
Ihr Debütalbum „From The New World“ hatte frischen Wind in den Metalcore gebracht. Glücklicherweise versuchen sich ALLT mit ihrem zweiten Langspieler nicht an einer Nachbildung, sondern legen mit „Ataraxia“ ein eigenständiges Werk vor – mit mehr Flow, Dynamik und Raum für Wirkung. Statt ultra heavy zu sein, setzen die Schweden harte Elemente nun ganz gezielt ein. Das bedeutet aber auch, dass es weniger von ihnen gibt, dafür mehr Clean Vocals, Spoken Word und große Melodien. Dennoch bleibt die originäre Handschrift von ALLT unverkennbar: Progressivität, Thall, reichlich Gitarrenlayering und viel Atmosphäre. Ein Vibe, den man von den Produktionen Buster Odeholms kennt, der diesmal allerdings weniger als noch beim Vorgängerwerk seine Finger im Spiel hatte. Trotz ausgefeiltem Mix, bleibt das Erscheinungsbild roh. So wurden etwa für alle Vocaltracks die Demoversionen übernommen. Inspiration schöpft das Quartett diesmal bewusst aus unterschiedlichsten Genres, so ist etwa die Synthline von „Snowblind“ angelehnt an Yung Leans „Diamonds“. Auch beeinflusst das Visuelle wieder maßgeblich den Sound: „Ataraxia“ sollte eine winterlich anmutende Platte werden, deren unterkühlter Schleier sich in der zweiten Albumhälfte hebt und frühlingshafte Momente offenbart: Das Eis schmilzt und legt Verborgenes offen („High hopes“). Ein multisensorisches Erlebnis – und ein starkes zweites Werk.
© by Fuze - Ausgabe #119 August/September 2026 und Jeannine Michèle Kock
© by Fuze - Ausgabe #108 Oktober/November 2024 und Jeannine Michèle Kock