TUMULT SOUNDSTUDIO

Foto© by Privat

Ein bisschen wie auf Klassenfahrt

Volker ist der Gitarrist meiner Band DIE SCHWARZEN SCHAFE, seit einer Weile spielt er außerdem bei THE VAGEENAS. Mittlerweile kann er auf weit mehr als 500 Shows zurückblicken. Um Konzerte anderer Bands kümmert er sich dagegen als Live-Mischer im AK47 in Düsseldorf, und ist mitverantwortlich dafür, dass der legendäre kleine Punk-Club auf der Kiefernstraße über einen so exzellenten Live-Sound verfügt. Um guten Klang geht es Volker auch im eigenen Tumult Soundstudio, dem ich zum Beispiel das Mastering der Vinyl-Produktionen für mein Label Campary Records anvertraue.

Volker, du bist Teil der Konzertgruppe des AK47, was machst du da?

Die Konzerte im AK47 werden veranstaltet von einem Verein namens Letzte Hoffnung Punkrock e.V. Wenn du so willst, ist das die aktuelle Konzertgruppe. Ich bin Teil des Technikteams und kümmere mich mit zwei anderen um den Live-Sound. Außerdem halten wir die Anlage in Schuss und klären mit den Bands Fragen zur Technik und zur Backline ab.

Letzte Hoffnung Punkrock e.V. wurde 2024 gegründet. Was hat sich dadurch für euch verändert?
Man kann wohl sagen, dass uns die Vereinsgründung den Arsch gerettet hat. Wir waren plötzlich in der Situation, Miete zahlen zu müssen, und zwar nicht zu wenig, was vorher aus verschiedenen Gründen nicht der Fall war. Aber jetzt war das alternativlos, mit dem AK47 wäre es sonst vorbei gewesen. Also haben wir begonnen, mit der städtischen Wohnungsgesellschaft Düsseldorf zu verhandelt, was ziemlich anstrengend war und Nerven gekostet hat. Die saßen mit uns im AK47 und haben klar gemacht, dass es ernst ist. Am Ende konnten wir uns auf einen Mietvertrag einigen. Aber es gab ja niemanden, der den Laden alleine mieten konnte. Zu dem Zweck wurde dann der Verein gegründet. Das Team hat sich in kürzester Zeit ins Vereinsrecht einarbeiten müssen. Das war unglaublich viel Arbeit. Dabei war natürlich überhaupt nicht klar, ob das alles aufgeht oder mit wie vielen Mitgliedern wir rechnen können. Wir haben einfach gehofft, dass genügend Leute zusammenkommen, die einen Mitgliedsbeitrag bezahlen; wir hatten auch einfach keine Zeit, da vorher große Umfragen zu starten. Am Ende hat es sehr gut funktioniert und wir waren wirklich überwältigt von der Resonanz der Leute. So große finanzielle und auch emotionale Unterstützung zu erfahren, bedeutet uns wirklich sehr viel. Die Punk-Szene ist einfach großartig!

Du betreibst in Düsseldorf das Tumult Soundstudio. Was machst du da alles?
Ich mische und mastere dort Songs. Bands schicken mir ihre Aufnahmen und ich mische die dann ab. Als Band selbst Aufnahmen zu machen, geht ja heutzutage ziemlich einfach. Aber wenn es ans Abmischen von 20, 30 oder mehr Spuren geht, stoßen viele logischerweise an ihre Grenzen, ganz klar. Und da komme ich ins Spiel und kümmere mich um den Mix, natürlich immer gemeinsam mit der Band. Am Ende geht es darum, dass es so gut wie möglich klingt und die Band sich zu 100% im Sound wiederfindet. Und ich selber will ja auch zufrieden sein, wenn der Song veröffentlicht wird. Alles andere ergibt keinen Sinn. Die Bands, die ihre Songs selber abmischen können, schicken mir ihre fertigen Tracks dann zum Mastern. Das ist quasi der finale Schliff und macht den Sound noch mal druckvoller, ausgewogener und auch lauter. Außerdem werden die Songs beim Mastering technisch für die Veröffentlichung vorbereitet. Für Spotify sind das zum Beispiel andere technische Voraussetzungen als für eine Vinyl-Produktion. Ach so, es ist natürlich auch möglich, bei mir aufzunehmen, das passiert allerdings immer seltener.

Wie siehst du im Zuge der Entwicklung von KI und ähnlichen Dingen, die Zukunft eines Studios? Was spricht dafür, dass man weiter als Band ins Studio geht, anstelle dem Anfertigen von eigenen Aufnahmen im Proberaum?
Gute Frage. Ich glaube, dass KI auch die Studiolandschaft völlig verändern wird, beziehungsweise ist das bereits in vollem Gange. KI-Mixing und -Mastering gibt es bereits und das wird sicher immer besser. Der Punkt ist aber, dass ich weiß, wie Punk und Hardcore klingt, und mit den Bands entsprechend kommunizieren kann. Und wenn mir zum Beispiel der Schlagzeuger so Beatbox-mäßig vormacht, wie sich Snare und Bassdrum anhören sollen, oder die Gitarristin mir ihr Solo vorsingt, dann kann ich was damit anfangen und wir finden den richtigen Ton. Über den Sound von Musik zu reden, ist gar nicht so einfach. Eine KI kann das noch nicht. Sich selber aufzunehmen, ist für Bands heutzutage sicher eine gute Möglichkeit, um Geld zu sparen. Aber vor allem beim Schlagzeug und auch beim Gesang ist das gar nicht so leicht. Und mal ehrlich, es hat doch auch was, als Band zusammen in ein professionelles Tonstudio zu gehen. Man hat viel Zeit und Energie in die eigenen Songs gesteckt und dann ist es doch schon was Besonderes, die jetzt mal festzuhalten. Im Studio kann sich jede:r auf das eigene Instrument konzentrieren. Die Aufnahme übernimmt jemand anders und das sollte halt jemand sein, der oder die weiß, worum es bei Punk und Hardcore geht und die Szene kennt. Es ist doch so, als Band gibt man so viel Kohle für Equipment, Proberaum und Fahrtkosten aus und investiert auch viel Zeit in die eigene Musik. Dann am Ende nur auf das Geld zu gucken, um so billig wie möglich ein paar Songs rauszuhauen, wird dem doch gar nicht gerecht.

Du machst ja auch seit Jahren selber Musik und spielst Gitarre bei DIE SCHWARZEN SCHAFE und THE VAGEENAS. Wie schaffst du es, dies mit dem AK47, dem Studio und deinem Privatleben zu koordinieren?
Häufig ist das schon ziemlich anstrengend. Ich bin zum absoluten Frühaufsteher geworden, das hat geholfen. Morgens funktioniert mein Gehör auch am besten und ich kann super an Songs arbeiten. Anschließend kümmere ich mich um nervigere Sachen wie etwa Buchhaltung oder so. Aber so was wie Touren mit DIE SCHWARZEN SCHAFE oder VAGEENAS oder mit anderen Bands an ihren Aufnahmen zu arbeiten, ist ja an sich genau mein Ding – also positiver Stress.

Mit DIE SCHWARZEN SCHAFE ist ja Ende 2025 Schluss – wird dir da was fehlen oder bist du froh, endlich etwas mehr Zeit zu haben für andere Dinge?
Da wird mir auf jeden Fall so einiges fehlen. Was ich mit den Schafen in fast 20 Jahren alles erleben durfte, empfinde ich als Privileg. Ich meine, es gab Konzerte überall in Deutschland sowie in zehn europäischen Ländern, dazu bisher drei Touren in Argentinien und vielleicht ja noch mal eine vierte im November. Welche Band kann so etwas schon machen? Klar bleibt dann bald mehr Zeit für andere Dinge, und ich freue mich sicher auch über mehr freie Wochenenden, die ich mit meiner Freundin verbringen kann – oder mal zu einer Geburtstagsparty gehen. Auf jeden Fall werde ich damit nicht aus der Szene verschwinden, dafür liebe ich diesen ganzen Punk-Zirkus zu sehr. Mit den VAGEENAS geht es ja auch weiter.

Wie lange bist du jetzt bei DIE SCHWARZEN SCHAFE und bei THE VAGEENAS? Gab es besondere Momente, die dir in besonders guter oder schlechter Erinnerung geblieben sind?
Bei DIE SCHWARZEN SCHAFE spiele ich seit 2006, bei VAGEENAS seit 2016. Mit beiden Bands gab es extrem viele tolle und abgefahrene Erlebnisse. Bei den Schafen sind das zum Beispiel die Konzerte in Argentinien. Was wir dort erlebt haben, also damit habe ich nicht gerechnet. So eine Stimmung gibt es hier bei Punk-Konzerten gar nicht. Bei den Konzerten in Deutschland finde ich die Bandbreite so toll, erst vor kurzem haben wir in einer Berufsschule in einem Klassenzimmer gespielt, im Dezember geht’s wieder ins SO36 nach Berlin. Bei den VAGEENAS fällt mir spontan das Rebellion Festival in Blackpool ein, wo wir letztens zu Gast waren. Was war das abgefahren, eine Stadt voller Punks und Skins! Da als Band dabei sein und hinter die Kulissen blicken zu können, das ist schon was Besonderes. Mit Tourerlebnissen ist es ja irgendwie so wie mit Urlaubserinnerungen: Für Leute, die nicht dabei waren, sind die eigentlich langweilig – man selber aber zehrt davon. Mit diesen beiden Bands unterwegs zu sein, war im Grunde immer lustig, ein bisschen wie auf Klassenfahrt. Die nervigen Sachen fallen am Ende nicht ins Gewicht, die hat man sowieso direkt wieder vergessen.

Hast du noch bestimmte Ziele? Oder lässt du die Dinge auf dich zukommen?
Gerade lasse ich eher einfach alles auf mich zukommen. Ich hoffe eben, dass die Welt noch mal die Kurve kriegt. Und ich bin überzeugt davon, dass Punkrock und Gegenkultur einen wichtigen Teil dazu beitragen.

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