© by Rob RouleauxTHIRD EGO wurden 2020 von Ex-Mitgliedern von BRAT PACK, NEED, HUMAN ALERT, NRA und SELFISH gegründet. 2022 erschien das selbstbetitelte Debüt, das mich mit seinem melodischen Midtempo-Punkrock sofort begeistert hat, zumal mich einfach alles interessiert, was mit den leider nicht mehr aktiven NRA zu tun hat. Das Quartett besteht aus Jean Morreau (voc), Jeroen Blom (gt), Rene ten Brink (bs) und Edwin van Voorbergen (dr). Das zweite Album ist bereits fertig aufgenommen und wird in Kürze veröffentlicht. Jean beantwortete meine Fragen.
Wie kam es zur Gründung von THIRD EGO?
Die Band kam zusammen, weil eine Gruppe von langjährigen Freunden, die getrennt voneinander schon in vielen Bands gespielt haben, gerne etwas Gemeinsames starten wollte. Anfangs sollte Gijs Wilbrink von TENEMENT KIDS und ZEROZEROZERO der Sänger werden. Soweit ich weiß, wollte er aber nicht mehr so viel auf der Bühne stehen. Als sie schließlich mich fragten, hatten Jeroen, Rene und Edwin schon einige Songs instrumental im Proberaum aufgenommen. Auf dieser Basis haben wir zusammen angefangen. Es hat sofort klick gemacht und hier sind wir. Gijs Wilbrink ist inzwischen übrigens zu einem erfolgreichen Autor geworden, dessen Roman „Tiere“ auch ins Deutsche übersetzt wurde.
Gab es einen Plan, als ihr die Band gegründet habt, wie ihr klingen wolltet? Oder hat sich euer Sound einfach so entwickelt?
Der Plan lautete erst mal schlicht gute Musik zu machen. Wir haben alle unsere Vergangenheit in verschiedenen Bands und sind erfahrene Musiker, was die Chance erhöht, dass zusammen etwas Gutes entsteht. Auch wenn das natürlich kein Selbstläufer ist. Wir ziehen unsere Einflüsse aus dem, was wir bisher an Musik gehört haben. Ich denke, dass die WIPERS, ALL und ROYAL HEADACHE die größten Einflüsse für unseren Sound sind. Oder zumindest auf das Grundgefühl unserer Musik. Aber wir haben nicht mit einem bestimmten Wunschsound im Hinterkopf angefangen. Mit unserem ganzen Punkrock-Background ist es eben so gekommen, wie es ist.
Wie entstehen die Songs bei euch?
Drei Songs waren wie gesagt schon als instrumentale Versionen fertig, als ich zur Band stieß. Ich habe zudem einen großen Vorrat an Songs, die ich über die Jahre geschrieben habe, so dass wir davon etwas übernommen haben. Jeroen und ich schreiben auch zusammen Stücke im Proberaum. Ich hatte auch ein paar Songfragmente auf Lager. Hauptsächlich Refrain-Ideen, die ich ziemlich gelungen fand, zu denen mir aber keine angemessenen Strophen eingefallen sind. Als ich da mit Jeroen drangegangen bin, waren die Tracks praktisch in zehn Minuten fertig. Auf dem kommenden zweiten Album stammen die meisten Titel aus meinem Fundus oder ich habe sie ganz neu geschrieben. Wir nehmen uns relativ viel Zeit, um die Sachen in Form zu bringen und zu echten THIRD EGO-Songs zu machen. Wir betreiben beim Songwriting also viel Finetuning, bis wir zufrieden sind. Klingt vielleicht nicht so, aber wir machen das wirklich, haha.
Lebt ihr alle direkt in Amsterdam und probt dort auch?
Ein paar von uns leben außerhalb der Stadt, aber unser Proberaum ist im Herzen des Vondelparks in der Vondelbrücke. Ein toller Ort. Manchmal hörst du die Straßenbahn oben drüber fahren. Es hat seinen Charme, so in der Stadt eingekapselt zu sein, haha.
Und was macht ihr beruflich?
Wir arbeiten alle für Tech-Unternehmen. Ich bin bei einem Startup namens FXR beschäftigt, wo wir eine Technologie entwickelt haben, um Daten aus Musiklizenzabrechnungen zu harmonisieren und auf dieser Basis weitere Finanzanalysen durchzuführen. So können wir Unstimmigkeiten und entgangene Einnahmen entdecken. Außerdem bin ich Miteigentümer der Amsterdam Recording Company, einem Tonstudio, in dem ich auch als Techniker tätig bin.
Dann habt ihr das Album in deinem eigenen Studio aufgenommen?
Ja, mit mir als Studioboss haben wir da natürlich gute Möglichkeiten. Wir haben dort einen tollen Raum und eine gute Auswahl an Mikrofonen. Menno Bakker ist unser Produzent, weil sein Gehör und sein Aufnahmeverfahren unschlagbar sind. So können wir uns mehr auf das Spielen konzentrieren und müssen uns nicht so sehr um die technischen Aspekte kümmern. Menno hat auch einige Songs neu arrangiert, vor allem auf der ersten Platte. Als wir die aufgenommen haben, hatten wir noch nie live gespielt, wegen der Corona-Pandemie. Für das neue Album haben wir versucht, so zu klingen wie live. Bevor wir ins Studio gegangen sind, haben wir deswegen ein paar Shows mit allen neuen Songs gespielt. Einfach, um besser in das Live-Feeling reinzukommen.
Ich habe deinen Namen mal im Booklet der ALL-CD „Breaking Things“ gelesen. Da wurdest du als „Europe Equipment Master“ bezeichnet. Machst du das immer noch, wenn ALL oder DESCENDENTS in Europa touren?
Zu der Zeit, in den 1990ern, hatten ALL ihre Backline, also Drumkit, Bass- und Gitarrenboxen, bei mir zu Hause gelagert. Sie haben das Equipment abgeholt, wenn sie in Europa auf Tour gegangen sind oder haben es verliehen an andere Bands wie DOUGHBOYS und SKIN YARD. Die Sachen waren komplett grau, wie zu Zeiten von BLACK FLAG, bei denen ja der ALL-Drummer Bill Stevenson früher gespielt hat. Ich glaube, das Drumkit war sogar noch das, das er bei BLACK FLAG benutzt hat. Auch ein Koffer war dabei, der gefüllt war mit sehr dicken, schweren Drumsticks. Ich glaube, wir haben das bis etwa 1995 so gemacht. Manchmal bin ich mitgefahren auf ihren Europatouren und sie haben bei mir zu Hause gewohnt, wenn sie ein paar Tage frei hatten. Heute halten wir immer noch Kontakt und sehen uns, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Das sind Freunde fürs Leben.
Wie kam es zu dieser ALL-Connection?
Also das war kein wirklicher Job oder so. Ende der 1980er waren die Platten des US-Labels SST Records in Europa eine Zeit lang schwer zu bekommen. Von den DESCENDENTS, die auch damals bei SST veröffentlicht haben, hatte ich nur das Album „All“. Keine ihrer anderen Platten waren in den Läden zu finden. Ich habe dann direkt an die Band geschrieben, um zu fragen, ob ich direkt bei ihnen bestellen könnte. Und Bill hat mir geantwortet. Er schrieb, dass aus DESCENDENTS nun ALL geworden seien. Als sie nach Europa kamen, habe ich sie in Amsterdam getroffen. Nach der Tour rief mich Bill an und fragte, ob er mir Geld schicken könnte, damit ich eine Backline für Europa für sie kaufen kann. Ich sagte ihm, dass Equipment in den USA viel billiger sein. Also flogen sie ihre Sachen einmal nach Europa ein und haben sie dann bei mir gelassen. Inzwischen gibt es viele Firmen, bei denen du Tour-Equipment mieten kannst, aber damals war das sehr teuer und keine Option für kleinere Bands. Es war also ziemlich schlau von ALL, in Europa dauerhaft Equipment zu deponieren.
Okay, dann muss ich aber auch wissen, welche für dich die beste ALL-Platte ist. Für mich sind es „Allroy For Prez“ und „Percolator“.
Schwierige Frage, haha. Aber ich sage „Problematic“. Wegen der Songs „Lock ’em away“, „Crucifiction“ und „The skin“, die alle unglaublich gut sind. Das von dir vorhin erwähnte Album „Breaking Things“ ist zwar nicht mein Favorit, war aber für mich emotional eine Zeit lang etwas Besonders. Als der zweite ALL-Sänger Scott Reynolds die Band 1993 verlassen hatte, haben Bill und ich kurz mal darüber gesprochen, ob ich bei ALL singen könnte. Auch wenn er sich etwas Sorgen machte, dass mein Gesang zu niederländisch klingen könnte, haha. Da ich mich mit den Bandmitgliedern gut verstanden habe und wir denselben Musikgeschmack hatten, erschien das aber als eine Option. Bill und Stephen Egerton haben ja auch das erste NRA-Album „Is This For Real?“ produziert, wo ich bei einem Song den Leadgesang übernommen hatte, was Bill wohl gut gefallen hat. Als er mir aber später mal die Demos vorspielte, die sie in der Zwischenzeit mit Chad Price gemacht hatten, war auch für mich klar, dass sie damit den Richtigen gefunden hatten. Und Chad ist ja der neue ALL-Sänger geworden. Aber damals, als ich das erste Mal das fertige „Breaking Things“-Album mit Chad gehört habe, war das für mich eben eine Konfrontation mit dem, was hätte sein können. Die waren ja immer noch meine Lieblingsband.
Zurück zu deiner eigenen Band: Was sind die nächsten Pläne für THIRD EGO?
Wir sind nicht besonders stark im Planen. Wir sind aktuell beispielsweise noch nicht sicher, welches Label die neue Platte veröffentlichen wird. Auch wenn wir bei Live-Shows immer gutes Feedback bekommen, kann man jetzt noch nicht sagen, dass wir besonders bekannt oder beliebt sind. Wir buchen unsere Shows ja selbst, haben uns bislang aber noch nicht um Deutschland gekümmert. Wir sind da offen für Vorschläge!
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