
Die Historie der walisischen Psychobilly-Kultband, die die Musikrichtung schwer in Richtung Punk schob, ist selbstredend die ihres letzten verbliebenen Originalmitglieds, Sänger Mark „Sparky“ Phillips. Damit will ich den anderen Bandmates absolut nichts Despektierliches, denn Kontrabassist Grischa ist beispielsweise schon fast zwei Dekaden Teil des verrückten Imperiums. Sparky indes, der sich live oft am Mikrofon hangelte, so wie einst Johnny Rotten, ist das Gesicht der Combo. Ende 1981 gestartet, hatten sie mit ihrer Debüt-LP „In Sickness & In Health“ (1986) für einen Paukenschlag gesorgt. Eine laute Gretsch-Gitarre, Sparkys Whiskystimme und dann diese Hymnen: „Pervy in the park“, „Busted hymen“, „PVC chair“ etc.pp. Das zweite Album, „Kicked Out Of Hell“ von 1988, war dann vom Songwriting her noch eigenständiger, wenngleich der Sound etwas dünn wirkte. Ein Wechselbad in Sachen Stil-Ausrichtung folgte. Toll das gruselig gefertigte „Orgasmic Nightmare“ (1991), das kultige „Tangenital Madness“ (1993) und dann wieder das der Rotzigkeit des Punk geschuldete, unglaublich starke „Hellucifernation“ (1999), ehe schließlich der „Hellbilly Storm“ (2005) aufzog. Gesignt nun von People Like You Records, setzte da ein bunter Reigen ein, der spieltechnisch (auch durch die zwei Gitarren) schon etwas „drüber“ war. Auch wenn Songs wie „Hotrod vampire“ oder „Someone’s out to get me“ (mit Charlie Harper an der Mundharmonika) glänzten. Doch das war nicht das Ende, „Welcome Back To Insanity Hall“ (2012) erdete das Ganze wieder, brachte den Sound wieder auf den Punkt. Der „Rhythmus, wo ich mitmuss“ war wiedergeboren. Nun also erfreut die Band mit ihrem achten Studioalbum die Psycho-Herzen erneut, und das war wirklich eher nicht mehr zu erwarten. Nicht zuletzt durch die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem guten Drummer (Chris Damage verließ DEMENTED ARE GO vor langem) schien dies abwegig. Doch mit dem Franzosen Gaybeul (THE ASTRO ZOMBIES) konnte die Besetzung aufgefrischt werden. Vorab ausgekoppelt als Vinylsingle plus Videoclip wurde bereits „Black valium“, ein langsamer, gefühlvoller Track, der Sparkys Stimme voll zur Entfaltung bringt. Band und Label haben sich zudem ein besonderes Highlight einfallen lassen. Der letzte Song muss (auf Vinyl) wie ein „Hidden Track“ von hinten nach vorne abgespielt werden. Wie ist das Werk im Kontext der Bandgeschichte einzuordnen? So früh nach den ersten Hörgelegenheiten ist dies nicht einfach zu beantworten. Es besitzt eine richtig gute Mischung aus Psycho, Punk und Country. Ein zweites „Tangenital Madness“ ist es nicht geworden, „Hellbilly Storm“ überholt es aber auf Anhieb. Psychobilly-Fans werden jedenfalls ihre „hell(e)“ Freude an dem Sammlerstück haben.
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