
Wer Edgar Allen Poes Originaltext nicht kennt, kann sich beruhigt in die Lektüre der Umsetzung von Dufaux (Szenario) und Calderón (Zeichnung) stürzen. Denn in dieser Adaption ist auch Poes Ausgangsversion abgedruckt. Die erstmals 1839 in Burton’s Gentleman’s Magazine erschienene Kurzgeschichte „Der Untergang des Hauses Usher“ gilt als eines der wegweisenden Poe-Werke, die mit unzähligen unterschwelligen Anspielungen eine neue Dimension von Mehrdeutigkeit und Vielschichtigkeit erschließen. Dufaux fügt der bereits vorhandenen metaphysischen Ebene noch eine weitere hinzu, indem er Poe selbst als exzentrischen, literaturbesessenen Trinker/Drogenkonsumenten direkt in die Handlung einbindet. So entspinnt sich in düsteren, oft dezent kitschig weichgezeichneten Panels eine verschlungene Schauergeschichte, die bis zum Schluss mit unerwarteten Wendungen zu überraschen weiß. Eine dem Psychogrusel-Original würdige Mischung aus inneren und äußeren Dämonen, zelebrierter Schrullig- und Einsamkeit, einer dicken Portion Wahnsinn und dem geschickten Spiel mit Lesererwartungen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Anke Kalau