WÖRMWOOD SCRUBS

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Perfektion langweilt!

Vom Bodensee stammt ein Quintett, das den Punkrock in seinen Songs geradezu verehrt. Legendäre Orte in England sind da ein großes Thema und auch ihre Helden sind unschwer herauszuhören, darunter TOY DOLLS oder THE ADICTS ... Die Jungs haben die Fähigkeit, gute Songs zu schreiben, die im Gedächtnis bleiben. Ich sprach mit Sänger Marco über sein weitreichendes Verhältnis zur Punkmusik.

Ich bin euch sofort auf den Leim gegangen bezüglich eures Bandnamens. Denn das bekannte Gefängnis ist ja gar nicht gemeint damit ...

Der gleichnamige Londoner Park liegt direkt neben dem berühmten Wormwood Scrubs-Gefängnis, in dem auch schon Keith Richards von den ROLLING STONES einsaß. Es gab dort auf der Grünfläche auch einen Zeltplatz , auf dem ich unzähligen Nächte verbracht habe, denn Kohle war knapp und der Zeltplatz billig. Gepennt haben wir in der Zeit aber nicht wirklich viel.

Konstanz, Bodensee, Ruhe und Idylle. Geht es euch da ein wenig so wie einst PASCOW? Die meinten: Hey komm, lass uns hier mal etwas Lautes auf die Beine stellen!
Ich möchte diese Stadt nicht missen, gerade auch wegen der Ruhe und Idylle. Konstanz war und ist aber nicht so leise, wie man vermutet. 1981 spielten ZK im besetzten Haus am Fischmarkt. Es gab das Rock am See Festival, das AJZ Schlupfwinkel, wo THE EXPLOITED und ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN spielten. Die Konstanzer Musikszene ist echt riesig. Ich selbst bin seit 1989 aktiv dabei und unsere jetzige Band tanzte schon lange in meinen Kopf Pogo.

Wie fandet ihr als Band zusammen und mit welcher Intention?
Ich habe unseren Gitarristen Markus 2023 kennengelernt und ihm von meiner Idee mit den Scrubs vorgeschwärmt. In kurzer Zeit hatten wir ein Programm zusammen und wurden sogleich als Vorband von PETER AND THE TEST TUBE BABIES in Karlsruhe gebucht. Markus brachte Rinus noch als zweiten Gitarristen mit und aus meinem Freundeskreis kamen unser Bassist Bob und Schlagzeuger Chris dazu. Jetzt konnten endlich alle meine Ideen und Vorstellungen Gestalt annehmen.Kurze Zeit später ist der erste Song „Punkadilly circus“ auf dem Ox-Sampler gelandet!

Auf eurer EP „Knackered PunkMod Part One“ sind fünf tolle Songs zu hören. Warum nur fünf?
Wir arbeiten gerade an neuen Stücken und integrieren die auch schon in unser Live-Programm. Zusätzlich gibt es live immer ein paar eher unbekannte Lieder von THE WHO, WIRE oder MADNESS. Eine Coverversion von „Part time punks“, ein Song von der englischen Band TELEVISION PERSONALITIES von 1978, haben wir auch als Single veröffentlicht. Der Text ist eine humorvolle Satire auf die späteren, modeorientierten „Plastik-Punks“, die auftauchten, nachdem die englische Punkrock-Bewegung zum Mainstream wurde, insbesondere nach dem berüchtigtem Live-TV-Interview mit den SEX PISTOLS 1976, bei der die Band fluchte und der Fernsehmoderator daraufhin von seinem Sender entlassen wurde. Wir trafen uns mit Mike Stone von TVP in London und er hat uns ermutigt, unseren Stil genauso beizubehalten. Aus einer geplanten Stunde mit ihm wurde ein ganzer Abend im Pub mit irren Storys aus deren Bandgeschichte. Herrlich!

Apropos alte Helden. Du hast in Konstanz mal in einem Club namens Contrast Konzerte gemacht. Da haben ENGLISH DOGS, TV Smith oder MIMMI’S gespielt. Was hast du da mit denen erlebt?
Wir waren ein Haufen Punks und haben im Contrast Konzerte organisiert und uns um das durstige Publikum gekümmert. Mit Gizz Butt von den ENGLISH DOGS saßen wir bis in die frühen Morgenstunden auf dem dreckigen Boden hinter der Theke. Er war mächtig stolz darauf, live bei THE PRODIGY spielen zu können, und wir haben das so richtig begossen. Mit den MIMMI’S haben wir uns einen kleinen Traum verwirklicht. Die donnerten bei uns auf jeder Party aus den Boxen. Als Fabsi mit der Truppe noch mal auf Tour ging, haben sie auch bei uns einen Stopp eingelegt. Fabsi kann man stundenlang zuhören. TV Smith so nah erleben zu dürfen, war eine absolute Ehre. Ich habe ihn als eine eher ruhige Person in Erinnerung.

Neulich warst du bei einem SEX PISTOLS-Auftritt in der legendären Londoner Royal Albert Hall. Was nimmt man da mit, sowohl als Fan als auch als Musiker?
Die Einreise am Flughafen Gatwick war schon sehr lustig, als ich am Zoll gefragt wurde, was der Grund für meinen Aufenthalt sei. Der Zöllner grinste und meinte, dass er nach Feierabend auch auf das Konzert geht. Als beim ersten Song „Holidays in the sun“ die Bassdrum einsetzte, war das für mich Gänsehaut pur. Frank Carter macht seinen Job als Sänger sehr gut. Man merkt ihm an, dass es eine Ehre für ihn ist, das zu tun, keine Angeberei, keine Rotten-Kopie, sondern Verbeugung und Respekt vor Jones, Cook und Matlock.

Du hast zwei kleine Kinder und deine vier Mitmusiker sind auch beruflich und familiär eingespannt. Wer führt bei euch das „Regiment“, um die Bandaktivitäten nicht schleifen zu lassen?
Wir sind so organisiert, dass wir genügend Zeit für unsere Familien haben, ganz klar! Ohne das Verständnis unserer Liebsten wäre das alles nicht umsetzbar und das wissen wir zu schätzen Meine Tochter Lorraine, die jetzt drei ist, hat übrigens das Cover für „Knackered PunkMod“ gemalt, darauf bin ich wahnsinnig stolz. Zusammen mit Markus bereite ich die neuen Songs vor, die jeder dann selbständig ausarbeitet und somit seinen individuellen Teil zu den Songs beiträgt. Wir nehmen alles selbst auf, produzieren die Videos auf einfachste Weise und versuchen, dass wir in diesem Social-Media-Sumpf irgendwie erreichbar sind. Dadurch dass wir alles kreativ einfach gestalten und keine Perfektionisten sind, läuft alles so, wie es kommt – mal stressig, mal entspannt. Perfektion – wenn es die gibt – langweilt mich!

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