
Auch in seinem vierten Werk frönt der urige Berliner der von ihm selbst so bezeichneten „Poesie der Arbeiterklasse“. Er schreibt auch weiterhin oft im Dialekt, mitunter deftig, aber auch sachlich. Ob DDR-Zeit, Opas Nachkriegserlebnisse in Berlin oder sein geliebter, heute immer unkenntlicher werdender Prenzlauer Berg (für deren Neubewohner:innen aus der Provinz er süffisant einen nachträglichen Willkommensgruß parat hält ...) – Andreas Gläser erweist sich als glänzender Beobachter und Weiterträger. Nicht altbekannte Nachbarn, sondern „Helden und Gespenster aus Funk und Fernsehen“ träfe er mittlerweile in seinem Kiez an. Sich hangelnd von Job zu Job, wie eine Art Bukowski aus Ost-Berlin, bringt es auf den Punkt: Nicht wie angenommen „sieben Leben“, nein, „sieben blöde Jobs“ hielt das Dasein bislang für ihn bereit. Der Wortschöpfungsmeister versteht es zu unterhalten. So verzichtete er darauf, seine Stasi-Akte einzusehen, um nicht am Ende noch „Grabsteine anbrüllen“ zu müssen, und seine Ostalgie hält sich auch im Rahmen: „Unser Biermann hieß Bon Scott.“
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Markus Franz