
Seit Esthers zehntem Lebensjahr dokumentiert Riad Sattouf den Alltag des in Paris lebenden Mädchens. Schon im letzten Band hat die Protagonistin mehrfach angedeutet, dass es für sie inzwischen zur echten Herausforderung wird, ihre Identität nicht preiszugeben. Das hat beispielsweise unter anderem dazu geführt, dass ihr jemand einen Band von „Esthers Tagebücher“ geschenkt hat. Gäbe es nicht die soziale Medien, hätte wohl gar kein großes Geheimnis daraus gemacht werden müssen. Was jetzt passiert, wenn Esther sich outet? Ich würde es an ihrer Stelle auch nicht austesten wollen. Aber: Der diesem nachfolgende neunte und letzte Band (Esther wird 18) ist in Frankreich schon 2024 erschienen, jetzt hat die echte „Esther“ endlich ihre Ruhe. Wieder gelingt Sattouf in leicht karikaturistischem Stil eine pointierte Momentaufnahme der französischen Gegenwart aus der Perspektive einer Heranwachsenden. Mit an Bord natürlich auch Schul-, Freundschafts- und Partyprobleme, da schenkt sich Jugend früher und heute landesunabhängig nur wenig. Ein lebensnahes Zeitdokument.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Anke Kalau