
Lange war es ruhig um KERRETTA, ist doch „Angelm“ das erste Album seit nunmehr zehn Jahren, das aus einer Sammlung von Outtakes und B-Seiten bestehende 2018er Werk „Exiscens“ nicht berücksichtigt. Die Band aus dem neuseeländischen Auckland ist seit jeher zwar dem Post-Rock zuzuordnen, lotet hier jedoch die gegebenen Genregrenzen geschickt aus. Das spielen mit bloßer Laut/leise-Dynamik überlassen sie anderen Vertretern dieser Musikrichtung und konzentrieren sich stattdessen auf clever arrangierte Musik, die sicher nicht wenige Prog-Nerds neugierig machen wird. Mächtige Klangkaskaden werden abgelöst von schrägen Taktspielereien. Bestimmen im einen Moment donnernde Gitarren das Geschehen, folgen im nächsten unerwartete elektronische Klangtupfer und der dann doch logische und zu erwartende Einsatz des Delay-Pedals. Auch scheinen die Musiker den Jazz für sich entdeckt zu haben, wie sich etwa am Intro des Songs „Opal victor“ heraushören lässt, der sich im weiteren Verlauf zu einer Noise-Orgie entpuppt, bei der sich knarzige Gitarren und stumpfe Beats die imaginäre Hand reichen. Ein mutiges Album ist „Angelm“ definitiv und es braucht etwas Beschäftigung mit der Platte, aber es ist schön zu sehen und zu hören, dass die Band eben nicht den einfachen Weg gehen wollte.
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