
Immer wieder krass zu sehen, wie viel Anlauf Bands brauchen, wie viele Jahre es dauern kann, bis sie im etwas größeren Maße wahrgenommen werden. 2015 schon gründeten sich DITZ in Brighton, die Legende (der Zufall?) wollte es, dass das bei einer Show der US-Noiserocker METZ war. Vier Buchstaben, ein krasses germanisches Z im Namen – sounds good. Ein paar Songs und Singles kamen, dann eine Pandemie und erst 2022 schließlich das Debüt „The Great Regression“, auch auf Alcopop! Records. Da sind DITZ nun weg, DIY, „Never Exhale“ ist das Ergebnis. Niemals ausatmen, das funktioniert rein physisch nicht, nicht mal im kosmischen Maßstab, irgendwas kommt auch aus Schwarzen Löchern wieder raus, irgendwann, aber man ahnt, was DITZ aufgesaugt haben über die Jahre und nun mit markanter Rhythmik und Wummerbass exhalieren. Der Psycho-Noiserock der frühen 1990er à la THE JESUS LIZARD steckt hier drin, Musik aus einer Zeit, als Callum Francis, Caleb Remnant, Anton Mocock, Jack Looker und Samuel Evans wohl noch nicht mal geboren waren, aber das heißt ja nichts. Sie bauen ihre Songs enorm spannungsvoll auf, das wirkt wie Musik gewordene Atemtechnik: einatmen, ausatmen, hecheln, pressatmen, anhalten, auspusten ... Die Rhythmik wirkt in ihrer Sperrigkeit und trotz einer gewissen technischen Kälte bisweilen bluesig, die Australier BEASTS OF BOURBON kommen in den Sinn, aber auch THE JON SPENCER BLUES EXPLOSION. Und dann ist da dieser THE SOUND-Moment. Und sowieso der gegenwärtige Kontext aus IDLES, FONTAINES D.C., THE MURDER CAPITAL und Co. Erfreulich ist, wie körperlich und handgemacht sich der Sound von DITZ anfühlt in Zeiten, wo selbst manche Musik wie Fake wirkt.
© by Fuze - Ausgabe #110 Februar/März 2025 und
© by Fuze - Ausgabe #110 Februar/März 2025 und Christian Biehl
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