DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY

„Das Bildnis des Dorian Gray“, der einzige Roman des irischen Schriftstellers Oscar Wilde, erschien erstmalig 1890, besitzt aber mit seiner Kritik an Hedonismus und Narzissmus gerade in Zeiten von Social Media, wo ja auch der Wert der Schönheit und des Ästhetischen über allem anderen steht, einschließlich Moral und Realität, immer noch eine erstaunliche Aktualität. Wildes Roman mag keine typische Horror-Geschichte sein, dennoch gibt es darin reichlich Parallelen zur damaligen Schauerliteratur, ebenso wie zu Goethes Faust, auch wenn es keinen unmittelbaren Pakt des im Mittelpunkt stehenden reichen und schönen Dorian Gray mit dem Teufel gibt. Gray hegt den Wunsch, dass ein gemaltes Porträt von ihm an seiner Stelle altern soll, während er selbst jung und makellos schön bleibt. Allerdings wird er dabei auch immer maßloser und grausamer und findet schließlich ein unschönes Ende. Verfilmt wurde die Geschichte häufiger, alleine in den 1970ern viermal, und die von Massimo Dallamano mit Helmut Berger und Herbert Lom in den Hauptrollen gehört sicher nicht zu den schlechtesten. Im Kino lief der Film nur geschnitten, was auch für spätere Video- und DVD-Releases galt. Die aktuelle Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray ist das erste Mal ungeschnitten und besitzt auch eine exzellente Qualität. Dazu kommt etwas Bonusmaterial wie ein Feature über den 2023 verstorbenen Berger, der als Exzentriker und Enfant terrible verschrien war, aber die perfekte Besetzung für Dorian Gray ist. Der frühere Kameramann Dallamano („Für eine Handvoll Dollar“ und „Für ein paar Dollar mehr“), der auch am Drehbuch beteiligt war, und Produzent Harry Alan Towers lieferten hier eine modernisierte und stilvoll inszenierte Adaption von Wildes Roman ab, natürlich gewürzt mit reichlich verkaufsfördernden sexuellen Tabubrüchen.

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