
Kennt ihr das? Ihr denkt an alte Zeiten und all die schönen Momente kommen euch in den Sinn. Eure Erinnerung romantisiert die Vergangenheit und hüllt sie in ein wohlig-warmes Gewand. Erst wenn ihr länger überlegt, bemerkt ihr, dass bei Weitem nicht alles nur rosarot war. ARM’S LENGTH schreiben mit „There’s A Whole World Out There“ den Soundtrack für genau diese Art von Erinnerungen. Sie beschwören mit ihrem von Pop-Punk geprägtem Emo diese bittersüße Melancholie herauf, die einen bei dem Gedanken an Teenagertage bisweilen überkommt. Highschool-Vibes und Herzschmerz. Erst lieblich-sanft, dann stichelnd-ehrlich. Die persönlichen und schonungslos direkten Lyrics ergänzen das musikalische Erlebnis. Doch nicht nur in der Atmosphäre kann man sich als Hörer:in verlieren, auch im fortschreitenden Gleichklang: „There’s A Whole World Out There“ mangelt es – trotz punktuellem Einsatz eines Banjos – an Abwechslung und der Fähigkeit, einen Spannungsbogen zu erzeugen. Wer allerdings am Ball bleibt, wird belohnt. Denn das Highlight der Platte dürfte der gut sechseinhalbminütige Schlusstrack „Morning person“ sein – eine überraschend agile Hommage an den Emo der 1990er mit einer Prise Modernität. Vielleicht muss man das Rad also auch gar nicht neu erfinden, solange man noch so schön in Nostalgie schwelgen kann.
© by Fuze - Ausgabe #112 Juni/Juli 2025 und Jeannine Michèle Kock
© by Fuze - Ausgabe #112 Juni/Juli 2025 und Jeannine Michèle Kock
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Sebastian Wahle