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APOCALYPSE CULTURE

Adam Parfrey

Bevor es das Internet gab, waren Menschen mit speziellen Interessen (Nekrophilie, Serienmorde, Verschwörungstheorien, Satanismus ...) auf persönlichen Austausch und selbstverlegte Traktate angewiesen. Ich stieß Anfang der 1990er über Freunde aus der Hardcore-Szene in den USA auf die zweite Auflage von „Apocalypse Culture“, und wie von V. Vales „RE/Search“-Publikationen auch waren damals viele aus der Szene von diesen Schriften zu randständigen, teils extrem schockierenden „Popkultur“-Themen fasziniert – aus heutiger Sicht recht unreflektiert. Was für ein – vorsichtig bis verharmlosend ausgedrückt – schräger Vogel dieser Adam Parfrey (1957-2018) war, war uns nicht bewusst: Er hatte Kontakte zu Anton LaVey und Boyd Rice, war Teil der von letzterem gegründeten „okkult-faschistischen“ Abraxas Foundation und fand in seinem libertären Weltbild (und Verlag) von links bis rechts für sehr vieles Platz, über das man nur den Kopf schütteln kann. Das macht die nun via Index Verlag vorliegende deutsche Übersetzung der zweiten Auflage von 1990 (die erste kam 1987 mit teils noch krasseren, später gestrichenen Texten) zu einer herausfordernden Lektüre, so wie die Texte mancher (früher) Punk-,
Hardcore- und Metal-Platten teils absurder Mist sind. Was hier zu lesen ist, muss fast durchweg mit Triggerwarnung versehen werden. Selbstverstümmelung, Eugenik, eine Erklärung der Roten Brigaden, das Programm der „Nation of Islam“, Wolfsmenschen – 400 Seiten voll mit dem Ergebnis des Freidrehens menschlicher Gehirne neben Zitaten anerkannter Geistesgrößen. Wer sich jetzt angewidert abwendet, hat womöglich selbst ein 2001 von Parfrey via Feral House verlegtes Buch im Regal stehen – das völlig unverdächtige „American Hardcore: A Tribal History“ von Steven Blush.

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