Foto

FAHRT ZUR HÖLLE, IHR HALUNKEN

Geschmäcker sind verschieden, das merkt man immer bei recht unübersichtlichen Genres wie dem Italowestern (in den 1960er und 1970er Jahren entstanden weit über 300 Filme). Sergio Corbuccis „Fahrt zur Hölle, ihr Halunken“ (auch der Originaltitel „Gli specialisti“, also „Die Spezialisten“, ist etwas eigenartig) ist ein fast schon kriminell unterbewerteter Film in diesem Bereich. Ulrich P. Bruckner, von dem das tolle Italowestern-Lexikon „Für ein paar Leichen mehr“ stammt, war der Film nur ein paar Zeilen wert, wo es lapidar heißt: „Relativ schwacher Hippie-Western mit einem völlig fehlbesetzten Johnny Hallyday, den auch die Mitwirkung von Adorf nicht retten kann.“ Ansonsten wurde Corbuccis zynischem Film oft übermäßige Brutalität vorgeworfen, was bei Italowestern aber kein wirklicher Kritikpunkt sein kann. Allerdings muss man dabei auch berücksichtigen, dass der Film hierzulande im Kino und auf Video fast um 20 Minuten gekürzt war und Synchronregisseur Karlheinz Brunnemann hier trotz der Ernsthaftigkeit von „Fahrt zur Hölle, ihr Halunken“ – ähnlich wie Kollege Rainer Brandt – kalauertechnisch in die Vollen geht. Eine ungeschnittene DVD erschien 2008 bei Kinowelt, die aktuelle Blu-ray-Premiere und DVD-Neuauflage besitzen beide eine deutlich verbesserte Qualität und etwas Bonusmaterial. „Fahrt zur Hölle, ihr Halunken“ mag vielleicht nicht die Klasse von Corbuccis Italowestern „Django“ von 1966 und „Leichen pflastern seinen Weg“ von 1968 erreichen, aber wahrscheinlich konnte kaum ein anderer Regisseur in diesem Bereich eine derart apokalyptische Schmuddel-Atmosphäre kreieren. Die Rachegeschichte mit dem ganz und gar nicht fehlbesetzten Musiker Hallyday als wortkargem Einzelgänger mag nicht sonderlich originell sein, aber die Inszenierung menschlicher Schlechtigkeit ist auf jeden Fall sehenswert.

Anzeige