© by Manu HankeWeiter geht’s mit unserer Serie über Vereine und private Organisationen, die wertvolle ehrenamtliche Arbeit leisten und einen Bezug zu Punk- und Hardcore haben. Teil 15 führt uns nach Solingen, wo auch die Ox-Redaktion ihren Sitz hat. Dort gibt es einen Verein namens Waldmeister e.V. – eine Gruppe von Ehrenamtlichen, die seit 2007 Konzerte und kleine Festivals organisiert – im eigenen Club. Erst vor zwei Jahren wurde der Verein von der damaligen Kulturstaatsministerin Claudia Roth mit dem Applaus-Award für die besten Livemusikstätten ausgezeichnet. Höchste Zeit, dass wir uns mal mit diesem kleinen, aber feinen Verein beschäftigen. Dominik Singer, seit 2009 aktives Vereinsmitglied und aktuell auch im Beisitz des Vorstands, beantwortet unsere Fragen.
Bitte erzähl uns, wie, wo, wann und warum es zur Gründung eurer Organisation kam.
Der Waldmeister, manche sagen auch das Waldmeister, ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, „Raum für Kultur“ und nicht-kommerzieller Veranstaltungsort in Solingen-Wald, NRW. Um unser Mission-Statement zu zitieren: „Solingen ist kulturelles Brachland. Brachland ist aber in erster Linie ein Bereich ungenutzter Möglichkeiten. Wir glauben, dass in einer Provinzstadt wie Solingen Subkultur am besten bestehen kann, wenn man sie selbst organisiert und unabhängig von Geldgebern bleibt. Wenn nichts geht, muss man eben selbst dafür sorgen, dass was geht!“ Mit diesem Gedanken ist 2007 der Verein gegründet worden.
Wer waren damals die Ideengeber:innen und „Köpfe“, wer ist es heute?
Inspiriert von der damaligen Brause in Düsseldorf wollten die Gründungsmitglieder um Jens Stuhldreier aka Jenz Bumper – DIRTSHAKES, JET BUMPERS, EMBRYONICS – einen Ort schaffen, wo sie unabhängig von diversen Jugendzentren, Kneipen oder dem soziokulturellen Zentrum Cobra eigene Subkultur veranstalten können. Geführt wird der Verein vom Vorstand, der Stand Juni 2025 aus Felix, dem Vorsitzenden, Benni, dem stellvertretenden Vorsitzenden, Ina, der Schriftführerin, und Alex, dem Kassenwart besteht. Ich bin zusammen mit Lara, Leon und Phil Teil des Beisitzes. Allerdings können sich alle Mitglieder am Waldmeister-Programm beteiligen und ihre eigenen Ideen umsetzen. Alle zwei Wochen findet eine Vorstandssitzung statt, zu der alle Mitglieder eingeladen sind. Dort werden unter anderem die vergangenen und kommenden Veranstaltungen besprochen, Termine vergeben, über weitere Anschaffungen diskutiert und das eine oder andere Kaltgetränk getrunken.
Was ist die Geschichte zu eurem Namen?
Der Verein und Club wurden im Stadtteil Wald gegründet und unser Programm ist meisterhaft.
Welche Ziele habt ihr euch gesetzt? Was wollt ihr erreichen?
Wir haben uns eine Struktur geschaffen, die sich durch Mitgliedsbeiträge selbst finanziert und durch das Vereinskonzept, jährliche Vorstandswahlen und ehrenamtliche Hilfe der Mitglieder organisiert. Der Waldmeister ist ein kulturelles Selbstversorgungsamt und eine Behaglichkeitszone für Kunst- und Kulturenthusiast:innen, die in einer familiären Atmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung Veranstaltungen und Aktivitäten im DIY-Prinzip durchführen. Unser Raum ist nicht mietbar. Um hier etwas zu veranstalten, musst du Mitglied sein.
Welche wichtigen Aktionen und Erfolge gab es in der jüngeren Vergangenheit?
Grundsätzlich ist jede Veranstaltung wichtig, um wenigstens ein paar Stunden dem langweiligen Alltag zu entkommen. 2023 hatten wir uns auf den Applaus-Award der Initiative Musik beworben und wurden – neben weiteren Club in ganz Deutschland – als eine der besten Livemusikspielstätten ausgezeichnet und gewannen ein Preisgeld in Höhe von 30.000 Euro. Teile davon flossen in Reparaturen und neue Technik oder wurden für schlechte Zeiten beiseitegelegt. 2024 haben wir erstmals gemeinsam mit dem Cow Club e.V. – einem weiteren gemeinnützigen Kulturverein in Solingen – eine Bühne beim Dürpelfest bespielt. Das ist ein dreitägiges, kostenloses Stadtteilfest in der Fußgängerzone von Solingen-Ohligs mit zahlreichen Bühnen, das in der Regel im Mai stattfindet. Dort konnten wir uns auch mal außerhalb unserer eigenen Räumlichkeiten präsentieren und ein hoffentlich cooleres und alternatives Programm als die restlichen Bühnen bieten. 2025 waren wir wieder dabei.
Mit welchen Risiken ist euer Engagement verbunden? Seid ihr Anfeindungen ausgesetzt, werdet ihr kriminalisiert?
Der Verein bezieht ganz klar Stellung gegen jede Form von Gewalt, Intoleranz, Ungleichheit und Diskriminierung, also zum Beispiel Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Faschismus, Totalitarismus, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit und Antisemitismus. Bisher sind wir zum Glück von größeren Anfeindungen verschont geblieben.
Wie viele ehrenamtliche und hauptberufliche Mitarbeitende habt ihr?
Alle Vereinsmitglieder helfen ehrenamtlich und in ihrer Freizeit im Waldmeister mit. Niemand arbeitet hier, niemand verdient Geld. Und das ist vollkommen in Ordnung.
Wo findet man euch?
Unser „Raum für Kultur“ befindet sich im Solinger Stadtteil Wald. Vom Solinger Hauptbahnhof schnell und einfach zu erreichen mit einem Linienbus. Der braucht ca. 15 Minuten. Bis nach Mitternacht fährt auch ein Nachtbus. Die Anbindung nach Wuppertal, Düsseldorf und Köln ist super. Ein Besuch der „großen kleinen Stadt“, so ein Zitat der lokalen Band KONTROLLE, lohnt sich also auch für Menschen aus dem Umkreis.
Wie viele Mitglieder beziehungsweise Unterstützer:innen habt ihr? Beschreib doch mal die „typischen“ Unterstützer:innen.
Wir haben aktuell um die 300 Mitglieder. Viele davon sind stille Unterstützer:innen, die das Ding an sich supporten wollen, vielleicht sogar schon weggezogen sind und gar keinen „Nutzen“ mehr vom Waldmeister haben, aber trotzdem ihre Mitgliedschaft weiterlaufen lassen. Der „harte Kern“, der regelmäßig veranstaltet und/oder bei Veranstaltungen mithilft, sind um die 50 Leute.
Welche konkrete Arbeit leistet eure Organisation? Also was genau macht ihr?
Als nicht-kommerzieller Veranstaltungsort veranstalten die Vereinsmitglieder alles, worauf sie Lust haben: Konzerte aller möglichen Genres, Partys, Lesungen, Comedy, Barabende, Brettspielabende, Reparaturcafés, Fahrrad-Workshops, Kunstausstellungen, Videodrehs ... In erster Linie veranstalten wir „für uns selbst“, aber natürlich sind auch Besucher:innen willkommen und nötig, die keine Mitglieder sind.
Wofür verwendet ihr das Geld, das euch gespendet wird? Und habt ihr so was wie ein Spendensiegel oder wie wird gewährleistet, dass mit den Spenden satzungsgemäß umgegangen wird?
Der Verein lebt hauptsächlich von den Mitgliedsbeiträgen. Eintrittseinnahmen bei Veranstaltungen fließen in der Regel direkt wieder in die Finanzierung der jeweiligen Veranstaltung. Spenden darüber hinaus halten ebenfalls den Verein und den Veranstaltungsort am Leben. Auf Wunsch stellen wir eine Spendenbescheinigung aus.
Wie kann man euch unterstützen? Nur mit einer Spende oder auch mit aktiver Mitarbeit?
Der Mitgliedsbeitrag beträgt seit Vereinsgründung 5 Euro im Monat. Wer möchte, kann auch mehr zahlen. Mitglieder erhalten kostenlosen Eintritt zu unseren Veranstaltungen und können das Programm mitgestalten.
Disclaimer: Dominik Singer ist auch Ox-Autor und für die Social Media-Aktivitäten des Ox mitverantwortlich.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Wolfram Hanke