
Mit „Schatten der Verfangenheit“ verschiebt André Tebbe den Fokus vom lokalkolorierten Garage-Indie des Vorgängers „Sieg Himmelreich“ hin zu einer deutlich reflektierteren Form deutschsprachigen Songwritings. Das Quartett um Sänger und Gitarrist André Tebbe – ergänzt durch Zippy (bs), Janosch Brenneisen (dr) und Thilo Schölpen (synth) – arbeitet dabei mit einem Sound, der spürbar dichter und strukturierter ausfällt als auf früheren Aufnahmen. Entstanden in den Düsseldorfer Wildwood Studios, verbindet das Album schrammelnde Indie-Gitarren mit zurückhaltenden elektronischen Flächen und einer Melancholie, die eher an kontinentale Chanson-Traditionen erinnert als an klassische Rock-Attitüde. Die Single „Es ist Zeit“ fungiert dabei als programmatisches Zentrum, „Siehst du sie tanzen so sweet“ dagegen öffnet das Klangbild in Richtung poppiger Leichtigkeit und evoziert nächtliche Straßenszenen, während „Durch dein Kaleidoskop“ mit Perspektivwechseln und schillernden Gitarrenlinien arbeitet. Der Titeltrack schließlich bündelt als thematische Klammer das Album. Stilistisch bewegt sich die Band dabei in einem Feld, das an die urbane Lakonie von DIE STERNE oder die erzählerische Nüchternheit von ELEMENT OF CRIME erinnert, ohne in bloße Referenz zu verfallen. „Schatten der Verfangenheit“ wirkt weniger wie ein Szenedokument, sondern wie eine Bestandsaufnahme – präzise, melancholisch und mit jener rheinischen Gelassenheit, die aus kleinen Beobachtungen große Songs formt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Gereon Helmer