DIE ROTE SONNE DER RACHE

„Die Rote Sonne der Rache“ („La banda J.S.: cronaca criminale del Far West“) ist eines der weniger bekannten Werke von „Django“-Regisseur Sergio Corbucci, der ja für zahlreiche Italowestern in der Hochzeit des Genres in den 1960er und 1970er Jahren verantwortlich war. Hierzulande lief er ungeschnitten im Kino und wurde später auf Video veröffentlicht, eine DVD-Veröffentlichung erschien allerdings erst jetzt. Die Qualität ist ordentlich, Extras oder Untertitel für die italienische Sprachfassung gibt es keine. Der deutsche Titel hat mal wieder wenig mit dem Originaltitel zu tun und scheint vom ein Jahr zuvor entstandenen Western „Rivalen unter roter Sonne“ inspiriert worden zu sein. Noch ungehemmter geht es bei der deutschen Synchronfassung von Karlheinz Brunnemanns Synchronstudio Deutsche Synchron zu, basierend auf dem Dialogbuch des kürzlich verstorbenen Rainer Brandt. Und so lässt sich schwer beurteilen, ob diese extrem krude Mischung aus Italowestern, Slapstick-Komödie und sentimentaler Liebesgeschichte nicht ursprünglich ernsthafter gemeint war, als es die deutsche Fassung vermittelt. Immer noch verstörend wirkt der Umgang von Hauptdarsteller Tomás Milián als verkommener mexikanischer Robin Hood-Verschnitt mit seiner hübschen Filmpartnerin Susan George, die er wie Dreck behandelt und trotzdem von ihr geliebt wird. Bereits ein Jahr zuvor in Sam Peckinpahs „Wer Gewalt sät“ hatte George eine ähnlich widersprüchliche Frauenfigur gespielt. Diese möglicherweise misogynen Tendenzen sind Teil einer ansonsten recht eigenwilligen und unterhaltsamen Westernversion von „Bonnie und Clyde“, in der Milián wie in den meisten seiner Poliziotteschis einen unglaublich unsympathischen und vulgären Mistkerl spielt, dem Sheriff Franciscus (Telly Savalas) das Handwerk legen will.

Anzeige