
Es ist die Sprachbarriere, an der der musikalische Austausch mit Polen oft scheitert: Webinhalte sind selten auf Englisch verfügbar, Texte und Linernotes auch nicht, und das Interesse hiesiger Musikfans gilt eher Bands aus UK, USA oder Australien als denen aus dem Nachbarland. Das gilt auch für DHM (für „Detergent Heine Medina“), die 1985 in Puławy südlich von Warschau gegründet wurden und sich nicht nur optisch (man findet schöne alte Fotos) eindeutig an der britischen Goth-Szene jener Jahre orientierten. Seinerzeit trat die Band bei den großen polnischen Musikfestivals wie Jarocin auf und war ziemlich bekannt. 1991 nahmen sie ein Album auf, doch das Masterband ging verloren. Später wurde eine Kopie gefunden, und das Material wurde nun via No Pasaran Records auf Vinyl veröffentlicht. Mit „Notatki z podziemia“ wurde parallel bei No Pasaran eine weitere LP veröffentlicht, die noch ältere Aufnahmen von 1987 enthält. Viel später, 2005, erschien das Album „Dehumanizacja?“, das ich damals im Ox so beschrieb: „Ein rundum beeindruckendes Post-Punk-Album, das klingt, als sei es bereits 1985 eingespielt worden. Vor allem die KILLING JOKE der damaligen Zeit haben offensichtlich nachhaltigen Eindruck bei den Musikern hinterlassen, immer wieder höre ich hier deren grandioses ‚Night time‘ heraus, aber auch Bands wie PLAY DEAD oder SNAKE CORPS kommen mir in den Sinn.“ Genau diese Klangfarbe haben auch die früheren Aufnahmen hier, nur dass die nicht ganz so druckvoll wirken, sondern etwas zarter. Alles in allem eine Band, die international durchaus mithalten kann – oder es hätte tun können. Und wenn ich die Facebook-Seite unter www.fb.com/DHMofficial richtig deute, spielen DHM bis heute Konzerte. Wirklich entdeckenswert und spannender als noch irgendein Rerelease einer britischen Band jener Jahre.
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