
Auf den wirbelnden Anarcho-Beat auf lysergsaurem Acid-Fundament, mit dem „Ptooff!“ 1967 die Londoner Underground-Schickeria aufmischte, ließen DEVIANTS bereits ein Jahr später ein Album folgen, dem aus Kritikerkreisen immer noch nicht allzu viel Liebe entgegenschlägt. „Disposable“, also „entbehrlich“, sei der absolut passende Titel, hieß es oft, und in der Tat ist das „schwierige zweite“ Album eine etwas unausgegorene Angelegenheit. „Viele Köche verderben den Brei“, sagt man, und an der teils spinnerten Produktion war neben dem engeren Zirkel des anarchisch strukturierten Bandprojekts (mit Mick Farren und Sid Bishop als kreativer Nukleus) eine ganze Fußballmannschaft an Gastmusikern beteiligt. Dass unter diesen Bedingungen ein roter Faden verlorengehen kann, liegt auf der Hand. „Disposable“ funktioniert weder als Protopunk noch als Heavy Psych so, wie aus heutiger Sicht diese Genres eingeordnet werden. Und womöglich ist diese unberechenbare Störrigkeit genau das Element, was das Album so interessant macht. Kein einziger Song bleibt wirklich im Ohr hängen, die groteske Coverversion von „Pappa oo mao mao“ (sic!) ist eine unfreiwillig komische Ausnahme vom unergründlich abgründigen Konzept. Das Nervpotenzial bleibt über die Gesamtspielzeit enorm hoch und so ist „Disposable“ auch nach beinahe 60 Jahren ein perfekter Soundtrack, um jede Party zu sprengen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #116 Oktober/November 2014 und Joachim Hiller
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