
DIE LIGA DER GEWÖHNLICHEN GENTLEMEN sind und bleiben ein Phänomen. Das neue Album läuft nur wenige Sekunden und sofort setzen die bekannten Reaktionen ein: die Füße wippen im Takt mit, der Kopf nickt unaufhaltsam und die Mundwinkel ziehen sich automatisch dauerhaft nach oben. Jedes Mal, wenn ein neues Album von DLDGG angekündigt wird, frage ich mich, ob die Band das extrem hohe Niveau der bisherigen Veröffentlichungen halten kann. Und wieder verspüre ich beim ersten Hören der neuen Songs ein schlechtes Gewissen. Wie konnte ich nur infrage stellen, dass mich auch dieses Album wieder begeistern wird? Schließlich hat die Band bisher immer eindrucksvoll bewiesen, dass sie es wie kaum eine andere in Deutschland versteht, wahre Meisterwerke der gepflegten Unterhaltung zu schaffen. Mit Songs, die gleichermaßen mit ihren ohrenschmeichelnden Melodien, ihren kleinen Geschichten, ihrem Charme, ihrem Esprit und ihrem Witz überzeugen. Auch bei „Egg Benedict“ reiht sich wieder Hit an Hit und es gibt auch zahlreiche Kandidaten, die sich dafür empfehlen, Bandklassiker zu werden, die in einigen Jahren noch ihren berechtigten Platz im Live-Set haben werden. Songs wie „Es ist Sommer irgendwo“, „Ein Dienstag in Dur (Es ist Frühling)“, „Wenn du ein Problem hast“ oder „Ich geh lieber allein“. Die Band bleibt ihrem bewährten Stilmix aus Sixties-Beat, Nothern Soul und Powerpop treu, ohne zu langweilen, ohne die geringsten Ermüdungs- oder Abnutzungserscheinungen. Die Songs kommen einem bereits nach kurzer Zeit bekannt vor wie langjährige gute Freunde, aber sie wirken doch frisch und unverbraucht. Mit weisen Songzeilen, die man gerne in großen Lettern auf T-Shirts in die Welt tragen würde: „Und wenn du ein Problem hast: Scheiß drauf!“ Mit dem „Song für die ALU“, einer Solidaritätsbekundung für die Gewerkschaft von Amazon, beweist die Band überzeugend, dass sie auf der richtigen Seite steht. Und es gibt auch wieder einen Song mit Fußball-Bezug, dieses Mal schleudern sie dem ausgelutschten „You’ll Never Walk Alone“ ein trotziges „Ich geh lieber allein“ entgegen. DLDGG spielen eben in einer eigenen Liga. Seitdem die Schweizer AERONAUTEN leider ein Fall für die Geschichtsschreibung sind, ziehen die Gentlemen da einsam ihre Kreise. Und das ist nicht Kreisklasse, sondern Champions League. In einer gerechten Welt würden die Songs des neuen Albums pausenlos im Radio laufen, das Album würde sich über Monate in den Charts halten und dein Hausarzt könnte es dir bei schlechter Laune als nebenwirkungsfreies Antidepressivum zu Lasten der Krankenkasse verordnen. Da diese Welt leider nicht gerecht ist, bleibt dir nur eins: Guten Geschmack und Stil beweisen, Album kaufen, auflegen und Spaß haben.
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