
In der Prä-Internet-Zeit war man auf kundige Menschen, etwa hinter der Theke eines Plattenladens, angewiesen, wenn man genauer wissen wollte, was es mit dieser immer etwas geheimnisumwitterten Band aus Berlin auf sich hatte. Der Kontext: EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN, THE BIRTHDAY PARTY, THE GUN CLUB ... irgendwie so ein Projektding sollte das sein, doch die erste Platte „Burnin’ The Ice“, 1983 auf einem kleinen Berliner Label erschienen, war bald out of print, erst 1988 kam mit „Headless Body In Topless Bar“ via What’s So Funny About Nachschub. Heute lässt sich schnell nacherzählen, dass die Band sich – man kann das auch auf dem Beiblatt der LP-Neuauflage nachlesen – 1981/82 in West-Berlin zusammenfand, mit Christoph Dreher am Bass, Thomas Wydler am Schlagzeug, Jochen Arbeit und Remo Park an der Gitarre. Dazu in den sieben Songs ihres Debüts, das aus seltsamen Gründen nicht in der Mauerstadt aufgenommen wurde, sondern am anderen, westlichsten Ende der Republik, in Aachen, ein damals noch gar nicht prominenter Gastsänger, der sich auch gerade in West-Berlin niedergelassen hatte: Nick Cave. DIE HAUT waren mitnichten „die Band von“ Nick Cave, sondern Cave war, wie es sich in der 20 Jahre andauernden Historie von DIE HAUT ergeben sollte, der erste in einer Reihe von Mikrofongästen einer im Grunde instrumentalen Band. Liest man sich die Kurzbiografien der Musiker durch, wird klar, was für einen komplexen politisch-soziokulturellen Hintergrund es hier gab, wie einzigartig die Kombination von künstlerischem Talent war, das sich hier für die Studiosession und ein paar Konzerte zusammengefunden hatte. Ein Blick in eine andere, vergangene Welt des Musikmachens, die hier erneut dokumentiert wurde – zuletzt gab es 2004 eine Auflage, damals mit DVD.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Joachim Hiller