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DER RICHTER UND SEIN HENKER

Die Lektüre der Werke des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt gehörte zu den erfreulicheren Erfahrungen des gymnasialen Deutschunterrichts. Vor allem gilt das für seine Anfang der 1950er entstandenen philosophischen und gesellschaftskritischen Kriminalromane „Der Richter und sein Henker“ und „Der Verdacht“. Hauptfigur beider Bücher ist der todkranke Berner Kommissar Hans Bärlach am Ende seiner Polizeikarriere. In „Der Richter und sein Henker“ jagt er erfolglos seit 40 Jahren seinen in Politik und Finanzwelt gut vernetzten alten Rivalen und Verbrecherkönig Gastmann. Auslöser dafür war eine bizarre Wette, denn Gastmann behauptete im Gegensatz zu Bärlach, dass die meisten Verbrechen ungeahndet blieben und begeht deswegen später vor den Augen Bärlachs einen Mord. Nach vierzig Jahren gelingt es Bärlach dann, den krankhaft ehrgeizigen und selbst zum Mörder gewordenen Kriminalbeamten Tschanz zu seinem Henker zu machen, um seinen langjährigen Widersacher töten. Die Herstellung von Gerechtigkeit und die Bekämpfung des Bösen ist bei Dürrenmatt demnach eine höchst zwiespältige und zynische Angelegenheit. „Der Richter und sein Henker“ wurde das erste Mal 1957 fürs deutsche Fernsehen adaptiert, bemerkenswerter dürfte aber Maximilian Schells Verfilmung von 1975 sein, mit Jon Voight, „Der Spion, der aus der Kälte kam“-Regisseur Martin Ritt und Robert Shaw („Der weiße Hai“) in den Hauptrollen. „Der Richter und sein Henker“, an dessen Drehbuch Dürrenmatt beteiligt war und für den Ennio Morricone die Musik schrieb, wurde jetzt in 4K restauriert mit zusätzlichem Bonusmaterial auf DVD und Blu-ray neu aufgelegt. Auch gut 50 Jahre später ist Schells ungewöhnlicher psychologischer Kriminalfilm mit seinen ambivalenten Charakteren eine spannende Reflexion über Gut und Böse geblieben.

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