
Viel ist über das offenbar 1997 gegründete niederländische Noiserock-Trio FINE CHINA SUPERBONE nicht in Erfahrung zu bringen. Seit 2003 veröffentlicht man Platten, aktuell erschien „Hunk“ als „Vinyl only“-Release. Darauf abgebildet ist im Comicstil ein klischeehafter Bodybuilder, der sich eine Frau mit Stöckelschuhen über die Schulter geworfen hat und damit posiert. Auf der Rückseite sieht man diese Pose von hinten, mit dem kleinen Fehler, dass man wieder nur die Dame und ihren Hintern sieht, eigentlich müsste man in dieser Perspektive ihre obere Körperhälfte sehen. Sexistisch? Wohl eher eine ironische Verarbeitung solcher stereotypen Darstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit, mit Bezug zum Titel „Hunk“, was unter anderem Muskelprotz bedeuten kann und eher negativ konnotiert ist. Der Bandname ist auch nicht ganz zu entschlüsseln, einerseits bezeichnet Superbone eine spezielle Art von Posaune, „fine bone china“ steht allerdings für feines Knochenporzellan, als Krönung der chinesischen Kunst der Porzellanherstellung. Musikalisch sind die Niederländer leichter zu dekodieren, denn die Einflüsse von SONIC YOUTH, UNSANE oder JESUS LIZARD sind überdeutlich, die FINE CHINA SUPERBONE mit konsequenter ruppiger Kantigkeit in ihren rohen Sound einfließen lassen. Hat man schon mal gehört, ist songwriterisch auch nur bedingt originell, besitzt aber die nötige Leidenschaft und Wucht, um bestens zu funktionieren. Vom feinen Porzellan bleibt zum Schluss auf jeden Fall nur ein großer Scherbenhaufen übrig.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #144 Juni/Juli 2019 und Kalle Stille