Als Tim Robbins zweistündiger Film „Dead Man Walking“ (der Ruf amerikanischer Gefängniswärter, wenn ein zum Tode Verurteilter zum Hinrichtungsraum geführt wird) 1996 in den deutschen Kinos lief, hatte man es mit einer ziemlich erschütternden und emotional aufreibende Erfahrung zu tun, woran sich auch knapp 30 Jahre später nichts geändert hat. Robbins, der ja eher als Schauspieler bekannt ist, aber mit „Bob Roberts“ zuvor eine exzellente Politsatire gedreht hatte, liefert mit „Dead Man Walking“ eine der ambivalentesten und emphatischsten Auseinandersetzungen mit dem Thema Todesstrafe. Basierend auf dem gleichnamigen Buch der Ordensschwester Helen Prejean, die darin ihre Erlebnisse mit dem 1984 hingerichteten Todeskandidaten Elmo Patrick Sonnier schildert, den sie bei seinem letzten Gang betreute. Ambivalent deshalb, weil an der Schuld des von Sean Penn grandios gespielten, zum Tode verurteilten Mörders und Vergewaltigers Matthew Poncelet keine Zweifel bestehen und die Rachegefühle der Angehörigen seiner Opfer, deren Leben er ebenfalls zerstört hatte, absolut nachvollziehbar und legitim sind. Welche Form von menschlicher Anteilnahme verdient jemand noch, der dermaßen unmenschlich gehandelt hat? „Dead Man Walking“ ist weit entfernt davon, ein Feel-Good Movie zu sein und begleitet Poncelet bis zu seiner Hinrichtung durch die Giftspitze, als vermeintlich humane Art gezielter staatlicher Tötung. Dennoch bleiben Zweifel, ob dieses Verbrechen damit wirklich adäquat gesühnt wurde und wieviel Befriedigung die Angehörigen daraus ziehen können. Und ob die religiöse Natur der Hilfestellung der Ordensschwester dabei für alle Beteiligten wirklich nützlich und tröstlich ist, ist ebenfalls fragwürdig. Ein immer noch extrem sehenswerter und aufrüttelnder Film, der aktuell im Mediabook mit DVD und Blu-ray neu aufgelegt wurde.
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