
„Dune Prophecy“, eine HBO-Originalserie in sechs Episoden rund um den Bene Gesserit-Orden? Was bitte passiert hier gerade? Am „Dune“-Kosmos haben sich vor ein paar Jahrzehnten noch SciFi-Meister wie Alejandro Jodorowsky und David Lynch die Zähne ausgebissen. Mutiert der lange als unverfilmbar geltende Stoff dank der inzwischen nahezu grenzenlosen Special-Effects-Möglichkeiten der Gegenwart jetzt zum neuen „Star Wars“-Franchise? Von der Masse dieser drohenden Spin-off-Spirale hebt sich diese insgesamt über 500 Seiten starke dreibändige Umsetzung mit betonter Werktreue jedenfalls deutlich ab. Daran dürfte der Sohn des schon 1986 verstorbenen „Dune“-Autors Frank Herbert einen großen Anteil haben. Vielleicht als kleine Wiedergutmachung für die beiden unter Fans hochumstrittenen, auf Basis der Aufzeichnungen seines Vaters für den siebten und abschließenden Band in Zusammenarbeit Kevin J. Anderson Ende der 2000er geschriebenen Fortsetzungsromane? Hier konnte er jedenfalls mit Raúl Allén und Patricia Martín ein fähiges Zeichnerteam zusammentrommeln. Bill Sienkiewicz, der 1984 die Comic-Adaption von Lynchs „Dune“ in Szene gesetzt hat, hat lediglich das Coverartwork beigesteuert. Allén und Martín setzen das altbewährte Muster – Liebeskisten, Intrigen und Kämpfe treffen exotische Orte und futuristische Technik – ansprechend in psychedelisch eingefärbte Bilder mit klaren Linien und hübsch anzuschauenden Landschaften um. Allein die Barbie- und Ken-haft gezeichneten Hauptfiguren Paul Atreides und Lady Jessica stören mich irgendwie. Ist vielleicht eine Art Statement? Wird „Dune“ nun zu einer Karikatur? Es darf weiter diskutiert werden.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Anke Kalau