© by Daniel ClaudinIn unserem Gespräch erzählt UNDEROATH-Sänger Spencer Chamberlain, wie das neue Album „The Place After This One“ entstand, wie es der Band gelang, die Balance zwischen alt und neu zu halten, und was eine Hütte im Wald mit all dem zu tun hat.
The Place After This One“ lässt es mächtig krachen. Das neue UNDEROATH-Album steckt voller Ideen und Abwechslung. Beim Entstehungsprozess setzte die Band vor allem auf eines: Isolation. Sänger Spencer erzählt mir, wie es dazu kam:
„Ja, also der Aufnahme- und Schreibprozess. Wir haben eine Hütte mitten im Wald in den Blue Ridge Mountains gemietet, abseits vom gewohnten Komfort der normalen Welt. Dort war nicht viel los, also gab es kaum Ablenkung. Wir hatten ein großes Haus, in dem wir alle gemeinsam gewohnt und aufgenommen haben. Wir waren also komplett isoliert dort. Wir sind insgesamt dreimal hingefahren, um zu schreiben. Dann haben wir das gesamte Aufnahmeequipment aus all unseren Studios zusammengebracht. Unser Produzent kam ebenfalls und wir haben das ganze Album in demselben Haus aufgenommen, in dem wir es auch geschrieben haben. Über das letzte Jahr hinweg haben wir das in drei verschiedenen Phasen gemacht. Beim letzten Aufenthalt haben wir alles auf einmal fertiggestellt. Das war aufregend, weil wir durch den Produzenten mehr Fokus auf unsere Instrumente legen konnten, anstatt uns mit Aufnahme, Bearbeitung, Mikrofonplatzierung und dem perfekten Take zu beschäftigen. Wenn man sich gleichzeitig selbst produziert und die Musik aufnimmt, ist die Aufmerksamkeit auf viele verschiedene Dinge verteilt. Diesmal konnten wir einfach nur die Band sein, während jemand anderes alles eingefangen hat.“
Um sich nicht zu sehr zu wiederholen, setzen UNDEROATH auf frisches Blut. Spencer erzählt:
„Unser Produzent ist ein jüngerer Typ, der schon ewig ein Fan von uns ist. Früher haben wir mit erfahreneren Produzenten gearbeitet, von denen wir viel gelernt haben. Aber manchmal kann es genauso wertvoll sein, jemanden zu haben, der unsere Art zu arbeiten auf eine neue Weise interpretiert. Er ist ein guter Freund von uns, aber auch extrem leidenschaftlich in Bezug auf die Band und wollte sicherstellen, dass unser Markenkern erhalten bleibt, wenn sein Name schon auf dem Album steht. Es war einfach eine coole Erfahrung und hat uns wirklich Spaß gemacht. Ich denke, das spiegelt sich auch im Ergebnis wider. Es steckt viel Energie drin, die wir mit einem anderen Ansatz vielleicht nicht eingefangen hätten. Außerdem befinden wir uns als Band in einer guten, produktiven Phase.“
Und was hat die Isolation in der Hütte zum Album beigetragen?
„Das war das erste Mal, dass wir es so gemacht haben. Früher haben wir unsere Alben an anderen Orten aufgenommen, zum Beispiel ‚Voyeurist‘ bei uns in Tampa, wo wir herkommen. Da konnte jeder abends nach Hause gehen und morgens bei seiner Familie aufwachen. Das kann schön sein, aber es kann auch ablenken. Diesmal war es das erste Mal seit langer Zeit, dass wir wirklich weggefahren sind, um ein Album zu machen. Es gab nicht mal eine Bar oder etwas dergleichen, wo man sich hätte zerstreuen können. Es gab nur ein Café und ein paar Restaurants, aber die lagen 20 Minuten den Berg runter. Also konnten wir nicht einfach mal kurz irgendwo hingehen. Wir haben all unsere Mahlzeiten selbst gekocht – die Küche war im selben Raum, in dem wir die Drums aufgenommen und die Gitarren und Vocals getrackt haben. Es war ein großer, offener Bereich, in dem wir zusammen aufgewacht sind, gefrühstückt haben und dann direkt losgelegt haben. Jetzt, da ich zurückblicke, finde ich es schön, wie sehr diese Hütte zu unserem Prozess beigetragen hat. Es war wieder wie in früheren Zeiten erinnert, als wir kein Geld hatten, um Alben zu machen. Als wir ‚They’re Only Chasing Safety‘ aufgenommen haben, haben wir auf dem Boden des Hauses geschlafen, in dem unser Produzent wohnte. Wir haben jede Mahlzeit in seiner Küche gekocht, weil wir kein Geld hatten. Jetzt, 20 Jahre später, beginnt ein neues Kapitel für uns als Band, und diese Art aufnehmen fühlt sich wie ein perfekter Start an. Wir waren wieder zusammen, hatten keine getrennte Hotelzimmer. Es war anders als alles, was wir in den letzten Jahren gemacht haben.“
Habt ihr beschlossen, das für das nächste Album zu wiederholen?
„Vielleicht, wer weiß? Wir ändern die Dinge immer wieder, also keine Ahnung. Aber ich würde es gerne noch mal so machen.“ Und was das Schreiben angeht – experimentiert ihr nach all den Jahren noch? „Oh ja, absolut. Dieses Album enthält viele Elemente, die uns früher nie eingefallen wären. Es gibt Sachen auf diesem Album, die ich schon lange mall ausprobieren wollte, aber nie den Mut dazu hatte.“ Kannst du ein Beispiel nennen? „Ja, Songs wie ‚All the love is gone‘ oder ‚Teeth‘. Ich wollte immer dieses unheimliche, kaputte Gefühl von früher einfangen – dieses ‚Was zum Teufel höre ich da gerade?‘ Es hat mich an die frühen SLIPKNOT- oder LINKIN-PARK-Sachen erinnert oder an THE PRODIGY. Früher habe ich oft gedacht: Das klingt cool, aber das sind nicht wir.“ Aber diesmal haben wir uns gesagt: Scheiß drauf, lasst es uns einfach ausprobieren. Ich denke, ‚heavy‘ muss nicht nur Schreien und Breakdowns bedeuten. Es kann auch in den Lyrics, den Melodien oder in der Stimmung liegen. Für mich geht es darum, ein unberechenbare, chaotische Atmosphäre zu erzeugen – fast so wie in einem Horrorfilm.“
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