
Die Briten erfanden einst die Eisenbahn, bis heute sind sie von diesem Verkehrsmittel begeistert, und das transportiert (!) sich bis in die Punk-Szene. Mit Captain Sensible beispielsweise kann man sich über das Thema unterhalten, und BLYTH POWER etwa haben sich nach einer Diesellok benannt, deren Sänger Joseph Porter ist Trainspotter, und von da ist nicht weit zu INDIGNATION MEETING. Die Band aus Leeds veröffentlichte ihr erstes Album 2023 selbst auf CD, landete nun auf Damaged Goods – und hat Texte, die sich (fast) ausschließlich um das Thema Eisenbahn drehen. Um die Elektrifizierung von Strecken, um Lokomotiven, um die Geschäftspolitik von Modelleisenbahnfirmen unter besonderer Berücksichtigung von deren Verhalten gegenüber der LGBTQ+-Community ... Wer jetzt ungläubig lacht, versteht nicht die Ernsthaftigkeit der Beschäftigung mancher Menschen mit dem Thema Eisenbahn. Sänger und Drummer Peter ist gerade mal 15 Jahre alt, sein Vater Michael spielt Gitarre, schon als Kind wurde er Fan von BLYTH POWER und ZOUNDS, und nach dem ersten Album „Trouble In The Shed“, das kürzlich neu aufgelegt wurde und bei dem Peter gerade mal zwölf und noch nicht im Stimmbruch war, ist nun „A Model World“ raus. Und es lohnt sich, nicht nur auf die Musik zu hören – charmant scheppernder Punkrock –, sondern auch auf die Texte, die im Booklet abgedruckt sind und die Peter kommentiert. Da geht es um Lokführerstreiks, um Politik, um die Menschen, die sich in ihrer Freizeit um die Erhaltung alter Technik kümmern, und wer jetzt nur amüsiert lächelt, verkennt die Schönheit und die Emotionen, die hinter solch einer vermeintlich nerdigen Thematik stecken. Eine erstaunliche Band, in vielerlei Hinsicht.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Ian Ballard
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #175 August/September 2024 und Joachim Hiller