
Die große Frage, die wohl viele etablierte, aber vor allem aufstrebende Prog-Post-Experimental-Truppen heute beschäftigt, dürfte wie folgt lauten: „Angenommen, uns ist nicht alles scheißegal: Wie zur Hölle kriegen wir in diesem völlig übersättigten Genre noch irgendwie Leute hinter dem Ofen hervorgelockt?“ Die simple Antwort lautet: Sachen – oder besser: Songs – machen, die wirklich noch überraschen können. Und genau dieses Kunststück ist dem polnischen Vierer mit „Deuterium“ gelungen. Klar: Krumme Taktwechsel, clever platzierte Laut-Leise-Passagen, ruppiges Haudrauf und fieses Gegurgel, dazu aber auch Klargesang, ein bisschen Gefrickel, ausufernde Atmosphäre und dann wieder schroffe, tonale Kälte. Wie das eben so gemacht wird, in diesem Sektor. Alles nicht neu, und alles schon gar keine Garantie für eine gute Platte. Irgendwie allerdings schafft es „Deuterium“, vom Start weg direkt spannend zu sein. Und diese knisternde Neugier auch aufrechtzuhalten. Anders gesagt: Natürlich ist das alles keine leichte Kost, du willst aber eigentlich immer wissen, wie es jetzt weitergeht. Und das ist eigentlich das Bemerkenswerteste, was du als Band heutzutage hinkriegen kannst. Wer RIVERSIDE mag, wer KARNIVOOL cool findet, wer A PERFERCT CIRCLE hört und OPETH liebt und generell einfach offen für etwas Neues ist … der sollte diesen Herrschaften hier womöglich mal ein Ohr leihen. Just saying.
© by Fuze - Ausgabe #119 August/September 2026 und Anton Kostudis