mal auch dafür entschieden, kein Studio zu mieten, um mit einem Produzenten aufzunehmen. Wir haben in drei verschiedenen Sessions aufgenommen, nur für die Schlagzeugparts Studiozeit gemietet und alles andere bei Magnus, unserem Gitarristen, erledigt. Und seine Produktion hat es heavier und härter gemacht.
Allerdings haben Songs wie „Bloodborne“ einen großen Refrain, fast ein Pop-Refrain. Obwohl SPARZANZA 2025 also härter als zuvor klingen, gibt es immer noch melodische Elemente. Woher kommen diese Einflüsse deiner Meinung nach?
Wir lieben großartige Refrains, das haben wir schon immer getan. Egal, wie hart die Musik wird, wir werden diese Art von Refrains immer beibehalten. Die sind inzwischen so etwas wie unser Markenzeichen. Wir alle haben unterschiedliche Einflüsse, aber egal, ob es FAITH NO MORE, AT THE GATES, KATATONIA oder Adele sind – die Melodien sind wichtig, und die brauchen wir auch in unserer Musik.
Eure Band gibt es nun schon seit fast 30 Jahren – wenn du auf die Anfänge zurückblickst, was hat sich deiner Meinung nach am meisten und was am wenigsten verändert?
Ich denke schon, dass man kann eine Veränderung in unserer Musik hören kann, wenn man unsere Alben vom ersten bis zum letzten durchhört, und man wird sicher irgendwie erkennen, dass es eine natürliche Entwicklung war. Auf den ersten beiden Alben kann man meiner Meinung nach wirklich die jugendliche Freude am Spielen in einer Band hören, in der es keine Regeln gibt. Das Tempo geht manchmal rauf und runter, die Produktion ist nicht die beste, aber es ist unüberhörbar, dass wir Spaß beim Aufnehmen hatten. Ich glaube, damals haben wir irgendwie noch nach unserem Sound gesucht. Fred, unser Sänger, war ziemlich neu in der Band und wir kamen aus dem Stoner-Rock-Bereich. Seine Stimme ist vielleicht nicht für diese Art von Gesang geeignet, aber nachdem wir ein paar Jahre mit ihm gespielt hatten, fanden wir unseren Sound. Das hört man, wenn man „Into The Sewers“ und das Album nach „Banisher Of The Light“ vergleicht. Was hat sich am wenigsten verändert? Wir genießen immer noch die Gesellschaft der anderen und wir haben eine Demokratie in der Band, was sich meiner Meinung nach auch nie ändern wird. Andernfalls wäre es wohl höchste Zeit aufzuhören. Die Demokratie unter den Bandmitgliedern war uns grundsätzlich wichtig.
Ich hatte immer den Eindruck, dass Bands und Musiker in Schweden viel staatliche Unterstützung erhalten, was ihnen den Karrierestart erleichtert – war das bei euch auch so? Und wie sieht es 30 Jahre später aus?
Ja, du hast recht, und damit sprichst du ein Thema an, das mir sehr am Herzen liegt. In Schweden gibt es Organisationen, die sich mit nicht formaler Bildung beschäftigen. Diese Organisationen werden von unserer Regierung, unseren Regionen und unseren Städten finanziert, aber nicht von ihnen betrieben. Ich arbeite tatsächlich für eine dieser Organisationen, natürlich im Bereich Musik, und das schon seit langer Zeit. Diese Organisationen haben Proberäume in ganz Schweden und bieten Kurse für Instrumente, Workshops, Aufnahmestudios und vieles mehr an. Auch alle Jugendclubs hatten Proberäume, als wir jung waren. Man kann sich ein Instrument ausleihen, wenn man sich kein eigenes leisten kann, und Proberäume sind oft ziemlich günstig. Diese Organisationen organisieren auch Auftritte für junge Bands. In Schweden ist es also ziemlich einfach, sich zusammenzuschließen und eine Band zu gründen, man muss es einfach nur tun und bekommt viel Unterstützung. Ich glaube, das ist seit den frühen 1980er Jahren so. Man gründet einen sogenannten „Studienkreis“ und bekommt Unterstützung. Frag einen beliebigen schwedischen Musiker, ich wette, 90% von ihnen hatten irgendwann in ihrer Karriere einen Studienkreis. Wir haben am Anfang einen günstigen Proberaum ergattert, den haben wir immer noch. Das Studio für das erste Album war komplett kostenlos, wir haben uns Equipment ausgeliehen und selbst aufgenommen. Ja, wir haben viel Hilfe bekommen, wofür wir sehr dankbar sind. Aber seit wir vor einigen Jahren eine rechtsgerichtete Regierung bekommen haben, wurden die Mittel für all diese Studienorganisationen um 30% gekürzt, was dazu geführt hat, dass überall im Land Proberäume geschlossen werden und großartige, kompetente Menschen, die mit jungen Bands arbeiten, ihren Job verloren haben. Die Zukunft des „schwedischen Musikwunders“ sieht also eher düster aus. Nächstes Jahr finden Wahlen statt. Ich spreche selten über Politik im Zusammenhang mit der Band, aber ich hoffe wirklich, dass es einen Regierungswechsel gibt, schon um unserer jungen Musiker willen.
© by Fuze - Ausgabe #114 Oktober/November 2025 und Dennis Müller
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