
Spätestens seit „Cacti“ bezeichnet man die Musik von Tor Maries aka Billy Nomates nicht mehr als Punk. War sie aber auch nie. Und mit ihrer neuen Platte „Metalhorse“ sprengt die britische Künstlerin komplett ihre bisherigen Grenzen – in vielerlei Hinsicht. Post-Punk, Dance-Pop, No Wave und Indie stützen den Sound weiterhin, aber besonders prägnant ist der inhaltliche Kurswechsel. Nach einem Gig beim Glastonbury Festival 2023 wurde sie online wüst beschimpft, weil sie dort nicht mit einer Band aufgetreten war – genauso wie beispielsweise ihre Freunde SLEAFORD MODS. Das führte zunächst dazu, dass Billy Nomates ihre Social-Media-Accounts löschte, doch langfristig kehrt sie gestärkt zurück. Die Kompositionen flankieren passgenau ihre Emanzipation und die damit verbundene Leichtigkeit. „Metalhorse“ ist die erste Platte, die sie mit kompletter Band aufnimmt. Das gibt ihr ganz offensichtlich mehr Raum für die eigene Entfaltung. Sie nutzt ihren gesanglichen Umfang deutlich mehr, effektiver, und nimmt sich Zeit für mehrere Ebenen oder gezielte Konter von Musik und Text. Den Fatalismus wird sie nie ablegen, ebenso wenig wie den Zynismus. Aber es kommt nun ein Stück Souveränität dazu – es muss eben weitergehen. Schon die aktuell fleißig in die eigenen Kassen scheffelnden OASIS wussten: „You gotta keep on keeping on“.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #156 Juni/Juli 2021 und Nadine Schmidt
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #155 April/Mai 2021 und Nadine Schmidt
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #156 Juni/Juli 2021 und Nadine Schmidt
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Nadine Schmidt