
„Ich danke den PET SHOP BOYS für die Inspiration“? Was für eine Graphic-Novel-Adaption von Oscar Wildes 1890 erschienenem, einzigem Roman ist hier wohl von dem spanischen Illustratoren Enrique Corominas („Tragaldabas“, „Eye Gray“) zu erwarten? Eine in wechselnde expressionistische bis psychedelische Farben eingetauchte Bild gewordene Oper in fünf Akten voller opulenter Aquarell-Panels, wie sich herausstellt. Bis auf die Abwandlung der ursprünglichen Gliederung von Wildes Ausgangsstoff („Das Bildnis des Dorian Gray“ ist in 13 Kapitel unterteilt) ändert sich inhaltlich wenig: Narzissmus, Dekadenz, Gewalt und ungezügelte hedonistische Triebhaftigkeit dominieren das Geschehen, ein Abgesang auf die Ausschweifungen der englischen Oberschicht des späten 19. Jahrhunderts. Eine weitere Änderung ist der Einbau von Lautréamonts „Gesänge des Maldoror“ anstatt der von Wilde benutzten Bibel des Dekadentismus „Gegen den Strich“ von Huysmans. Ein Nachwort des Autors zur Entstehungsgeschichte rundet das Bild ab. Solide Umsetzung in verstörend dämonisch verzerrten Bildern.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Anke Kalau