© by Meridith OsifchinIm März erscheint auf Relapse Records „Better Living Through Static Vision“, das Debütalbum der Band aus Philadelphia, Pennsylvania. Im Vorfeld habe ich die Gelegenheit, mich mit George Hirsch über die Entstehung des Albums zu unterhalten.
Du hast fast drei Jahrzehnte Erfahrung in der Hardcore-Szene, besonders durch deine Arbeit mit BLACKLISTED und anderen Projekten. Wie hat sich das auf diesen neuen Release ausgewirkt?
Ich weiß jetzt besser, was ich mag, was ich genau vorhabe und was nicht. Musikalisch lerne ich immer noch jeden Tag dazu – es gibt ständig neue Musik, ich übe Gitarre, ich entdecke neue Dinge. Es ist ein fortlaufender Prozess.
Ich habe gelesen, dass die Lyrics durch Fahrten mit dem L-Train inspiriert wurden. Ich fand die Idee spannend – die „statische Vision“ auf der einen Seite und das „One-Way-Ticket für das Leben“ auf der anderen. Habe ich das richtig verstanden?
Ja, genau. Ich habe viel Zeit in den Zügen der Linie L verbracht, weil ich in deren Einzugsgebiet gelebt habe. Ich habe erst mit 30 meinen Führerschein gemacht, weil ich ihn einfach nicht brauchte – die Bahnlinie war direkt vor meiner Tür. Wenn man pendelt, hat man meistens Kopfhörer auf und konsumiert viel Musik.
Entspannst du dabei oder beobachtest du eher die Leute?
Für mich war die Bahn immer ein Weg nach draußen, eine Möglichkeit, meine Umgebung zu verlassen und meinen Radius auszudehnen. Ich habe Musik gehört, um andere Geräusche auszublenden. Außerdem war ich mit BLACKLISTED viel unterwegs – ob mit dem Flugzeug, Zug, Auto oder der Fähre. Ich habe den Großteil meines Lebens mit Reisen verbracht, immer mit Kopfhörern und Musik.
Ist es dir wichtiger, dass die Musik, die du schreibst, emotional verbindet, als dass sie einfach „moshbar“ ist?
Ja, absolut. Ich habe nie Musik gemacht, die nur fürs Moshen gedacht ist. Ich will eine emotionale Nähe herstellen. Ich sage nicht, dass moshbare Musik das nicht kann, aber für mich stehen die Texte im Mittelpunkt. Ich denke, es wird auch erwartet, dass sie auf einem höheren Niveau sind als bei den meisten Bands in diesem Bereich.
Ich finde, eure Texte sind ungewöhnlich klar verständlich. Ich konnte sie direkt beim Hören mitverfolgen, ohne ein Textblatt zu brauchen.
Ja, das ist mir auch wichtig. Ich könnte meine Stimme auch so verstellen, dass es unverständlich wird. Aber gerade bei Touren in Europa oder Japan haben mir Leute oft gesagt, dass sie meine Texte besser verstehen können als die vieler anderer Bands. Ich bin zwar kein großartiger Sänger, aber ich versuche, sie so gut wie möglich zu artikulieren.
Gibt es eine spezielle Textstelle auf dem neuen Album, die dir besonders am Herzen liegt?
Die Zeile dir mir am wichtigsten ist, stammt aus dem Song „Sullen me“: „Maybe I’m introverted, going on the bridges between, maybe I’m a deserter, nurturing fringerly.“ Das ist wahrscheinlich der Songtext, der mir am meisten bedeutet.
Schreibst du deine Texte unterwegs direkt auf oder merkst du sie dir?
Ich formuliere alles zunächst im Kopf. Erst wenn ich eine solide Idee habe, setze ich mich hin und bringe sie zu Papier. Ich sollte mir eigentlich mehr Notizen machen, weil ich auch viel vergesse. Aber ich denke, wenn eine Idee wichtig genug ist, um im Kopf zu bleiben, dann ist sie es auch wert.
Wie wichtig ist es für dich, dass das Album auf Vinyl erscheint? Ist es nur wegen der schwindenden Bedeutung von CDs oder hast du eine persönliche Verbindung zu dem Format?
Ich habe definitiv eine Verbindung zu Vinyl. Meine Eltern hatten Platten, und ich habe früh angefangen, mir selbst welche zu kaufen. Alle in der Band sammeln Schallplatten. Die CD kommt mir im Vergleich oft wie eine Verschwendung vor, auch wenn es natürlich immer noch Leute gibt, die sie kaufen. Aber Vinyl hat für mich einen höheren Stellenwert.
Ich finde auch, dass man eine Platte von Anfang bis Ende hören und nicht einfach skippen sollte wie auf Spotify.
Genau! Die Platten, die ich auf Vinyl besitze, bedeuten mir mehr und ich kenne sie besser. Und sie klingen auch einfach besser.
Gibt es schon Pläne für eine Tour oder für Festivals?
Nein, wir haben noch nichts geplant. Ich habe mit einer anderen Band gerade eine Platte aufgenommen und war damit beschäftigt. Aber wir werden sicherlich irgendwann live spielen, ich weiß nur noch nicht wann. Alle in der Band sind älter, es ist schwieriger, sich zusammenzufinden. Mir war es erst einmal wichtig, das Album zu machen. Dass Relapse es veröffentlicht, war ein Bonus, ursprünglich dachten wir, wir würden es selbst herausbringen.
Vielleicht spielt ihr mal ein Akustik-Set bei Creep Records in Philadelphia – sie machen ja ab und zu kleine Release-Shows.
Das wäre cool. Unser Bassist Dave hatte mit einer seiner ersten Bands einen Release auf Creep Records. Ich habe da sogar mal ein Akustik-Set mit Richie von UNDERDOG gespielt. Für mich geht es um das Musikmachen, nicht darum, eine „Band“ zu sein. Es erinnert mich an Ian MacKaye, der Leute fragte: „Willst du mit mir Musik machen? Aber ich will keine Band gründen.“ Genau so sehe ich das auch.
© by Fuze - Ausgabe #111 April/Mai 2025 und Sandra Monterey
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