
Seit ihrer Gründung 2010 haben sich DEFYING DECAY aus Bangkok zu einem der wichtigsten modernen Metal-Exporte Asiens entwickelt. Was einst eher aggressiv anmutender Electronic Metalcore war, ist heute melodisch, etwas poppig und dadurch international anschlussfähig und steht dem, was Vergleichbares aus den USA kommt, in nichts nach. Mit eingängigen Melodien geben sie einen Teil ihrer Brutalität zugunsten größerer Reichweite auf, transportieren aber wichtige innenpolitische Themen Thailands weit über Asien hinaus. „Built to fall“ startet zunächst inhaltlich überraschend unspektakulär und klagt über eine Welt voller Lügen und Manipulation und droht zunächst, sich inhaltlich und klanglich einfach in den Mainstream aktueller Metalcore-Produktionen einzuordnen. „The law 112: Secrecy and renegades“ reißt das Ruder aber rasant herum: Korruption und Machtmissbrauch werden auch hier angeprangert, die großartige Melodik verstärkt aber die kämpferische Botschaft. „RX regicide“ (feat. Kellin Quinn) zeigt mit Zeilen wie „Won’t be shut down when the power’s out“, dass Veränderung möglich ist, selbst wenn alles zu zerfallen scheint. „21 stitches“ überzeugt ebenfalls soundtechnisch und beschreibt eine Gesellschaft, in der Menschen wie Bots funktionieren. Das Album thematisiert immer wieder, wie innere Verletzungen und Schuldgefühle das persönliche Glück blockieren, und ruft nach befreiender Abrechnung. Trotz reduzierter Härte bleibt es bedeutungsvoll, abwechslungsreich und wird nicht zu synthetisch. Mit „Hide and seek“ schließt das Album eindrucksvoll und fast hypnotisch. Ein rundes, gelungenes Werk.
© by Fuze - Ausgabe #117 April/Mai 2026 und Dennis Müller
© by Fuze - Ausgabe #117 April/Mai 2026 und Sandra Monterey