VAL SINESTRA

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Persönlich politisch

Ende November erscheint mit „Zerlegung“ das zweite Album der Berliner Band. Sänger Chris und Bassist Max sprechen im Interview über die persönlichen Bezüge und politische Direktheit ihrer Texte.

Mit „Zerlegung“ erscheint bald euer zweites Album. Worin liegen die Unterschiede zu eurem Debüt?

Max: Ein neuer Schlagzeuger. Das ist auf jeden Fall ein ganz großer Unterschied, sowohl beim Songwriting-Prozess als auch bei den Aufnahmen als solchen, wie bei allem, was danach kam.
Chris: Ich würde auch sagen, dass die Songs ein bisschen straighter sind, aber prinzipiell ist es immer noch der gleiche VAL SINESTRA-Sound. Was auch damit zusammenhängt, dass wir noch mal mit dem gleichen Produzenten zusammengearbeitet haben.

Und hat euer neuer Schlagzeuger auch dazu beigetragen?
Max: Ich weiß nicht, ob Jan direkt dazu beigetragen hat. Aber auf jeden Fall hat er das Vorgehen beim Songwriting beeinflusst. Bei der ersten Platte entstand viel durch Jam-Geschichten zwischen mir und unserem alten Schlagzeuger und jetzt habe ich mir doch ein paar mal mehr Gedanken darüber gemacht: Was passiert da eigentlich?

Worum geht es auf dem Album textlich?
Chris: In „Schatten“, das jetzt schon rauskam, da geht es ein bisschen um Selbstfindung und Neuorientierung. Bei mir war es zum Beispiel so, dass ich vor anderthalb Jahren die Branche gewechselt habe und nach zehn Jahren in der Musikindustrie entschieden habe, ich möchte da nicht mehr arbeiten. Und diese Situationen passieren einfach immer wieder im Leben. Nicht nur in meinem eigenen Leben, sondern auch ganz oft bei Freunden, dass man sich umorientieren muss. Sei es beruflich oder in der Liebe. Veränderungen passieren die ganze Zeit und man muss sich immer irgendwie auf neue Situationen einstellen und darum geht es in dem Song.
Max: Uns wurde so ein bisschen vorgeworfen: Ihr erzählt ja eigentlich gute Sachen, aber irgendwie so nicht auf den Punkt. Und das war hier der Hintergrund zu sagen: Okay, wenn ihr es so braucht, dann machen wir es jetzt einfach mal ein bisschen direkter.

Würdet ihr euch als politische Band bezeichnen?
Max: Ja, definitiv. Wir sind jetzt nicht die Fraktion RADIO HAVANNA oder ANTI-FLAG. Es gibt einfach Bands, die können das wunderbar, so eine Message nach außen zu tragen. Die hauen ein Wort raus und die ganze Halle tobt mit und schwingt Fahnen. Das sind wir definitiv nicht. Aber wir sind ganz klar schon eine politische Band. Eher jetzt im Sinne von kritisch, weil wir ein paar Sachen vielleicht etwas anders ansprechen.
Chris: Persönlicher vielleicht.
Max: Auf jeden Fall sind wir keine unpolitische Band. Wir haben alle eine feste Haltung und ich denke, wer sich länger als vier Minuten mit uns beschäftigt, kriegt das auch mit.

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Der Fuze-Podcast
Das ganze zwanzigminütige Interview mit der Band gibt es ab Anfang Dezember im FuzeCast bei Apple Music, Spotify und Co. zum Nachhören!